Von der Auszubildenden zur Firmenchefin: Therese Eckert hört nach 50 Berufsjahren auf
Der Hauch der goldenen Jahre

Das Modehaus Eckert.

Auf dem Schreibtisch in einem Hinterzimmer der Verkaufsetage liegen Schwarz-Weiß-Fotos, daneben der Ausbildungsvertrag aus dem Jahr 1964. Ein 14-jähriges Mädchen hatte in schönster Schreibschrift seinen Namen daruntergesetzt und sich riesig gefreut, im ersten Lehrjahr monatlich 85 D-Mark zu verdienen.

Das Mädchen von damals arbeitet nach 50 Jahren noch immer bei der selben Firma und ist mittlerweile deren Chefin. Wenn Therese Eckert Ende Dezember ihr Geschäft in der Bahnhofstraße aufgibt, endet nicht nur ein Kapitel des Amberger Einzelhandels, sondern auch ein bemerkenswertes Berufsleben.

Zentrale in Sulzbach

Am 1. August 1964 trat Therese Eckert ihren Dienst im Sulzbach-Rosenberger Bekleidungshaus Alfons Heim an. "Ein Geschäft, das damals richtig brummte", wie die 64-Jährige auf die Ausbildungsjahre zurückblickt. Lehrherr war der Mann, in den sie sich später verlieben sollte: Helmut Eckert, Mitinhaber und Geschäftsführer des Hauses in Sulzbach-Rosenberg. Bereits nach fünf Jahren, als Therese Eckert 19 war, übertrug er ihr die Verantwortung für die große Damen-Abteilung im zweiten Stock.

"Damals war Sulzbach-Rosenberg eine pulsierende Einkaufsstadt, die mit Amberg durchaus mithalten konnte", sagt Eckert. Sie erinnert sich an einen verkaufsoffenen Sonntag Anfang der 1970er Jahre kurz vor Allerheiligen. "An dem Tag verkauften wir 60 Damenmäntel." Mini-Röcke waren nicht mehr gefragt, die Frauen kauften "Maxi" und brauchten für den Gräbergang natürlich Mäntel, die länger waren, als die Röcke.

1972 war beruflich wie privat ein entscheidendes Jahr für die erfolgreiche Abteilungsleiterin. Der Chef nahm sie mit auf eine Strickwaren-Messe nach Italien. "Und im Dom von Mailand versprachen wir uns die ewige Treue und dass wir zusammengehören, egal, was passiert." Das Versprechen sollte nicht gebrochen werden. Trotzdem dauerte es bis 1998, bis Therese und Helmut Eckert heirateten.

Rückblende: Wegen des großen Erfolges der Damenabteilung in Sulzbach-Rosenberg streckte das Bekleidungshaus Heim seine Fühler in die Amberger Bahnhofstraße aus. Bei der Geschäftseröffnung im September 1977 in der Einkaufsmeile gegenüber dem Kaufhaus Storg rannten die Kundinnen dem Modehaus die Türen ein. "Wir erlebten noch die guten Jahre mitten in der Bahnhofstraße", sagt Therese Eckert. Wenn sie heute durch ihr Schaufenster hinaus auf die Straße blickt, blutet ihr das Herz. "Es hat Anfang der 2000er Jahre begonnen." Am Stadtrand siedelten die großen Discounter an, der Internethandel und die "Geiz-ist-Geil-Mentalität" hielten Einzug.

Die Folgen waren gravierend: Der Kaufhof schloss seine Pforten, die Kaufhäuser Storg und später Forum könnten sich nicht halten. "Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass auch die Stadt selbst zum Niedergang der Bahnhofstraße beigetragen hat", meint Eckert. Das Dienstleistungszentrum an der Marienstraße sei ein weiterer Grund für das Ausbluten der östlichen Altstadt gewesen. "Die Ärzte, die Rechtsanwälte - alle sind hinaus auf das ehemalige Baumann-Gelände."

Schwächen des Internet

Die guten Jahre in der Bahnhofstraße - sie sind zwischen den Kleiderständern des Geschäfts noch spürbar. "Wir haben vor allem viele ältere Kundinnen, die mich schon jetzt besorgt fragen, wo sie denn in Zukunft noch einkaufen sollen", berichtet die Firmenchefin. "Gerade wenn manche Frauen nicht mehr so mobil sind, sich nicht mehr so bewegen können, helfen ihnen unsere Mitarbeiterinnen. Sie gehen sogar mit in die Kabinen." Ein Service, den das Internet nicht bieten kann.

Natürlich blickt Therese Eckert auch mit Wehmut zurück auf die "goldenen Jahre". Aber sie freut sich ebenso auf ihren Ruhestand, auf ihr Haus, ihren Garten in Sulzbach-Rosenberg und ihre beiden Patenkinder. "Ich habe 50 Jahre ununterbrochen gearbeitet. Ich kann guten Gewissens aufhören", sagt sie.
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