01.06.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Staatsanwaltschaft hält Raubüberfälle und Betrügereien für geklärt - Verteidigung setzt ... Neun Jahre Haft für "gefährlichen Straftäter" gefordert

von Autor HWOProfil

Das juristische Duell hätte nicht härter sein können. Während die Staatsanwaltschaft am frühen Donnerstagabend neun Jahre Haft für einen der räuberischen Erpressung und des mehrfachen Betrugs angeklagten 44-Jährigen aus Hirschau forderte, hielt die Verteidigung nur einen Tankstellenbetrug für erwiesen. Ihn hatte der Beschuldigte zugegeben, alle anderen Taten bis zum Schluss bestritten.

Ein klares Bild

Als die Staatsanwältin Dr. Katrin Pöche das Wort ergriff, kam es dick für den gelernten Metzger, auf dessen Vorstrafenkonto sich Verbrechen wie schwerer Raub, Vergewaltigung und Missbrauch eines Kindes befanden. Die Anklagevertreterin hielt nach umfangreicher Beweisaufnahme zwei bewaffnete Raubüberfälle auf eine Bäckereifiliale in Sorghof und auf eine Tankstelle in Sulzbach-Rosenberg im Sommer letzten Jahres für erwiesen.

In ihrem Plädoyer sagte die Staatsanwältin sinngemäß, dass die detaillierte und akribische Beweissicherung vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts ein klares Bild ergeben habe. Sie stützte sich dabei unter anderem auch auf das am Vortag erstattete biometrische Gutachten eines Sachverständigen. Der Experte hatte Bilder und ein Video vermessen, sah dabei eine Reihe von Übereinstimmungen mit dem Angeklagten, der die vermummt begangenen Raubverbrechen strikt von sich gewiesen hatte.

Diebstahl mit Waffen

Pöche ging noch weiter. Sie schrieb dem 44-Jährigen, bei dem die Polizei zahlreiche verdächtige Gegenstände gefunden hatte, die Täterschaft für zwei Tankstellenbetrügereien im fränkischen Plech und in der Stadt Schwandorf zu. Auch sie hatte der Angeklagte bestritten. Danach kam es erneut heftig. Die Staatsanwältin kam auf einen vom Beschuldigten eingeräumten Tankbetrug in Wernberg-Köblitz zu sprechen. Da der 44-Jährige ein sogenanntes Mehrzwecktool bei sich trug und auf der Flucht vor der Polizei drei Schüsse aus einer Schreckschusswaffe auf das Verfolgerfahrzeug abgab, qualifizierte sie die Tat als Diebstahl mit Waffen und schweren Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Die Anklagevertreterin forderte neun Jahre Haft für den ihrer Meinung nach "gefährlichen Straftäter" und verlangte eine Unterbringung, da der verheiratete Mann (wie ein Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen ergab) nach wie vor erheblich drogenabhängig sei. Eine Therapiemaßnahme sollte erst am Ende der Haftverbüßung stehen.
Verteidiger Rainer Hauenstein widersetzte sich massiv. Die Raubverbrechen, so sagte er der Strafkammer, seien durch nichts erwiesen. Das, so Hauenstein, gelte letztlich auch für die Tankbetrügereien in Plech und Schwandorf. Allein für den Tankstellenbetrug in Wernberg-Köblitz könne man seinen Mandanten zur Rechenschaft ziehen.

Heute Urteil

Der Prozess bleibt spannend bis zum Schluss. Heute verkündet die Kammer ihr Urteil. Am dritten Prozesstag hatte sie ausführlich die Vorstrafenliste des Hirschauers erörtert. Darin befanden sich der Überfall auf eine Bedienung, die Vergewaltigung einer jungen Frau, der sexuelle Missbrauch eines Kindes und eine längere Einbruchsserie. Die Verbrechen liegen viele Jahre zurück. Im Zuge des nun anhängigen Verfahrens war deshalb trotzdem mehrfach der Begriff "Sicherungsverwahrung" gefallen.

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