17.08.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

"Vater Kolping begrüßt einen Handwerker" stammt von Michael Mathias Prechtl Vergessene Kunst am Josefshaus

Was haben Goethes "Reineke Fuchs" und Vater Kolping gemeinsam? Erstere Buchillustration hat Michael Mathias Prechtl (1926 bis 2003) zu weltweiter Berühmtheit verholfen. An letzterem laufen die Amberger achtlos vorbei. Kaum einer weiß, dass die in Stein gemeißelte Szenerie - Vater Kolping begrüßt einen Handwerker - auf dem Josefshaus am Kaiser-Wilhelm-Ring ein frühes Werk Prechtls ist.

Der Amberger Künstler Michael Mathias Prechtl wurde vor allem durch seine Illustrationen in Büchern der Weltliteratur, wie zum Beispiel Goethes "Reineke Fuchs" oder "Die Lebensansichten des Katers Murr" von E.T.A. Hoffmann, berühmt. Das Bild zeigt "Der Jäger vom Fall", ein Aquarell aus dem Jahr 1985, das im Stadtmuseum liegt. Archivbild: wsb
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Daran erinnerte sich Ruhestands-priester Heiner Wittmann (86), der nach eigenen Angaben mit Michael Mathias Prechtl das Erasmus-Gymnasium besucht hatte. Daran scheiden sich allerdings die Geister. Prechtl-Expertin und Museumsleiterin Judith von Rauchbauer verweist diesbezüglich auf ein Zitat des Künstlers selbst, das ihn der "Oberrealschule" (heutiges Gregor-Mendel-Gymnasium) zugehörig machte. Auch das Sekretariat des EG konnte nach Durchsicht der entsprechenden Jahresberichte den Namen Prechtl nicht finden. Vielleicht, weil er irgendwann die Schule wechselte? Zeitzeuge Wittmann hatte auf jeden Fall jede Menge Anekdoten über den berühmten, gebürtigen Amberger zu erzählen.

Als ehemaliger Präses von Kolping standen Wittmann der Verein und das Gebäude sehr nahe. Auch wenn er zum Zeitpunkt der Schaffung des Fassadenkunstwerks noch nicht dieses Amt inne hatte, so weiß er noch gut die Baustellen-Abläufe. Prechtl - schon im Schulalter "im traditionellen Zeichenunterricht spitze" - sei ja bekanntlich Student der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg gewesen. Mit Argwohn habe ein hiesiger Lehrer die Entwicklung des jungen Prechtl beäugt.

Ein "Kreuzlscheißer"

Das Fassaden-Bild am Josefshaus habe er nach der Erinnerung von Wittmann mit "Ich bin nicht mehr zufrieden mit meinem ehemaligen Schüler" kommentiert. Ihm gegenüber habe er seinen Unmut kundgetan mit: "So einen Murks macht er da hin." Das Wand-Werk stellt Vater Kolping bei der Begrüßung eines heimkehrenden Handwerkers dar. "Dort wo die Rückgratverlängerung des Vaters Kolping war, hat Prechtl noch ein Kreuzchen untergebracht", sagte sich der Ruhestandsgeistliche. Dies habe großen Unmut des Lehrers hervorgerufen. Er habe beschlossen: "Das Kreuzl muss weg." Sogar von einem "Kreuzlscheißer" sei die Rede gewesen. Prompt hätten sich ein paar Maurergesellen an die Arbeit gemacht. "Und vom violetten Verputz der Firma Bucher, die bei Weizen Falk untergebracht war, gab's Gott sei Dank auch noch einen Sack", erzählt Heiner Wittmann. Ob die Ausbesserungen zum einstigen "Kreuzl" heute noch zu sehen sind, lässt sich nur erahnen.

Prechtl-Expertin Rauchbauer bestätigte, dass es sich bei diesem Fassadenstück um ein Kunstwerk von Prechtl handelt. Für das neue Kabinett im Stadtmuseum werde derzeit eine Konzeption erarbeitet. Inwieweit Keramik-Wandbilder dabei eine Rolle spielen, konnte sie noch nicht sagen. Fest steht: "Es wurde auf jeden Fall fotografiert."

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