18.02.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Täter hart am Gefängnis vorbeigeschrammt - "Kein Diebstahl, aber Versuch", sagt der Richter Griff ans Polizeiauto kommt teuer

von Autor HWOProfil

Draußen in der Stadt tobte an diesem "Unsinnigen Donnerstag" eine bunt maskierte Hexenschar, drinnen im Sitzungssaal des Amtsgerichts herrschte die gebotene Ernsthaftigkeit. Niemandem kam ein Lächeln aus ob des zu verhandelnden Kriminalfalls. Nur die Zuschauer erheiterten sich ein wenig über das, was sie hörten.

Wie war das gleich damals in dem Gassenhauer von Fredl Fesl? Wurde da nicht am Münchener Monopteros-Bergerl ein Blaulicht geklaut? So schlimm kam es in einer Oktobernacht 2011 am Malteserplatz in Amberg dann doch nicht.

Aber immerhin: Im Zuge seiner Raucherpause vor einem Tanzlokal erdreistete sich ein 30-Jähriger, an einem Streifenwagen der Polizei die Funkantenne abzuschrauben.

Das grün-graue Amtsautomobil hatte gerade angehalten, zwei Polizisten saßen darin. Einer von ihnen beobachtete die Freveltat im Rückspiegel, stieg aus und befahl: "Antenne wieder anschrauben." Der Täter tat wie geheißen, das nachts um 3.05 Uhr geschehene Intermezzo war vorüber. Später sollte es etliche Aktenseiten füllen. Da hinein kam auch, was der ermittelnde Ordnungshüter vorsorglich in Erfahrung brachte und in seine Ausführungen schrieb: Das biegbare Metallstänglein repräsentierte einen Neuwert von 48,27 Euro.

Schnell oder langsam?

Vor dem Amtsrichter Dr. Stefan Täschner wurden nun eineinhalb Stunden lang die Positionen erörtert und dabei sogar allerhöchste Entscheidungen des Bundesgerichtshofes zitiert. Die erste Frage lautete: Entfernte sich der die Antennen-Attacke ausführende Mann nach seinem Griff an das Staatseigentum "schnellen Schrittes", wie es der Polizist bemerkt und unterbunden haben will? Und die zweite: War die Begebenheit tatsächlich juristisch unter die Rubrik "Diebstahl" einzuordnen?

Der 30-Jährige auf der Anklagebank und einer seiner Kumpel, als Zeuge vernommen, wollten von rascher Flucht samt dem Corpus Delicti nichts wissen. Der Polizist beharrte darauf. Blieb zu klären, ob sich eine Diebstahlsabsicht nachweisen ließ. Der Beschuldigte beteuerte: "Ich hätte sie ihnen schon zurückgegeben, die Antenne."

Staatsanwalt Tobias Kinzler blätterte ein wenig in den Vorstrafenunterlagen des 30-Jährigen und stellte fest, dass noch eine Bewährung offen war. Von daher forderte er drei Monate Haft, wollte den Kaufmann hinter Gitter gebracht wissen und ging dabei von vollendetem Diebstahl aus. "Niemals", empörte sich Verteidiger Jörg Jendricke, sprang für seinen Mandanten in die Bresche und führte dem Richter vor Augen: "Natürlich Freispruch, obwohl das Vorgehen unmoralisch war. Was hätte er denn mit der Antenne anfangen sollen?"

6300 Euro Strafe

Der Kriminalfall vom Malteserplatz stellte nach Ansicht von Richter Täschner einen versuchten Diebstahl dar. Einsitzen braucht der 30-Jährige deswegen nicht. Allerdings muss er tief in die Tasche greifen und 6300 Euro Strafe zahlen. "Lustig war das alles nicht", beschrieb der Vorsitzende seinen Eindruck und führte ins Feld, dass just im Moment des Antennen-Frevels ein Notruf hätte kommen können.

Für solche Fälle sind Streifenpolizisten allerdings längst vorsorglich gerüstet. Denn nach erfolglosem Funkspruch klingelt das Dienst-Handy bei ihnen.

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