Screening-Tag am Klinikum in Kooperation mit der Gesellschaft für Gefäßchirurgie und -medizin
Wenn Adern aus dem Leim gehen

Dr. Maximilian Schön, Leitender Oberarzt am Klinikum St. Marien, beim sogenannten Screening eines Kollegen. Diese Untersuchungsmethode ermöglicht, krankheitswertige Erweiterungen von Blutgefäßen frühzeitig zu erkennen. Bild: hfz

Ein sogenanntes Aor-tenaneurysma ist eine Erweiterung der Hauptschlagader, die sich meist langsam und schleichend entwickelt. Die Gefahr dabei: Aneurysmen werden von Betroffenen in der Regel nicht bemerkt und erweitern sich, wenn sie unerkannt bleiben, so stark, bis sie irgendwann plötzlich platzen und es zu einer inneren Verblutung kommt.

Alle Gefäße können von Aneurysmen betroffen sein, hauptsächlich kommt aber die Bauchschlagader-Erweiterung, das sogenannte Bauchaortenaneurysma (BAA) vor. Männer sind fünfmal häufiger betroffen als Frauen. Anlässlich des nationalen BAA-Screeningtages, der jedes Frühjahr stattfindet, informierten Experten der Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin des Klinikums St. Marien über dieses Krankheitsbild und standen im Anschluss für alle Fragen zur Verfügung.

Für die rund 80 Besucher war beispielsweise von Interesse, wann und in welchen Abständen eine Vorsorgeuntersuchung ratsam erscheine. "Laut einer Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin sollten vor allem Männer ab 65 einmal im Jahr zur Vorsorge. Bestehen weitere Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Arteriosklerose oder eine familiäre Vorbelastung, ist ein regelmäßiges Screening ab dem 50. Lebensjahr anzuraten", so Oberarzt Saman Djamil.

Beobachtung wichtig


Eine weitere Frage, die auftauchte: Was passiert, wenn ein BAA beim Screening festgestellt wird? "Kleinere Aneurysmen müssen nicht gleich operiert werden. Sie sollten aber regelmäßig kontrolliert werden." Bei einem sprunghaften Anwachsen auf einen Durchmesser von etwa fünf Zentimetern sollten Aneurysmen operativ entfernt werden, empfiehlt Djamil. Dr. Ioannis Rafailidis, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, ergänzte, dass zwei Operationsmethoden zur Verfügung stünden: Die konventionelle Operation, bei der der Bauch geöffnet, das Aneurysma entfernt und eine Kunststoffprothese eingesetzt wird.

Auf der anderen Seite die endovaskuläre Methode, bei der nur kleine Schnitte nötig würden und über die Leistenschlagader gearbeitet werde. Diese Methode sei zwar schonender, könne aber nicht bei jedem angewendet werden. Zudem müssten Patienten nach einem derartigen Eingriff regelmäßig zur Nachsorge, oft ein Leben lang. Langzeitergebnisse lägen zudem nicht vor.

Keine Regelleistung

Im Anschluss konnten sich Besucher kostenlos screenen lassen. "Diese wichtige Vorsorgeuntersuchung ist zurzeit keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung", so Rafailidis. Oberarzt Djamil ergänzte: "Im Vergleich zur Darmspiegelung oder Brustmammographie braucht man hier weniger Untersuchungen, um ein Leben zu retten."
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