Prozess gegen Ex-Banker und Finanzvermittler geht heute weiter - Darlehensverträge gefälscht
Schaden von 1,4 Millionen Euro

Vor der Großen Strafkammer des Landgerichts wird heute unter dem Vorsitz der Vizepräsidentin Roswitha Stöber der Prozess gegen einen Ex-Banker aus Schwandorf und einen Finanzvermittler aus Amberg wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs fortgesetzt. Den Angeklagten wird vorgeworfen, 2005 und 2006 einer großen Privatbank gefälschte Darlehensverträge von wirtschaftlich nicht solventen Immobilienerwerbern vorgelegt zu haben.

Die Verträge seien ihm laut Anklage von dem Amberger Mitangeklagten vermittelt worden. Auch nach mittlerweile sieben langatmigen und ins Detail gehenden Verhandlungstagen ist weiter von einer Schadenssumme von rund 1,4 Millionen Euro die Rede. Nach den bisherigen Einlassungen von Zeugen stand der Schwandorfer Ex-Banker in der Branche wohl in dem Ruf, dass von ihm relativ leicht Kredite zu haben seien.

"Chronisch unschuldig"

So wie der Prozess bisher verläuft, entsteht für den Beobachter nicht der Eindruck, dass sich die beiden Angeklagten zu einem Geständnis aufraffen werden. Sie räumen augenscheinlich nur ein, was ihnen die Staatsanwaltschaft ohnehin nachweisen kann. Die Angeschuldigten geben sich, wenn man so will, als "chronisch unschuldig" aus.
Der Schwandorfer steht derzeit nach eigenen Angaben noch mit rund 230 000 Euro in der Kreide, resultierend offenbar aus Haus- und Immobilienerwerb Ende der 80er Jahre. "Zur Lebensführung, für wirtschaftliche Belange, für Haus und Garten", sagte der Mann, habe er die illegal erlangten Provisionszahlungen verwendet. "Ich habe nie auf großem Fuß gelebt, ich war sehr sparsam", ließ er das Gericht wissen. Andererseits: Für einen drei Jahre alten Gebrauchtwagen habe er schon mal 50 000 Euro hingeblättert.

Im bisherigen Verfahren wurden ausführlich die Verhältnisse bei der Schwandorfer Bank durchleuchtet, unter anderem erläuterte ein Zeuge aus Frankfurt die Stellungnahme und eine Sonderprüfung, ein Wirtschaftsprüfer aus Regensburg sagte umfangreich über die Schadensbewertung aus. Schließlich war auch noch ein Beauftragter der geschädigten Bank aus Stuttgart zu hören.

Urteil nicht in Sicht

Staatsanwalt Dr. Johannes Weber hat zusätzlich einen Wirtschaftsprüfer aus Regensburg beauftragt. Fortgesetzt wird der im Bereich der "Weiße-Kragen-Kriminalität" angesiedelte Prozess heute mit dem achten Verhandlungstag. Auftreten werden, wie schon in der siebten Runde, mit unlauteren Mitteln geköderte Immobilien- und Darlehensvermittler. Fünf weitere Termine hat die Strafkammer vorgesehen, ein Urteil ist in dieser Woche wohl nicht zu erwarten.
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