09.04.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Siemens-Orchester glänzt bei elftem Auftritt in Amberg mit Harmonie und Ausdruck - 7000 Euro ... Temperament nicht mit Tempo verwechselt

Zwei Meisterwerke der romantischen Musik hatte sich das Münchener Siemens-Orchester für sein Wohltätigkeitskonzert ausgesucht - das Klavierkonzert in a-moll op. 16 von Edvard Grieg und die 4. Sinfonie von Johannes Brahms. Bild: Huber
von Johann FrischholzProfil

Amberg. Das Siemens-Orchester aus München kann in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiern und war zum mittlerweile elften Mal in Amberg zu Gast, wo es seither ungebrochenen Zuspruch erfährt. Auch beim diesjährigen Konzert waren die Sitzreihen im Stadttheater nahezu vollständig besetzt. Auf dem Programm standen zwei Meisterwerke der romantischen Musik, das Klavierkonzert in a-moll op. 16 von Edvard Grieg und die 4. Sinfonie von Johannes Brahms. Solist war der ukrainische Pianist Oleh Rudnytsky. Der mehrfach ausgezeichnete und mit internationalen Preisen bedachte 35-Jährige erwies sich als gute Wahl.

Mit außergewöhnlicher Akkuratesse interpretierte er das Klavierkonzert des Norwegers Grieg, ohne dabei in pures Virtuosentum zu verfallen. Natürlich enthält das Werk spektakuläre Läufe, mit denen Generationen von Pianisten glänzen konnten, aber der ausführende Musiker sollte immer vor Augen haben, dass es sich um ein "romantisches" Konzert handelt, das auch entsprechend lyrische Motive, besonders im Adagio enthält. Oleh Rudnytsky behandelte diese Passagen mit der gebotenen Zurückhaltung. Fast zärtlich schlug er die Tasten an, ohne jedoch die Leidenschaft, die dem Werk innewohnt, vergessen zu lassen, um im Finale wieder stürmisch-drängend und mit viel Temperament auf die Schlussakkorde hinzuarbeiten.
Das Siemens-Orchester zeigte sich beim Grieg-Konzert als hervorragendes Begleitensemble. Der Dirigent Markus Elsner hatte die Musiker fest im Griff, er hielt das Orchester zurück, wenn die Gefahr drohte, die leiseren Passagen des Solisten zu übertönen, und verlangte beherzten Schwung an den hochdramatischen Stellen, an denen es nicht mangelte. Das Klavierkonzert von Grieg zu hören war ein reines Vergnügen, das von perfekter Harmonie zwischen Solist und Orchester geprägt war.

Nicht ganz so harmonisch verlief der Auftakt zur Sinfonie Nr. 4 e-moll op. 98 von Johannes Brahms. Die ätherisch-schwebenden Eingangstakte wurden von den Siemensianern mit viel Gefühl für die geheimnisvolle Spannung interpretiert, die der Komponist dem Grundmotiv zugedacht hat. Im Fortgang des ersten Satzes verliefen sich allerdings die Register auf verschiedenen Pfaden und Markus Elsner hatte alle Mühe, die "Individualisten" wieder auf den gemeinsamen Weg zu bringen.

Dies gelang ihm dann im Andante moderato, wie die Tempobezeichnung für den zweiten Satz lautet, und spätestens im dritten Satz waren wieder alle Beteiligten richtig aufeinander abgestimmt. Dieser dritte Satz mit der Bezeichnung "Allegro giocoso" war besonders hörenswert, denn viele Dirigenten verwechseln hier Tempo mit Temperament und pure Lautstärke mit Ausdruck.
Nicht so Markus Elsner. Jede Sekunde des Stücks hatte er sein Orchester - das übrigens ausnahmslos aus Amateurmusikern besteht, deren Leistung hier umso mehr zu würdigen ist - vollständig unter Kontrolle und lieferte eine beispielhafte Interpretation. Dieses für Brahms'sche Verhältnisse ungewöhnlich kurze Scherzo leitete über zu einem fulminanten "Allegro energico e passionato". Der Maestro am Pult nahm diese Vorgabe wörtlich und lieferte ein energisches und wirklich leidenschaftliches Finale, das von den Zuhörern lautstark mit viel Beifall honoriert wurde.

Eine Zugabe hatte das Siemens-Orchester leider nicht eingeplant. Dies signalisierten die vier Hornisten, indem sie den Abendgruß "Guten Abend, gute Nacht", ebenfalls aus der Feder von Johannes Brahms, intonierten und sich damit für dieses Jahr von Amberg und dem begeisterten Publikum verabschiedeten.

Die Konzerte des Siemens-Orchesters dienen immer auch einem guten Zweck. Diesmal freuten sich zwei Vereine über eine Zuwendung von jeweils 3500 Euro. Der Erlös des Konzerts wurde aufgeteilt zwischen den Freunden des Stadttheaters, die ihren Teil an der Spende in den anstehenden Umbau des Stadttheaters investieren werden, und einem neu gegründeten Förderverein, der sich dem Andenken des wohl bekanntesten Amberger Künstlers, Michael Mathias Prechtl, verschrieben hat.

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