14.10.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Universität München untersucht das "Tschechen-Bild" im Grenzland Konstante Klischees

Von der Randlage in den Mittelpunkt, vom Niemandsland zur Drehscheibe. So epochale Veränderungen, wie sie Ostbayern widerfahren, fordern nicht nur die Oberpfälzer, sondern jetzt auch Wissenschaftler heraus. Die Uni München will deshalb genau wissen, wie die Menschen hier über die tschechischen Nachbarn denken.

von Uli Piehler Kontakt Profil

"So weit ist es noch lange nicht", konstatiert Weigl: "Die Vorurteile gegenüber den Tschechen sind nicht weniger geworden." Mit viel Akribie verfolgt der Politikwissenschaftler die deutsch-tschechische Annäherung seit mehreren Jahren und leitet zurzeit das Projekt "Grenzregionale Identitäten" an der Uni München.

Dabei hat er interessante Beobachtungen gemacht: "Der Normalisierung der deutsch-tschechischen Nachbarschaft sind Grenzen gesetzt, die beklagt und bedauert, aber nicht eingerissen werden können - auch nicht von noch so vielen gesellschaftlichen Initiativen für eine Annäherung." Eine Absage an die vielfältigen deutsch-tschechischen Aktivitäten im Grenzland?

"In keinster Weise", erklärt Weigl. Er will seine Feststellung als Aufruf zur Gelassenheit verstanden wissen, wenn es mit der deutsch-tschechischen Aussöhnung eben nicht von heute auf morgen klappt. "Es wäre nicht nur langweilig und verlogen, sondern auch widersinnig, in grenzüberschreitenden Dialogen immer einen Gleichklang der Meinungen zu erwarten."

Bei dem Projekt "Grenzregionale Identitäten" geht es um das Bild, das die Deutschen im Bayerischen Wald, im Oberpfälzer Wald und im Fichtelgebirge von ihren tschechischen Nachbarn haben - ein Bild, das nach Weigls bisherigen Erkenntnissen je nach Region stark variiert. "Je nördlicher man kommt, desto stärker sind die Vorbehalte gegen die Tschechen", sagt er. Woran das liegt, das will er noch genau herausfinden.

Regionale Identitäten

Anfang August kam er mit einem Studententeam in die Oberpfalz, um vor Ort zu recherchieren. Weigl und seine Mitarbeiter befragten die Oberpfälzer zu ihrem Heimatverständnis sowie dem Verhältnis zu ihren alten und doch neuen tschechischen Nachbarn. Das gesamt Projekt "Grenzregionale Identitäten" mündet in einer Studie, die im nächsten Jahr zusammen mit der Akademie der Wissenschaften in Prag vorgestellt werden soll.

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