16.09.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Pfreimder Mordprozess stellt Rekorde auf - Gutachter über Monate hinweg beschäftigt Tausende Details und enorm hohe Kosten

von Autor HWOProfil

Keiner mag sich bisher zu den Kosten äußern. Doch fest steht: Der Pfreimder Mordprozess dürfte nicht nur von seinem immensen technischen Aufwand her, sondern vielmehr auch im Hinblick auf die finanziell zu investierenden Mittel Rekorde in der Amberger Justizgeschichte aufstellen. Die Grenze zur Sechsstelligkeit dürfte dabei längst überschritten sein.

Fast ein Dutzend namhafte Gutachter wurden während der Ermittlungen und jetzt auch bei Gericht eingesetzt. Bei ihnen handelt es sich durch die Bank um namhafte Experten, die teilweise über Monate hinweg wissenschaftlich nachforschten, um Spuren, Sachverhalte und die zur Tat verwendete Waffe zu prüfen. Mit einem Schuss aus diesem Gewehr, einer für die Jagd verwendeten Bockbüchsflinte, wurde ein 39-Jähriger aus kurzer Entfernung ins Gesicht getroffen und tödlich verletzt. Eines der unzählig vielen Details bezog sich auf das Geschoss: Eine Patrone vom Typ "Saga Highspeed" mit 36 Gramm Schrotinhalt. Diese 36 Gramm bestanden aus 180 einzelnen Kügelchen, die verheerende Wirkung hatten.
Solche Einzelheiten wurden auf mehreren Tausend Seiten Akten niedergeschrieben. Hinzu kamen physikalische Versuche, die in München stattfanden. Außerdem der Bau von Geräten, die es erstmals in solcher Form gab. Um die Erkenntnisse noch zu vertiefen, wurden Schrotschüsse auf die Schädel toter Tiere abgefeuert. Die Experimente kamen nicht nur schriftlich zu den Unterlagen. Sie wurden von den Gutachtern auch in einer sogenannten Power-Point-Präsentation dokumentiert und den Richtern im Sitzungssaal gezeigt.

Für die Dauer der ersten fünf Prozesstage hatte das Amberger Schwurgericht die Präsenz zahlreicher Gutachter angeordnet. Im Gegensatz zu anderen Verfahren erschien dies notwendig, da immer wieder Fragen an die Experten auftauchten. Am vergangenen Freitag konnten nahezu alle an ihre Heimatorte in München und Münster zurückkehren.

"Ohne diesen Aufwand wäre es nicht gegangen", sagte der die Anklage vertretende Leitende Oberstaatsanwalt Joachim Diesch am Rande des Prozesses, der in einem relativ kleinen Sitzungsraum stattfinden muss. Der Grund dafür: Der eigentliche Schwurgerichtssaal wird momentan im Zuge einer Gesamtsanierung des Amberger Landgerichtsgebäudes renoviert.

Am heutigen Montag setzt sich das Verfahren, bei dem die 35-jährige Ehefrau des getöteten Pfreimder Speditionsunternehmers unter Mordverdacht auf der Anklagebank sitzt, mit Zeugenvernehmungen fort. Die dazu geladenen Personen kommen zu einem größeren Teil aus dem Umfeld des Ehepaares.

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