Six Pack verbinden hanebüchenes Märchen mit genialem A-cappella-Gesang
Von der Gretel nicht hänseln lassen

Bernd Esser als Zwerg glänzte beim Auftritt von Six Pack im ACC mit seiner klaren Tenorstimme. Die sechs Herren des Vokalensembles ernteten frenetischen Applaus. Bild: Huber
Am Ende hatte die Gretel einfach keine Chance gegen den Dancing King. Zugegeben: Wer bei Märchen oder dem King of "Rock 'n' Roll" keinen Spaß versteht, der sollte Six Pack, eines der besten Vokalensembles Deutschlands, besser meiden. Denn geradezu wagemutig verbanden die sechs Herren am Freitagabend im ACC ein vielleicht etwas konstruiertes Märchen mit allerlei bekannten Liedern aus der jüngeren Musikgeschichte.

Am Anfang steht nichts, aber auch rein gar nichts. "Es herrscht das musikalische Nichts - hierzulande bekannt als Celine Dion." Warum? Weil die "doofe Gretel" die Macht übernommen hat und gleich einmal Musik verboten hat. Das Sextett, bestehend aus Markus Burucker (als das Böse), Chris Strobler (der kluge Prinz), Johannes Betz (Prinzessin), Andy Sack (die Fee - "für gut hat es nicht gereicht"), Lars Kienle (König) und schließlich Bernd Esser (Zwerg), begibt sich deshalb auf die Suche nach dem Dancing King. Nur er könne der Welt wieder Musik bringen.

Doch zuerst rutschen sie mit Adeles "Rolling in the Deep" hinab in die Realität und fragen "Sind alle da?" Die Fee probiert's mit Hokuspokus und der Zwerg findet gut, dass der Kapitän der Nationalmannschaft auch ein Zwerg ist. Ein erster Angriff auf das Zwerchfell.

Das Zauberwort, bitte

Doch alle Zauberei und Simsalabim helfen nicht. Wie also heißt das Zauberwort? Ein Kind aus dem Publikum weiß es: "Bitte!" Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. Und siehe da. Es klappt - immerhin mit "Merlin" Monroes "I wanna be loved by you". Tenor Bernd Esser liefert dabei eine Glanzleistung ab - nicht nur als Sänger mit einem glasklaren "poo pooo beee dooo", sondern auch als Tänzer mit Schaufelchen und wippendem Hintern. Besser kann man die Monroe wohl kaum parodieren. Genauso brilliert er mit seiner hohen Tenorstimme bei Hijo de la Luna - ein Lied, das normalerweise von Frauen gesungen wird.

Der schon zu Beginn als garstig bezeichnete Zwerg hat übrigens so seine Probleme mit Zauber. Der "Amateur-Fee" wirft er doch glatt vor, statt ihn vergrößert, die anderen Zwerge versteinert zu haben. Wie etwa seinen Bruder Günther, der wie viele andere nun im Garen stehe. Nach einem Ausflug in die Schickeria der Spider Murphy Gang geht's in die 100-jährige Pause, die mit "It's wonderful" endet. Unter dem Motto "She's The One", dem Schmachtfetzen von Robbie Williams, folgen sie der Prinzessin, um anschließend durch die Hölle zu gehen: das Medley aus "Rivers of Babylon", "Ma Baker", "Sunny", "Rasputin" und "Daddy Cool" als Hommage an Boney M. war höllisch gut.
Schließlich verhilft die Frau Ströbel vom Lotto-Laden zur Erlösung. Wenn sie etwas von ABBA singen, dann finden sie den Elvis. Und siehe da: Aus dem König wird der Dancing King - mit Elvis und Kotletten, die sich Sie schreiben. Und was singt der King? Natürlich Dancing King zu ABBAs Dancing Queen. Natürlich ist dieses Märchen hanebüchen - so hanebüchen, dass es beim Lachen schmerzt.

Stuntman im Walde

Six Pack beweisen genialen Humor mit akrobatischen Wortspielen. Bis zur letzten Zugabe. Die besteht aus einer Kombination des "Unknown Stuntman" aus der Kultserie "Ein Colt für alle Fälle" und "Ein Männlein steht im Walde". Zum Schluss bleibt nur noch die Frage: "Ein Männlein steht im Walde - wer mag der Stuntman sein?"
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