23.10.2007 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

"Tanzendes Kirwapaar" erinnert an 100 Feste in der Region - Enthüllung noch in diesem Jahr Kirwa-Brauchtum in Bronze gegossen

Während sich halb Bayern am vergangenen Wochenende mit der "Allerweltskirwa" vom Kirchweihfeiern verabschiedete, darf die Oberpfalz in die Verlängerung gehen. "Die Kirwazeit dauert bei uns bis Kathrein", sagt Dieter Kohl aus Massenricht (Kreis Amberg-Sulzbach).

von Uli Piehler Kontakt Profil

Er muss es wissen, als Tanzlehrer kümmert er sich zusammen mit Kreisheimatpfleger Hans Wild aus Hirschau darum, dass die Tanzböden auf den mehr als 100 "Kirwan" in der Region nicht leer bleiben. Die Oberpfalz ist Kirwa-Region. Und zwar nicht erst seit des Booms der "Kirwa-Partys" in diversen Festzelten, sondern seit weit mehr als 100 Jahren.

Obrigkeit schreitet ein

Schon im 19. Jahrhundert gab es die Kirchweihen in fast jedem größeren Ort. Meistens zum Kirchenpatrozinium luden die Dorfgemeinschaften die Gäste aus der Nachbarschaft zum Mitfeiern ein. Mehrere Festtage mit recht üppigen leiblichen Genüssen waren dann angesagt. Sehr zur Freude der Kirwabesucher, aber auch zum zunehmenden Missfallen von Kirche und Staatsobrigkeit. 1868 wollte die Regierung dem Treiben Einhalt gebieten und den dritten Oktobersonntag als Einheitstermin für alle Kirwan durchsetzen. Die Oberpfälzer nahmen die Anordnung allerdings nur insofern ernst, dass sie die "Allerweltskirwa" brav feierten - aber ihre bisherigen Termine trotzdem beibehielten.
Den ganzen Sommer über hat sich Harald Bäumler (unter anderem) auf den Kirchweihen herumgetrieben. "Ich habe viel Zeit in das Naturstudium investiert", sagte der 32-jährige Bildhauer, Grafiker und Maler aus Amberg. Für eine illustre Schar von Freunden und Gönnern der Kirchweih-Szene hat er ein "tanzendes Kirwapaar" in Bronze gegossen. Es soll als Denkmal in Amberg aufgestellt werden.

Kirwa-Feeling

"Allein im Landkreis Amberg-Sulzbach gibt es mehr als 100 Kirchweihen", berichtet Heike Pilhofer aus Fromberg bei Sulzbach-Rosenberg, die das Denkmal-Projekt mit angestoßen hat. "Das heißt, dass Jugendliche in mehr als 100 Orten sich das ganze Jahr über mit diesem alten Brauchtumsfest befassen." Sie üben Tänze ein, lernen Lieder, regeln den Ablauf der meist dreitägigen Veranstaltungen, die mancherorts mehr als 5000 Besucher anziehen.

"Hier engagieren sich Jugendliche nicht nur für Kultur, sondern ganz allgemein für das Leben auf dem Land." Gerade in Zeiten, da Wissenschaftler vor einem Ausbluten der ländlichen Räume warnen, sei dieser Aspekt nicht zu unterschätzen. "Die Figur steht für das Kirwa-Feeling", sagt Dieter Kohl. Kirwa-Feeling - darunter versteht er das Gefühl jung zu sein, Grenzen auszutesten und zum ersten Mal Verantwortung in der Dorfgemeinschaft zu übernehmen. "Und das funktioniert am Besten in Form einer selbst organisierten Kirwa, bei der die jungen Burschen den Kirwabaum aufstellen", sagt er. Größte Herausforderung und zugleich größter Spaß: vor den Augen hunderter Schaulustiger mit den Kirwamoidln den Baum dann auch auszutanzen.
Harald Bäumler war es bei der Gestaltung der Skulptur wichtig, dass die Ursprünglichkeit der Kirwa zur Geltung kommt. "Das ist ein so uralter Brauch, der sollte nicht verkitscht werden", meint er und blickt auf das bronzene Paar, das barfüßig tanzt. "Die Dynamik darzustellen, die im Tanzen, wie auch im Kirwabrauch liegt, war mir wichtig." Deswegen scheint der Rock des metallenen "Moidls" zu flattern, sich das Hemd ihres "Burschen" aufzuplustern.

Mittlerweile unterstützen 25 Kirwagesellschaften, mehrere in der Region verankerte Firmen und sogar Musikkapellen das Projekt Kirwa-Figur. Die Unterstützung können die Initiatoren gut gebrauchen, denn bis das Denkmal einmal steht, fallen Kosten von rund 13 000 Euro an. "Wir kriegen das hin", zeigt sich Heike Pilhofer überzeugt. "Das wird eine schöne Gemeinschaftsaktion."

Bei der Stadtbrille

So wie es aussieht, wird das bronzene Kirwapaar einmal im Innenhof des Landratsamtes in Amberg - auf neutralem Boden - stehen. Gleich neben der Stadtbrille, dem Wahrzeichen der Stadt, haben der Landrat und die Projekt-Initiatoren einen würdigen Platz für die Figur gefunden. Pilhofer: "Wenn alles glatt läuft, können wir das Denkmal noch in diesem Jahr feierlich enthüllen."

Weitere Informationen im Internet:

www.kirwapaar.de

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