24.05.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Unmengen von Wodka und eine Schreckschusswaffe - Kasache (41) vor der Strafkammer Zwei Schüsse beim Saufgelage

von Autor HWOProfil

An einem Nachmittag vor fast genau einem Jahr dröhnten Schüsse durch ein Haus an der Raigeringer Straße. Sie stammten aus der Schreckschusswaffe eines Mannes aus Kasachstan, der nach eigenen Angaben zwei Landsleuten imponieren wollte. Jetzt musste sich die Erste Strafkammer des Landgerichts Amberg mit dem Fall befassen. Sie verurteilte den 41-Jährigen zu zwölf Monaten mit Bewährung und ordnete die Fortsetzung einer Alkohol- und Drogenentzugstherapie an.

Bereits zehn Vorstrafen

Das Problem in der fünfstündigen Verhandlung war: Der von einer deutschen Frau geschiedene und deshalb mit einem Bleiberecht ausgestattete Angeklagte hatte zehn Delikte im Vorstrafenregister. Fast allesamt unter Alkoholeinwirkung verübt und mit Gewalttätigkeit einhergehend. Deswegen wurde auch das Landgericht mit dem Fall befasst. Denn dem 41-Jährigen drohte eine lange Unterbringungszeit in einer geschlossenen Anstalt. An einem Nachmittag im Mai 2011 war der Kasache in einer Wohnung an der Raigeringer Straße aufgetaucht und hatte dort zusammen mit zwei Landsleuten etwas getan, was zu seinem regulären Tagesablauf gehörte: Unmengen von Wodka getrunken. Schon Stunden zuvor hatte der Mann Schnaps in sich hineinlaufen lassen, brachte es später auf satte 3,5 Promille.
Während des Saufgelages zog der 41-Jährige plötzlich eine Waffe, die einer echten Pistole vom Typ "Walther ppk" täuschend ähnlich sah, und gab auf seine ihm gegenüber sitzenden Bekannten zwei Schüsse ab. Beide kamen, weil es sich nur um Schreckschusspatronen handelte, unverletzt davon.

Eine halbe Stunde später rückte die Funkstreife an. So lange hatte es gedauert, bis einer der "Beschossenen" einem Beamten in der Regensburger Polizeieinsatzzentrale mit schwerer Zunge erzählt hatte, was geschehen war. Das auf Tonband mitgeschnittene Gespräch hörte sich die Kammer jetzt an.

Der seinerzeitige Anzeigeerstatter sollte nun als Zeuge vernommen werden. Und siehe da: Der Mann mochte sich an nichts mehr erinnern. Erst als Staatsanwalt Tobias Kinzler ihm klar machte, dass er "jetzt gleich abgeführt" werde und schon zwei Polizisten vor dem Gerichtsgebäude vorgefahren waren, zeigte er sich gesprächiger. Danach stand fest: Es waren zwei Schüsse gefallen, abgegeben in Richtung des Kasachen und seiner Lebenspartnerin. Ansatzlos und ohne Vorwarnung.

Mit strengen Auflagen

Was tun mit dem Angeklagten? Der zwischenzeitlich unter die Fittiche eines Betreuers genommene 41-Jährige, nach eigenen Angaben schwer alkohol- und auch drogenabhängig, befindet sich seit einiger Zeit in einer fränkischen Entzugseinrichtung. Dort wird er nun auch für längere Zeit bleiben. Staatsanwalt Kinzler plädierte hinsichtlich der Schüsse auf ein Jahr mit Bewährung und forderte außerdem, den Beschuldigten unter strengen Kontrollauflagen in der Einrichtung zu belassen. Dieser Antrag deckte sich mit dem des Verteidigers Jörg Jendricke.

Die allerletzte Chance

Die Erste Strafkammer unter Vorsitz von Roswitha Stöber schloss sich den Anträgen an. In der Urteilsbegründung war von einer allerletzten Chance die Rede. Der 41-Jährige darf die Entzugsanstalt bei ständig überprüfenden Kontrollen nur mit Zustimmung seines Betreuers verlassen, er steht vier Jahre unter Bewährung. Würde er gegen diese Gerichtsentscheidung handeln, käme in der Konsequenz daraus eine Unterbringungsanordnung, müsste auch die Haftstrafe sofort verbüßt werden.

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