Siemens-Betriebsrat hat viele Aufgaben zu bewältigen - Von der Umstrukturierung kaum betroffen
Einsatz für jeden Arbeitsplatz

Volker Jung und Stefanie Lengfelder stehen für die nächsten vier Jahre an der Spitze des Siemens-Betriebsrats. Sie und ihre 27 Kollegen haben jede Menge an Aufgaben zu erledigen. Bild: hfz
Lokales
Amberg in der Oberpfalz
21.08.2014
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Jeden Donnerstag um 10 Uhr trifft sich ein mittelgroßes Parlament in einem Besprechungsraum der Siemens AG. Dann tagt der 29-köpfige Betriebsrat, das Gremium der Arbeitnehmervertretung. Seit 24 Jahren steht Volker Jung an seiner Spitze, doch dahinter hat sich mit Stefanie Lengfelder erstmals eine junge Frau etabliert. Ihr gehört die Zukunft - und die Zukunft ist ein Thema, dem sich der Siemens-Betriebsrat intensiv widmet.

Riesige Hallen, ellenlange Produktionsstraßen, aber eigentlich wenige Menschen: Das ist Siemens Amberg heute. Doch der erste Schein trügt. Rund 5000 Frauen und Männer arbeiten derzeit in drei Schichten am Amberger Standort. Aber die Verhältnisse haben sich gewandelt, so sagt BR-Vorsitzender Volker Jung. Lag das Verhältnis Büro zu Produktion vor 25 Jahren noch bei einem zu zwei Drittel, so sind es derzeit 50 zu 50 mit der eindeutigen Tendenz in Richtung Bürojobs.

Bereits 800 Ingenieure

"Wir haben 800 Ingenieure hier", erzählt Volker Jung. Trotzdem gilt Amberg als einer der wichtigsten Produktionsstandorte von Siemens im Lande. "Von den 115 000 Siemens-Beschäftigten in ganz Deutschland sind nur noch 25 000 Gewerbliche", rechnet Volker Jung vor. "Davon arbeiten in Amberg allein 2500."

Um die kümmert sich der Amberger Betriebsrat übrigens gerade besonders intensiv. Es geht um die Umgestaltung, die Optimierung der Arbeitsplätze. Gemeinsam mit der Werksleitung arbeiten die Betriebsräte daran, diese an die künftigen Anforderungen anzupassen. Denn die Mitarbeiter werden zwangsläufig immer älter - und sie müssen länger arbeiten, wenn sie nicht gerade unter die neue Rentenregelung fallen, die ein Ende des Arbeitslebens nach 45 Jahren erlaubt. "Die Leute sollen gesund in den Ruhestand gehen können - und dafür müssen wir schon bei den Auszubildenden anfangen", sagt Volker Jung.

Das geschieht basierend auf drei Säulen. Zunächst mit der Optimierung der Produktionsanlagen. Damit sie beispielsweise problemlos von älteren Mitarbeitern bedient werden können. "Dann wollen wir die Arbeiten anreichern und eventuell sogar die Leute rotieren lassen." Geht das alles nicht, dann sollen die Arbeitnehmer zumindest immer wieder Ausgleichsübungen absolvieren, um die einseitigen Belastungen wenigstens ein bisschen auszugleichen.

"Hier sind wir als Betriebsrat natürlich immer mit im Boot", sagt Stefanie Lengfelder. Zumal ja auch bei Siemens, einem der begehrten Arbeitgeber der Region, so langsam die Demografie zu wirken beginnt. "Wir haben heute auch keine 500 bis 600 Bewerber mehr für 50 Ausbildungsplätze", sagt Volker Jung. Wichtig sei es aber, den Wissenstransfer von Alt nach Jung zu garantieren und den eigenen Nachwuchs zu fördern.

Sieben Freigestellte

Der Siemens-Betriebsrat, so schildern es Stefanie Lengfelder und Volker Jung in den buntesten Farben, hat reichlich zu tun. Von den 29 Mitgliedern sind sieben freigestellt. Das heißt: Sie machen nur noch Betriebsratsarbeit - sonst nichts mehr. "Die haben aber reichlich zu tun", so die beiden Vorsitzenden unisono. Das Gros der Arbeit machen die Personalangelegenheiten aus. Ob Einstellungen, Kündigungen, Abmahnungen, Versetzungen, die finanzielle Eingruppierung oder auch ein Suchtproblem: Der Betriebsrat redet mit, wie es das Betriebsverfassunggesetz ja genau vorschreibt.

Siemens stellt weiter ein

Dann ist da noch die derzeitige Umstrukturierung. An Siemens Amberg wird der Umbau des Konzern relativ glimpflich vorbeiziehen, da sind sich die Betriebsräte sicher. Trotzdem müssen sie derzeit mehr als 5000 Mitarbeiternamen durchgehen, müssen prüfen, ob sie sich in den neuen Strukturen am richtigen Ort wiederfinden und ob sie das verdienen, was ihnen zusteht.

Gute Vorzeichen

Seinen Arbeitsplatz verlieren wird in Amberg keiner der Mitarbeiter. Im Gegenteil: Siemens stellt weiter ein, sucht händeringend Ingenieure und Facharbeiter. Der Konzern, so erzählt es Volker Jung, übernimmt derzeit sogar Leiharbeiter in ein "richtiges" Arbeitsverhältnis - wenn auch vorläufig nur befristet.

Die Zeichen stehen gut. Und das freut den altgedienten Betriebsratshasen und seine junge Stellvertreterin. Auch wenn sich die beiden sicher sind, dass sie als Vertreter der Arbeitnehmer immer gefordert sein werden. Denn: "Wir kämpfen jeden Tag um jeden Arbeitsplatz."
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