Prozess gegen Ex-Banker und Vermittler geht weiter
"Strohfrau" im Sog des finanziellen Ruins

Amberg. (e) Der angeklagte Schwandorfer Ex-Banker (59) war offenbar eine gute Adresse in der Branche, stand er doch "für schnelle Bewilligung und Auszahlungen", wie ein Zeuge vor der Großen Strafkammer des Amberger Landgerichts aussagte. Ein schillernder Kenner der Szene, den Polizeibeamte am vierten Prozesstag in Handfesseln vorführten.

Seit Mai 2012 in Haft

Dabei handelte es sich um einen ehemaligen Bankkaufmann aus Deggendorf, der ebenfalls zur Gilde der Finanzierungsvermittler gehörte, geschäftliche Kontakte zu der Immobilienfirma des mitangeklagten Amberger Geschäftsmannes (43) und dessen 2011 verstorbenen Kompagnons hatte. Und der seit Mai 2012 eine dreieinhalbjährige Freiheitsstrafe verbüßt. Der Grund ist naheliegend: banden- und gewerbsmäßiger Betrug (wir berichteten).

Der gleiche Schuldvorwurf wurde den beiden nunmehr in Amberg Angeklagten zum Verhängnis. Duplizität der Ereignisse: Auch der Deggendorfer Bankkaufmann, der seinen Nadelstreifenanzug mit der Anstaltskleidung eintauschen musste, hatte eine "Strohfrau" als Namensgeberin benutzt, um überhaupt eine entsprechende Firma betreiben zu können.

Bekannte überredet

Das war auch bei der Amberger Immobilienfirma der Fall. Die beiden Geschäftsführer hatten eine Bekannte überredet, ihren Namen für das Gewerbe herzugeben. Was sie dann auch aus Gefälligkeit getan haben will, um als haftende Inhaberin selbst immer mehr und unverschuldet in den Sog des finanziellen Ruins zu gelangen, wie sie sich jetzt vor Gericht eingestehen musste.

Zwei weitere Zeugen, einstige Mitarbeiter in dem ehemaligen Deggendorfer Finanzierungsbüro, bestätigten, für die Amberger Firma Eigenkapitalnachweise, sogar Geburtsdaten gefälscht zu haben. Die getürkten Finanzierungen seien, hieß es, so lange gut gegangen, bis einmal ein Kunde die Raten nicht mehr bezahlen habe können - da sei dann die Fälschung prompt aufgeflogen.

Auftraggeber unklar

Von wem nun aus Amberg der Auftrag zur Fälschung gekommen sei, vom mittlerweile verstorbenen Amberger oder von seinem jetzt angeklagten Mitarbeiter, das wollten oder konnten die Zeugen nicht angeben. Von diversen Treffen mit Immobilienkäufern in einem Schwandorfer Café war die Rede, von Briefkuverts mit Geld, das der 43-jährige Amberger in die fragliche Bank zum Sachbearbeiter gebracht haben soll. Und der habe eine Vermittlungsprovision von einem Prozent kassiert.
Dass der Schwandorfer Banker mit zehn Schufa-Einträgen selbst massiv in der Kreide stand, war schon am Anfang des Prozesses bekannt geworden. Jetzt gab es eine interessante Variante über dessen Überschuldung zu hören: Der Mann sei spielsüchtig. Dass es nicht einfach ist, einen mindestens sechs Jahre zurückliegenden Sachverhalt zu klären, zeigt sich recht deutlich. "Ewig her", heißt es oft bei den Zeugen. Fortgesetzt wird der Prozess heute um 8.30 Uhr.
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