Schädel-Hirnpatienten setzen weiter auf Armin Nentwig - Vermögen schrumpft um 175 000 Euro
Schlussstrich unter Rechtsstreit

Wenn einer in den Knast geht, gehen wir alle mit. So weit waren wir.

Über Jahre hinweg überschattete ein bis vor den Bundesgerichtshof gehender Rechtsstreit die Arbeit des Verbandes Schädel-Hirnpatienten in Not. Der am Samstag bei der Jahreshauptversammlung in seinem Amt bestätigte Vorsitzende Armin Nentwig musste die Mitgliederdaten den Klägern aushändigen (wir berichteten). Im König-Ruprecht-Saal zogen die 83 erschienenen Vereinsangehörigen einen Schlussstrich. Emotionen kochten dennoch hoch.

Nentwigs Stellvertreter Heinz Muth aus Niedersachsen sah sich erneut mit den Anträgen konfrontiert, die vor einem Jahr bei der außerordentlichen Versammlung gestellt worden waren. Damals tagte der Verband hinter verschlossenen Türen, dieses Mal wurden die Anliegen der Mitglieder öffentlich. Einige von ihnen hatten gefordert, die Kläger wegen vereinsschädigenden Verhaltens auszuschließen. Das sei aber nicht möglich, sagte Muth: "Sie haben von ihrem Recht Gebrauch gemacht, an die Listen zu kommen." Muth war es auch, der Armin Nentwig erneut als Vorsitzenden vorschlug und sich mit martialischen Worten auf die Seite des 69-jährigen Ambergers stellte: "Es geht nur mit ihm." Und: "Wenn einer in den Knast geht, gehen wir alle mit. So weit waren wir. Das ist aber alles abgehakt. Die Listen sind raus."

Armin Nentwig, der bei einer Missachtung des Richterspruchs zwei Tage hinter Gitter gemusst hätte, sagte über die Listen mit Details von allen gut 3000 Mitgliedern: "Ich hoffe, dass von den Daten jetzt nicht irgendwie Gebrauch gemacht wird. Wenn ja, teilen Sie uns das bitte mit." Chris-tian Winter aus Heidelberg, der im Beirat des Verbandes sitzt, machte auf eine Möglichkeit aufmerksam, die alle Mitglieder hätten. Mit einem Schreiben könnten sie dafür sorgen, dass ihre Namen und Adressen von den Klägern nicht an Dritte weitergegeben werden dürfen: "Das ist Ihr Recht." Den Reaktionen nach zu urteilen, haben einige Vereinsangehörige diese Schritte bereits eingeleitet.

Für Porto 29 000 Euro

Heinz Muth, der wie Nentwig ohne Gegenstimme wiedergewählt wurde, formulierte auch den Wunsch des Vorstands für die Zukunft: "Wir hoffen, dass wir die nächste Amtsperiode ohne Prozess überstehen." Wohl auch aus finanziellen Gründen. Dem Bericht von Kassenverwalterin Gertrud Bosem aus Baden-Württemberg war zu entnehmen, dass sich die Prozess- und Anwaltskosten allein 2012 auf 19 197 Euro beliefen. Die größten Einnahmequellen seien die Beiträge der Mitglieder, Spenden und Fördergelder gewesen. Auf der Habenseite standen 294 944 Euro, die Ausgaben beliefen sich auf 309 785 Euro - allen voran für Personal (104 800 Euro). Für den Druck und Vertrieb der Zeitschrift "Wachkoma" gab der Verband 45 000 Euro aus, für Porto 29 000, für Reisekosten rund 10 000 Euro.

Einigen Mitgliedern waren diese Informationen nicht genug. Sie wollten beispielsweise wissen, wie der Verlust von 14 841 Euro ausgeglichen wurde. "Das haben wir aus den Rücklagen entnommen", antwortete die für die Finanzgeschäfte verantwortliche Gertrud Bosem, die aus persönlichen Gründen auf eine erneute Kandidatur verzichtete. Das aktuelle Vereinsvermögen (265 841 Euro) machte ein anderes Mitglied stutzig. Der Mann wollte erfahren, wie genau sich die Rücklagen in den vergangenen Jahren entwickelten. Die Übersicht enthielt folgende Zahlen: 2009 waren es 439 756 Euro, 2010 dann 320 117, ein Jahr später 279 307 Euro und 2012 besagte 265 841 Euro.

Vier statt acht Beiräte

Auf Nachfrage der AZ erklärte Armin Nentwig den Rückgang des Vermögens um knapp 175 000 Euro in drei Jahren mit mittlerweile reduzierten Personal, Porto- und Reisekosten. Letztere seien durch einen zu großen Vorstand entstanden, der früher acht Beiräte vorsah, die zu den Vorstandstreffen anreisten. Am Samstag entschied sich die Versammlung dafür, künftig nur vier Beiräte zu wählen.

Gedanken über Nachfolger

Heinz Muth kündigte an, ein Controlling einzuführen und einen Haushaltsplan aufstellen zu wollen. Zudem sprach er die Altersstruktur im Verband an und dachte dabei auch an Armin Nentwig, der am 15. Mai 70 Jahre alt wird: "Wir müssen uns mal Gedanken über einen potenziellen Nachfolger machen. Es ist unangenehm, das zu sagen, wenn er dabei ist. Aber man muss es sagen." (Seite 4/Angemerkt/Hintergrund)
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