09.02.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Patientenverfügung trug eine falsche Unterschrift Biedermann ist nur ein Fälscher

von Autor HWOProfil

Er gab den Biedermann, wollte nur Gutes getan haben. Wer allerdings eine Patientenverfügung mit einer falschen Unterschrift versieht, der sei ein Straftäter, sagte der Amtsrichter Dr. Stefan Täschner und entrüstete sich darüber, dass das Vertrauen einer betagten Dame schamlos missbraucht wurde.

Die Situation stellte sich für den Richter zunächst etwas verworren dar. Vor ihm saß ein 56-Jähriger, der großen Wert darauf legte, nur Gutes für eine ältere Frau gewollt zu haben. Bei der war er vor einigen Jahren eingezogen. Oder, wie später eine Tochter der zwischenzeitlich verstorbenen Ambergerin sagte, er hatte sich "eingeschlichen".

Als die Seniorin dann wieder einmal ins Klinikum musste, begleitete sie der 56-Jährige, legte auch eine Patientenverfügung vor. Ein Arzt besah sich das Dokument genauer und mutmaßte, die Verfügung könne wohl nicht von der Frau persönlich unterschrieben worden sein. Ihr Begleiter, der sich sehr besorgt um das Wohl der Frau zeigte, wurde darauf angesprochen und räumte ein, dass er die Unterschrift der Patientin auf den Bogen setzte. "Aber nur in Absprache mit ihr", wie er seinerzeit im Krankenhaus und jetzt auch vor dem Richter beteuerte.
Im Klinikum reagierte man sofort: Der Mann erhielt Hausverbot, die Polizei wurde verständigt. Von einem Arzt erfuhr Richter Täschner jetzt, dass sich die betagte Dame vor dem Mann panikartig gefürchtet habe, nicht mehr nach Hause wollte und nach einer Heimunterbringung verlangte. Ähnliches hörte der Vorsitzende von einer Tochter der Frau: "Sie hatte regelrecht Angst vor ihm. Der Kontakt zu uns war seit Jahren abgebrochen."

Mit der von ihm gefälschten Verfügung habe sich der Mann glücklicherweise keinen Vorteil verschaffen können, ließ Richter Täschner im Urteil anklingen. Allerdings, so fügte er hinzu, sei das Vertrauen der Seniorin schamlos ausgenutzt worden. Der heute in Augsburg von Unterstützung lebende Angeklagte muss 1350 Euro Geldstrafe wegen Urkundenfälschung bezahlen. Damit ging Täschner über den ursprünglich von der Staatsanwaltschaft beantragten Strafbefehl hinaus.

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