26.08.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Österreichische Reiter befreien acht honorige Bürger Wahre Teufelskerle im Kampfeinsatz

Das grausige Gemetzel der Kriegstage vom August 1796 ließ die Historische Theatergruppe Amberg-Sulzbach in Witzlhof für die Zuschauer aufleben. Dabei gab es auch deftige Anekdoten zu hören, die in der damaligen Zeit die Runde machten. Bild: gf
von Autor GFRProfil

Blutig ging's zu in den Kriegstagen im August 1796 und so manches Mal drunter und drüber. Darüber berichtete ein Historienspiel der Theatergruppe Amberg-Sulzbach in fünf Szenen am Gedenkstein in Witzlhof.

Niedergeschrieben hatte das Stück der Hofkammerrat und Chronist von Schenkl (Stefan Helml), der zusammen mit der Gräfin von Holnstein, der Gräfin von Taufkirchen und der Freifrau von du Prel sowie der Arztfrau von Röckl das grausige Gemetzel im Koalitionskrieg wieder aufleben ließ. Der bayerische Kurfürst Karl Theodor, ein 81 Jahre alter Lump und Weiberheld, dem 256 Kinder angedichtet werden, habe die letzten 300 Soldaten der Amberger Garnison nach München verlegen lassen.

Ohne Gegenwehr

Selbst soll er sich mit der 18-jährigen Österreicherin Maria Leopoldine auf Schloss Pillnitz in Sachsen amüsiert haben. Amberg sei den Franzosen ohne Gegenwehr überlassen worden und die hätten die Stadt gnadenlos geplündert, die Hauptkasse mit 36 000 Gulden mitgenommen und selbst im Umland Kirchen nicht verschont. Den im Franziskanerkloster gelagerten Rotwein habe der besoffene französische General Jourdan für ein Vollbad im Schlodererhaus zweckentfremdet.

Stadt ausgeplündert

In der ganzen Oberpfalz hätten sich Franzosen und Österreicher die Köpfe blutig geschlagen, so der Chronist. Als die Franzosen im August 1796 den Rückzug planten, forderten sie eine Million Livres, knapp 500 Gulden, die aber die ausgeplünderte Stadt nicht aufbringen konnte.

Kurzerhand nahmen die Franzosen acht der angesehensten Bürger, darunter den Stadthalter, den Vizeregierungspräsidenten, einen Oberforstmeister, einen 70-jährigen Landrichter, den Dekan von St. Martin und den Stadtarzt als Geiseln. Auf zwei Wagen, begleitet von einem Offizier und acht Soldaten, seien sie durch das Vilstor abtransportiert und ins Fränkische gebracht worden.

Die Laiendarsteller berichteten, dass die Franzmänner etliche Weiberleut geschändet hätten.

Bestes Bier ausgeschüttet

In der Sulzbacher Straße hätten sie die Bierkeller aufgebrochen und über 100 000 Maß bestes Märzenbier ausgeschüttet. Endlich sei über einen Kurier die Nachricht eingetroffen, dass 60 österreichische Reitersoldaten, wahre Teufelskerle, so die Gräfin von Holnstein, die acht Amberger Geiseln befreit hätten.

Hochrufe zum Empfang

Mit Hochrufen und Umarmungen seien die Stadthonoratioren, von einem Trommler begleitet, an der Stadtgrenze in Empfang genommen worden. Ein Jahr nach dem denkwürdigen Ereignis habe es eine eindrucksvolle Dankprozession zum Mariahilfberg gegeben.

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