20.01.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Sozialpsychiatrischer Dienst: Gespräch mit Sozial-Staatssekretär Jürgen Heike Noch nicht Viertel vor Zwölf

von Heike Unger Kontakt Profil

Eine Zusage, dass die Sozialpsychiatrischen Dienste gesichert sind, konnte Sozial-Staatssekretär Jürgen Heike gestern nicht geben. Aber er versicherte in einem Gespräch mit Vertretern der Diakonie und anderer Institutionen, die mit der Betreuung psychisch Kranker zu tun haben, "unser Ministerium steht zu den Beratungsstellen". Heike will deshalb "alles tun, um Sicherheit für die Patienten und Mitarbeiter" zu schaffen.

Wie bereits mehrfach berichtet, haben sich die Krankenkassen aus der Finanzierung der Sozialpsychiatrischen Dienste zurückgezogen und diese damit vor größte finanzielle Probleme gestellt. Diese, verbunden mit der Frage nach der Zukunft dieser ambulanten Hilfsangebote, waren am Montagnachmittag Thema einer Gesprächsrunde, zu der MdL Heinz Donhauser (CSU) auf Bitten von Vertretern der Sozialpsychiatrischen Dienste im Raum Amberg-Sulzbach und Schwandorf Staatssekretär Jürgen Heike aus dem Bayerischen Sozialministerium in die CSU-Geschäftsstelle eingeladen hatte.

Heike nannte die ambulante Arbeit seiner Gesprächspartner "wichtig und richtig", gerade im ländlichen Raum, was auch im Ministerium so gesehen werde: "Da rennen Sie bei uns offene Türen ein". "Für uns gilt nach wie vor der Grundsatz 'ambulant vor stationär'", betonte Heike, und zwar nicht nur, weil die ambulante Betreuung preiswerter sei, sondern vor allem auch, weil gerade für psychisch Kranke ihre vertraute Umgebung sehr wichtig sei.

Belastung für Angehörige

Mögliche Stellenkürzungen im ambulanten Bereich würden laut Heike aber nicht nur die Patienten, sondern auch deren Angehörigen treffen, für die die Erkrankung ebenfalls eine schwere Belastung sei. Für "durchaus interessant" hält der Staatssekretär ein schwäbisches Modell: Dort seien stationäre Heimplätze abgebaut worden, wodurch "erhebliche Mittel" frei geworden seien, die im Rahmen eines Versuchs nun in die ambulante Versorgung fließen sollen. Zur Lage der Sozialpsychiatrischen Dienste meinte Heike, "es ist noch nicht Viertel vor Zwölf, wir haben also noch genügend Zeit, tätig zu werden". Dabei bat er die Anwesenden, "den Weg der kleinen Schritte" mit zu gehen, um die Finanzierung ihrer Arbeit auf eine gesicherte gesetzliche Grundlage zu stellen: "Von heute auf morgen" werde dies nämlich sicher nicht möglich sein.

Kassen in Verantwortung

Der erste Schritt ist für den Staatssekretär hierbei die Fortschreibung des Bayerischen Psychiatrieplanes. Über den gesetzlichen Weg will Heike "Ihren Bereich da hin bekommen, wo er hin gehört". In jedem Fall könne man die Krankenkassen "nicht aus der Verantwortung entlassen", schließlich sei auch eine psychische Erkrankung "eine Krankheit, die behandelt werden muss". Sozialministerin Christa Stewens habe sich auch schon "massiv dafür eingesetzt, dass die Kassen mitziehen". Diese hätten die Rückkehr zur Pauschalfinanzierung abgelehnt, "aber das absolute Nein ist etwas aufgeweicht".

Um die ambulante Betreuung sicher zu stellen, brauche man aber auch die Unterstützung der Bezirke, machte Jürgen Heike klar: "Da kommt einiges auf euch zu", wandte er sich an die anwesende Bezirksrätin Ingrid Kurz.

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