13.08.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Über Nacht 28 Fassaden mit über 103 Schmierereien verschandelt Quer durch Stadt gesprüht

Die Schneise der Verschandelung ist fast zwei Kilometer lang: In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch besprühten Unbekannte in der östlichen Innenstadt 28 Fassaden. Darunter sind auch einige denkmalgeschützte Gebäude. Die Täter hinterließen 103 Graffiti.

Die Stadtbrille lag auf halber Strecke der Sprühaktion zwischen Paulanergasse und Kugelbühlstraße: Linksextreme Antifa-Logos und Parolen hinterließen die Täter auf denkmalgeschützten Gebäuden und anderen Fassaden. Insgesamt zählte die Polizei 103 Schmierereien auf 28 Gebäuden. Bild: Hartl
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Ein junger Mann wurde in Aktion um 2.20 Uhr in der Kugelbühlstraße beobachtet (siehe Beschreibung). Eine Fahndung verlief bisher ergebnislos. Der Schaden beträgt laut Polizeipressesprecher Michael Rebele (Regensburg) "mehrere tausend Euro". Logos der Antifaschistischen Aktion (Antifa), Hassparolen gegen Rechtsextreme und den Staat sowie andere Symbole finden sich zwischen Paulanergasse, Zeughausstraße, Stadtbrille, Studentenplatz, Max-Reger-Gymnasium und Kugelbühlstraße. Beschmiert wurden unter anderem auch Paulanerkirche, Amtsgericht, Zeughaus und Stadtbrille.

Für die "Gemälde" verwendeten die Täter rote und weiße Farbe sowie mancherorts auch Schablonen. Die Bilder zeigen eine geballte Faust oder eine Fahne - das Antifa-Logo. Polizeisprecher Peter Krämer zweifelt nicht daran, dass die Sprüher linksextreme Sympathisanten sind. "Eine richtige Antifa-Szene haben wir im Grunde in Amberg nicht." Eine Aktion in diesem Ausmaß habe es in Amberg so noch nicht gegeben. Die letzte Sprühaktion sei sechs Jahre her.

Von den Graffiti betroffen ist vor allem auch das Zeughaus und Ambergs Wahrzeichen, die Stadtbrille. Landratsamt-Sprecherin Christine Hollederer war selbst überrascht von dem Ausmaß. "Immer wieder mal gibt es kleinere Schmierereien im Durchgangsbereich, aber in dieser Größenordnung, das liegt schon 15 bis 20 Jahre zurück." Sobald im Landratsamt das O.K. der Polizei zu hören sei, "machen das unsere Maler wieder weg".

Im Vergleich dazu kam das Amtsgericht an der Paulanergasse noch glimpflich davon: Beschmiert wurde ein Hinweis-Schild neben der Türklingel, auf dem "Videoüberwachung" steht - ein pikantes Detail. Sprecher Ludwig Stich teilte jedoch auf Nachfrage mit, dass lediglich der Innenhof videoüberwacht werde und nicht, was sich vor den Mauern abspiele.

Täterbeschreibung

Ein Anwohner der Kugelbühlstraße meldete sich am Mittwoch um 2.20 Uhr bei der Polizei. Er hatte einen jungen Mann beobachtet, der Graffiti an die Wand malte. Dem Zeugen war überhaupt erst zu verdanken, dass die Beamten auf die Schmierereien aufmerksam wurden. Eine sofort eingeleitete Fahndung nach dem Sprayer verlief im Sande. Im Zuge ihrer Rundfahrt entdeckte die Streife jedoch viele weitere "Verschandelungen". Der Anwohner konnte die verdächtige Person beschreiben:

hellgraues Kapuzenshirt
schwarzes Baseball-Cap
helle Sneaker
Der junge Mann sei eindeutig mit einem Rucksack unterwegs gewesen. "Vielleicht gibt es mehr Zeugen, die ihn oder andere beobachtet haben", sagte Polizeisprecher Peter Krämer. "Wir gehen davon aus, dass es sich um mehrere Täter gehandelt hat." Jemand mit Rucksack und klappernden Spraydosen müsse doch auffallen.

Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer (09621)89 00 entgegen.

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