19.10.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Thomas Meister aus Amberg geht mit "Die Priester" 2013 auf Tournee - Spätberufener findet zu ... Auf direktem Weg in den Pop-Himmel

Ein Schlüsselerlebnis bestärkte ihn in seinem Glauben und ließ ihn letztlich zum Priester werden. Sein musikalisches Talent und die Kontakte eines väterlichen Freundes machten aus ihm einen Sänger. Heute ist Thomas Meister (49) beides. Als Teil der Band "Die Priester" befindet sich der in Amberg geborene Benediktinerpater auf dem Weg in Richtung Pop-Himmel.

Das sind "Die Priester" (von links): Diözesanpfarrer Andreas Schätzle, Abt Rhabanus Petri und Benediktiner-Pater Vianney Meister. Ihre erste CD "Spiritus Dei" verkaufte sich seit der Veröffentlichung vor einem Jahr über 100 000 Mal. Seit diesem Monat ist mit "Rex Gloriae" das zweite Album auf dem Markt. Bilder: hfz (3)
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Mit ihrer vor einem Jahr erschienenen CD "Spiritus Dei" haben die drei Priester das Kirchenlied gewaltig entstaubt. So bekam zum Beispiel "O Haupt voll Blut und Wunden" Hip-Hop-Beats. "Wir wollen mit unseren Liedern Hoffnung und Begeisterung auslösen und auch helfen, über Schmerzen im Leben hinwegzukommen", sagen Abt Rhabanus Petri, Diözesanpriester Andreas Schätzle und Thomas Meister, der sich seit seiner Einkehr in der Erzabtei St. Ottilien bei Landsberg (Oberbayern) Pater Vianney nennt. Doch der Reihe nach.

Gelernter Maler

Nach der Mittleren Reife an der Staatlichen Realschule zog es den damals 16-jährigen Thomas in den elterlichen Betrieb. Vater Wilhelm ist Malermeister und bildete den Jungen, der seit seiner Kommunion als Ministrant und in der KJG St. Michael sehr aktiv war, bei sich aus. Von 1979 bis 1982 absolvierte Thomas Meister die Lehre, bestand die Gesellenprüfung mit Bravour und bekam in dieser Zeit ein Angebot von Dekan Hans Hirtreiter, der ihm einen Informationstag im Regensburger Priesterseminar schmackhaft machen wollte.

"Ich bin da hin, aber der Infotag hat mich eher abgeschreckt", blickt Thomas Meister schmunzelnd zurück und spricht ganz offen davon, nie den Wunsch verspürt zu haben, Weltpriester zu werden: "Ich konnte mich mehr für das Mönchtum erwärmen." So kam es dann auch. Nach einer Firmung für Kinder mit Behinderungen kam Thomas Meister ins Grübeln. Er überlegte, ob er den Malerberuf nicht lieber sein lassen sollte: "Die Entscheidung, Priester werden zu wollen, hat sich immer mehr gefestigt." Doch es gab ein Problem.

Die Mittlere Reife reichte nicht, um den Weg Gottes auch beruflich gehen zu können. Also entschied sich Thomas Meister mit 19 Jahren dazu, in Fockenfeld bei Konnersreuth (Landkreis Tirschenreuth) im Spätberufenenseminar das Abitur nachzumachen. "In diesen vier Jahren habe ich das Angebot bekommen, in eine Ordensgemeinschaft zu schnuppern", erinnert sich Thomas Meister, der die Oberpfalz hinter sich ließ und im August 1984 in St. Ottilien dem "Kloster auf Zeit" beitrat. Der Amberger blieb.

Aus dem Kind, das gerne und gut Gitarre spielte, war ein Mann geworden und aus dem Jugendlichen, der im Kirchenchor St. Martin sang, ein Geistlicher, der bald Karriere machte. 1992 beendete der Amberger sein Studium an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität als Diplom-Theologe, 1993 übernahm er die Leitung des Tagesheims in St. Ottilien, 1994 wurde er Diakon und Leiter des Internats, 1995 erfolgte die Weihe zum Priester. Weil sich Thomas Meister über die Jahre hinweg auch einen reichen Erfahrungsschatz im Gregorianischen Gesang aneignete, übertrug ihm das Kloster 2001 den Posten des Chef-Kantors der Schola, der Sängerschule in St. Ottilien.

Auftritte im Fernsehen

"Wir haben damals schon eine CD aufgenommen", erzählt Pater Vianney Meister, der nicht im Traum daran dachte, einmal in den Fernsehshows von Markus Lanz, Andrea Kiewel oder Carmen Nebel auf der Bühne zu stehen. Eine E-Mail, die er 2010 erhielt, sollte das möglich machen. Der Absender: Notker Wolf, ehemaliger Erzabt von St. Ottilien und besser bekannt als "Der rockende Abt".

Zweite CD veröffentlicht

Joe Chialo, ein Berliner Musikproduzent, hatte Wolf um einen Gefallen gebeten: "Er hat ihn gefragt, ob er Priester kennt, aus denen man eine Band machen könnte. Notker Wolf hat auf St. Ottilien und mich verwiesen." Was Pater Vianney so gelassen ausspricht, war der Beginn von "Die Priester", die 2011 ihre erste CD auf den Markt brachten und 100 000 Mal verkauften. Ums Geld ging es dem Trio dabei nie. 50 000 Euro aus ihren Einnahmen haben Rhabanus Petri, Andreas Schätzle und Thomas Meister für ein Kinderheim in Tansania gespendet. Mit dem Verkauf des an Pfingsten 2012 produzierten und in diesem Monat veröffentlichten zweiten Albums "Rex Gloriae" soll ein Hospiz für Aidskranke in Südafrika unterstützt werden.

Trotz des Erfolges des ersten Tonträgers bleibt Thomas Meister auf dem Boden: "Die Hauptaufgabe in St. Ottilien bleibt. Die Band ist eher ein Hobby" - wenn auch ein sehr stressiges und zeitintensives.

Vom 23. Januar bis 16. März geht es nächstes Jahr auf Tournee, die es in sich hat: 19 Auftritte in nur acht Wochen, darunter am Donnerstag, 14. März, ab 20 Uhr in der Nürnberger Gustav-Adolf-Gedächtniskirche. Die großen Auftritte, die zum Beispiel in der Meistersinger- oder Olympiahalle möglich wären, meiden "Die Priester". Sie wollen mit ihrer Musik authentisch bleiben und singen hauptsächlich in Gotteshäusern. Denn von dort aus ist er noch direkter, der Weg in Richtung Pop-Himmel.

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Die Priester: Videos

Die Priester – "Ave Maris Stella" (feat. Mojca Erdmann):

http://go.universal-music.de/die-priester/light/video/281028/

Making Of "Ave Maris Stella":

http://go.universal-music.de/die-priester/full/video:282489/product:1832...

Die Priester in "Willkommen bei Carmen Nebel" am 29. September 2012

www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1741832/Rex-Gloriae#/beitrag/video...

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