14.09.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Suizid oder Unfall unmöglich - Der bedeutungsvolle Schlagschatten im Kellerzimmer Mit Vorsatz in Kopf geschossen

von Autor HWOProfil

Er sprach eineinhalb Stunden lang. Anschließend wusste das Schwurgericht und mit ihm auch alle anderen Prozessbeteiligten: Der im April letzten Jahres erschossen im Keller seines Pfreimder Wohnhauses aufgefundene Speditionsunternehmer wurde umgebracht. "Eine andere Möglichkeit", sagte der bundesweit renommierte Rechtsmediziner Dr. Bernd Karger, "ist ausgeschlossen."

Der Mordprozess im Amberger Landgericht setzt kriminalistische Maßstäbe. Hatten bereits zwei Gutachter vom Münchener Institut für Rechtsmedizin physikalische Versuche angestellt, die völlig neuartig waren und von daher Aufnahme in die Fachliteratur finden werden, fasste am Freitag der aus Münster stammende Spurensachverständige Dr. Bernd Karger die Erkenntnisse aller eingesetzten Experten zusammen und fügte auch seine eigenen, im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Gewaltverbrechen gemachten Erfahrungen hinzu.

Zu verstehende Spuren

Karger, ein Mann des klaren und auch für Laien verständlichen Wortes, schilderte den Richtern, wie er über Monate hinweg ein Spurenbild zusammensetzte. Als es aufgezeichnet war und ausgewertet wurde, ergaben sich Überraschungen, die - so der Experte - "man so nicht erwarten konnte." Das ließ aufhorchen. Deswegen fügte der Arzt hinzu: "Spuren reden. Man muss sie nur verstehen."
Bei ihren Nachforschungen bemerkten die Experten: An einer Wand des nur wenige Quadratmeter großen Kellerzimmers, in dem der Speditionsunternehmer und seine jetzt wegen Mordes auf der Anklagebank sitzende Ehefrau (35) ihre Jagdwaffen in Schränken aufbewahrten, gab es einen sogenannten Schlagschatten. Was dieser Ausdruck aus der Fachsprache bedeutete, schilderte Karger kurz und prägnant: "Dort vor der Wand stand jemand in fünf bis zehn Zentimetern Entfernung." Denn sonst wären an dieser Stelle ebenfalls Anhaftungen und Blutspritzer zu sehen gewesen.

Wer war dieser "Jemand"? Von der Höhe und den Dimensionen her passe der Schlagschatten auf die Angeklagte, äußerte Dr. Bernd Karger und erwähnte danach, dass der tödliche Schuss aus einem Jagdgewehr aus etwa 40 Zentimetern abgefeuert wurde: "Selbsttötung ausgeschlossen, Unglücksfall ebenfalls."

Angeklagte schaut weg

Bei der Erarbeitung seines Gutachtens hatte der Münsteraner Rechtsmediziner den tödlich endenden Vorfall auch im Hinblick auf mögliche Gegenthesen geprüft. "Der Mann kam mit den Händen nicht an den Abzug", berichtete er dem Schwurgericht und erinnerte daran, dass der damals 39-Jährige Pantoffeln trug. Von daher sei die Betätigung des Abzugs mit einer Zehe in Selbsttötungsabsicht ausgeschlossen. Und ein tragischer Unfall? Auch diesen Überlegungen widersprach Karger. Denn dann hätte das an dem Toten festgestellte Verletzungsmuster anders aussehen müssen.

Das Fazit des Oberarztes am Rechtsmedizinischen Institut der Uni Münster: "Der Mann hat nicht geschossen. Es befand sich eine zweite Person im Raum. Sie hat auf ihn gefeuert, als er in aufrechter Haltung vor ihr stand." Das den Richtern mitzuteilen, schloss Dr. Bernd Karger die Analyse, sei seine Pflicht. Die Angeklagte würdigte ihn keines Blickes. Sie starrte ins Leere.

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