20.12.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Randfigur auf dem Schachbrett internationaler Autoschieber - Bewährung für rumänische Juristin Drahtzieher bleiben unbehelligt

von Autor HWOProfil

Der Blick hinein in die internationale Autoschieberkriminalität dauerte gerade mal eine Stunde. Dann gab es ein Urteil, das auf zwei Jahre mit Bewährung lautete. Die vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts sitzende Frau durfte anschließend in ihre rumänische Heimat reisen. Sie hatte zwar ein Geständnis abgelegt, mochte aber weder etwas zu ihren Mittätern noch zu den Drahtziehern im Hintergrund sagen.

Italienische Carabinieri hatten heuer im Sommer einen europaweit ausgestellten Haftbefehl vollzogen. Sie nahmen eine 30-jährige Juristin aus Rumänien fest, ordneten Hausarrest an und schoben die attraktive Blondine Wochen später nach Deutschland ab. Ab dann saß die Weitgereiste im Regensburger Frauengefängnis und wurde von dort aus nach Amberg zum Prozess gebracht.Wieso Amberg? Die Antwort auf diese Frage gab es gewissermaßen im Schnelldurchlauf: Weil bei einem Amberger Autoverleiher im Mai 2009 ein 30 000 Euro kostender Daimler geliehen und trotz eines ausdrücklichen Reiseverbotes für Ostblockländer nach Ungarn gebracht worden war. Wenige Tage später meldete die Budapester Polizei nach Deutschland: "Der Pkw gilt als gestohlen." Das teuere Fahrzeug wurde, wie sich später herausstellte, nach Bukarest verschoben, tauchte dort aber nach einiger Zeit eher zufällig wieder auf.

In Amberg und Frankfurt

Nur kurze Zeit nach dem dreisten Coup in Amberg kam in Frankfurt auf gleiche Weise ein Auto abhanden. Der Daimler SLK, geliehen bei einer renommierten Firma, wurde ebenfalls in Budapest als entwendet gemeldet. Was mit diesem Pkw danach geschah, ließ sich den der Richterin Roswitha Stöber vorliegenden Akten nicht entnehmen. Wohl aber stand fest: Bei den banden- und gewerbsmäßig begangenen Betrügereien waren jeweils die gleichen drei Leute im Spiel - eine schwarzhaarige Frau, eine Blondine und ein Mann mit dem offenbar falschen Namen "De Luca".

In Amberg mietete die Schwarzhaarige den Wagen, in Frankfurt unterschrieb die blonde Frau den Mietvertrag - und das war die jetzt auf der Anklagebank sitzende Juristin. Als Wohnsitz wurde eine Adresse in Mannheim angegeben. Dort kannte keiner die beiden wohl eigens für die Schiebereien angeheuerten Damen.

Soweit der Sachverhalt. Zu gerne hätte die Staatsanwältin Silvia Schatz mehr über Rand- und Hauptfiguren auf dem Schachbrett einer international operierenden Schieberbande erfahren. Doch alles, was die 30-Jährige zu sagen hatte, war in einer knappen Erklärung ihres Verteidigers Helmut Mörtl (Regensburg) zusammengefasst: "Sie gibt ihre Beteiligung zu, möchte sich aber nicht weiter zu Einzelheiten äußern." Nur so viel noch: Ihr Kleinkind musste nach der Verhaftung zu den Eltern nach Rumänien gebracht werden.

Zurück in die Heimat

Für ein Geständnis, das schließlich in nur wenigen Worten kam, hatte die Strafkammer eine Haftstrafe von nicht über zwei Jahren mit Bewährung zugesichert. Diese zwei Jahre beantragte die Staatsanwältin und die Richter verhängten sie auch. Anschließend durfte die Dame gehen.

Zurück blieb ein fader Beigeschmack. Freilich: Auch ein Prozess mit endlos langer Beweisaufnahme hätte wohl kein anderes Ergebnis erbracht. Denn wer als Rädchen im Getriebe international agierender Banden den Mund aufmacht, lebt ab dann in Gefahr.

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