Provinzialbibliothek widmet sich des Themas in einer Ausstellung - Einst auch für Analphabeten ...
Jeder sehnt sich nach dem eigenen Paradies

Das älteste Exponat der Paradies-Ausstellung, eine Papierhandschrift Waldsassener Provenienz aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.
Das Paradies beflügelte seit Urzeiten Gedanken und Sehnsüchte der Menschheit. Dem "Paradeys" ist eine Ausstellung im Barocksaal der Provinzialbibliothek gewidmet. Bürgermeister Rudolf Maier sagte bei der Eröffnung, jeder habe sicher eine andere, individuelle Vorstellung vom Paradies. Im Kongregationssaal stand Gott Vater (Dagmar Müller) oben auf der Kanzel und sah auf Adam (Jürgen Huber) herab, der im Paradies ein einsames Leben führte und sich nach einer Gefährtin sehnte.

Aus Dreck habe er den Adam "zammerpappt", sagte Gott Vater und nun wolle er dem Adam aus einer Rippe die Eva (Judith Gleixner) formen. Allseits bekannt ist die Geschichte, wie es im Paradies weiterging, aber die Theatergruppe Rampenfieber verstand es ausgezeichnet, das 1784 verfasste Melodrama "Adam und Eva im Paradeiß" rüberzubringen, das der Winnie Steinl ins oberpfälzische umgeschrieben hatte. Siglinde Kurz, die Leiterin der Provinzialbibliothek meinte, dass jeder Mensch mit dem Paradies persönliche Bilder und Sehnsüchte verbinde, aber für alle gemeinsam sei das Streben nach Harmonie und Glück.
Als Kurator habe Dr. Georg Schrott die Provinzialbibliothek unter dem Suchbegriff "Paradies" durchforstet und die Ausstellung im Barocksaal kreiert. Dr.Rolf Griebel, der Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek bezeichnete die Provinzialbibliothek als besonderes Bücherparadies, in dem das kulturelle Erbe der Abteien aus der nördlichen und mittleren Oberpfalz seit Anfang des 19. Jahrhunderts zusammen mit den Büchern der Amberger Jesuiten verwahrt seien.

Mit der laufenden Ausstellung "Paradieiß - Herkunftsahnungen und Zukunftshoffnungen" stelle die Provinzialbibliothek ihre Funktion als vitales Schatzhaus des von ihr verwahrten kulturellen Erbes unter Beweis. Dr. Georg Schrott wies darauf hin, dass sich die Ausstellung zunächst der christlichen Bilderwelt biblischer Herkunftsphantasien zuwende, dann über Zukunftshoffnungen das endgültige Heil anstrebe. Ein solches Heil sei unter den Bedingungen der irdischen Welt nicht erreichbar.

Trotzdem dränge unser Menschsein nach vollendendem Glück, da sei es kein Zufall, wenn von Betten- oder Blumen-, von Camping-, Surf-, Biker- oder Kinderparadiesen die Rede sei. Etwa 50 Exponate seien im Barocksaal zu sehen, dessen Decke eine Paradiesdarstellung ziere. In frühchristlicher Zeit sei eine bildliche Darstellung Gottes verboten gewesen, später habe es kein Problem mehr gegeben, den sprichwörtlichen "alten Mann mit dem weißen Bart" darzustellen der im Paradies agiere. Im Verlauf seiner Recherchen, so Dr. Georg Schrott, sei er immer wieder auf den Paradiesvogel gestoßen, von dem die frühgeschichtliche Lehre behauptete, er habe keine Füße gebraucht, weil er sein ganzes Leben in der Luft verbringe, ja sogar im Fliegen brüte.
Als nur die wenigsten lesen konnten, erzählten Illustrationen über mehrere Seiten hinweg auch für den Analphabeten verständliche Geschichten. Der Kurator zitierte den Ensdorfer Mönch Placidus Velhorn, nach dessen Bibelkommentar die Schlange der Eva versprochen habe, sie werde gottgleich. Bei der Vertreibung aus dem Paradies sei ihr dann eröffnet worden, sie müsse gehorsam sein. Der Bibeltest, so Dr. Schrott, sei dazu instrumentalisiert worden, bestehende soziale Ungleichheit mit göttlicher Autorität zu legitimieren.
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