07.04.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Paul Roier macht aus dem Verpackungsmaterial Kunstwerke - Neue Ausstellung im ACC: "Wellpappe fordert mich heraus"

Was hat Wellpappe mit Kunst zu tun? Eigentlich nichts. Der vielseitige Stoff ist ein "weltmeisterliches Verpackungsmaterial". Es funktioniert wie eine Fachwerkkonstruktion und kann das 100fache seines Eigengewichts tragen. Soweit die technische Komponente. Die künstlerische Seite kitzelt Paul Roier heraus. Bis 12. April zeigt er im ACC 33 Collagen unter dem Titel "Luftige und schwerelose Wellpappe".

Paul Roier ist nach eigener Auskunft der erste Künstler, der eine Ausstellung mit Wellpappenwerken zeigt. Bild: Huber
von Autor MSCProfil

Es ist die erste Wellpappenausstellung überhaupt, betonte Roier bei der sehr gut besuchten Vernissage am Samstagabend. Christine Schmid, Assistentin in Sachen Training und Schulung, führte gekonnt und ausführlich in die Schau ein. Eine Uraufführung von Eigenkompositionen und Improvisationen auf Percussion-Instrumenten aus Papier und Pappe rundete den gelungenen Start in die Ausstellung ab.

Die Räume im oberen Stock des ACC passen gut für Roiers Wellpappenkunst. Helle Scheinwerfer rücken die unterschiedlichsten Exponate ins rechte Licht: Arbeiten, die mit der Natur verbunden sind, expressive Eigenkompositionen in kubischen Formen, Falt- und Knitterexperimente, die plastisch in den Raum ragen, goldschimmernde "Pagoden" oder auch Kunst aus Abfallprodukten. Die Titel wie "Wellenmeer", "New York", aber auch "Papierblumen" und "Schwertfisch" legen hilfreiche Spuren für den Betrachter.

Gerissen, geklebt, gefächert, aufgerollt oder aufgebrochen, bemalt und in Naturtönen gehalten, mit Baumscheibe oder Wurzelholz ergänzt, gewaschen, geschnitten und gefönt - die Bearbeitungsideen scheinen dem Künstler nicht auszugehen. Das unterstreicht auch seine Tochter Sonja Schöner. "Die Kunstwerke hat er schon im Kopf und dann entstehen sie im Keller."

3D-Effekt und Schattenspiel

Zum Glück tauchen sie dann auf, zum Beispiel in den Besprechungszimmern und auf den Fluren der Firma BHS Corrugated in Weiherhammer (Weltmarktführer als Maschinenbauer für Wellpappenanlagen), wo der gebürtige Amberger seit 19 Jahren Leiter der Projektierungsabteilung ist. "Wellpappe lebt, hat eigene Gesetze und fordert mich heraus", sagt Roier über sein Schaffen.

Vom "3D-Effekt, vom Licht und Schattenspiel des Materials" schwärmte auch Christine Schmid in ihrer Einführung. Sie stellte heraus, dass Paul Roier mit "der Profilform, mit Symmetrie, Geometrie und Farbe" spielt. "Im Zuschneiden von Wellpappe entstehen die vielfältigsten Schnittmuster zu den jeweiligen Profilen. Selbst der Abfall bietet oft nie gesehene Geometrien." Jedes Bild habe seine eigene Geschichte, erläuterte Schmid und nahm die Vernissage-Gäste mit auf eine kleine Weltreise. Aus allen Ecken des Globus stammen die Fundsachen und Hölzer, die Roier zu individuellen aussagekräftigen Bildern inspirierten.

Auch Rhythmen aus Papier

Inspirieren von dem musikalisch noch wenig ausgereizten Material ließen sich auch Josef Langgärtner, pensionierter Elektroingenieur und Musiker aus Parkstein, sowie Raimund Senkayi aus Kampala, BHS-Mitarbeiter. Auf Wellpappenbox und Papierhülsen aus Spanien spielte das oberpfälzisch-ugandische Duo mit Fingern, Hand und Rods mitreißende, aber klanglich doch ungewöhnliche "Paper rhythm".

Gespickt ist die Ausstellung mit Information und Videopräsentation über Herstellung und Verwendung von Wellpappe. Zu sehen bis 12. April im ACC täglich von 9 bis 17 Uhr.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.