Wasserwirtschaftsamt und Fachleute besprechen Problemstellen und Möglichkeiten zur Abhilfe
Kampf den Fluten aus der Vils

Hochwasser in der Altstadt ist jedes Mal ein Balanceakt, den nicht nur die Anwohner hier in der Schiffgasse meistern müssen, weil sie lediglich über Notstege trockenen Fußes zu ihren Häusern gelangen können. Insgesamt braucht die Stadt ein Konzept, wie sie diese Katastrophenlage meistert, das derzeit das Wasserwirtschaftsamt Weiden erarbeitet. Archivbild: Hartl

Auch wenn Amberg seit mehr als 100 Jahren von den ganz großen Überschwemmungskatastrophen - wie zuletzt im Februar 1909 - halbwegs verschont geblieben ist: Die lästigen, häufigen Überflutungen der Vils, aber auch der kleinen Bäche wie dem Krumbach zeigen doch, dass für die Stadt das Thema Hochwasser präsent ist.

Deshalb hat die Wasserwirtschaftsverwaltung bei der Umsetzung der EU-Vorschrift mit dem etwas sperrigen Namen Hochwasser-Risikomanagement-Richtlinie einiges vorbereitet. Vils, Krumbach, Fiederbach und der Unterlauf des Ammerbachs wurden vermessen, zweidimensionale Talmodelle gefertigt und Berechnungen gemacht, um verschiedenste Hochwasserkarten zu erstellen.

Auch JVA nicht gefeit

Diese waren Grundlage für ein ausführliches Fachstellengespräch in der Feuerwehrwache am Schießstätteweg. Anhand von Wassertiefenplänen für ein 100-jähriges Hochwasser und ein Extremhochwasser mussten die betroffenen Gebiete überprüft und Objekte mit besonderer Gefährdung festgehalten und bewertet werden. Davon gibt es in Amberg eine ganze Reihe, wie den Fachleuten beim Abarbeiten der Vils und auch des Fiederbach-Ammerbachsystems bewusst wurde:

Zum Beispiel die Wohnbebauung entlang des Ammerbachs, in Eglsee, Neumühle und der Altstadt, Dienstleister oder Gewerbeansiedlungen an der Drahthammerstraße oder bei Gärbershof und natürlich ebenso in der City, Arztpraxen, einzelne Großbetriebe und eine Reihe öffentlicher Institutionen wie Kindergarten, Schule, Altenheim oder Verwaltungseinrichtungen, ja sogar Teile der Justizvollzugsanstalt (JVA), die im Katastrophenfall in Schwierigkeiten geraten könnten. Bei gewerblichen Anlagen und Industriebetrieben kommt nach Auskunft der Fachleute hinzu, dass sie möglicherweise bei einer Überflutung Umweltprobleme auslösen könnten.

Daneben wurden bedeutsame Infrastrukturbestandteile wie überregionale Straßen, Tiefgaragen, Abwasser- und Versorgungseinheiten gecheckt und nicht zuletzt die bei Katastrophen unterstützenden Einrichtungen lagemäßig überprüft. Hier gab es durchaus einige Überraschungen - vor allem bei Extremhochwasser, das ja bisher nie Bewertungsmaßstab war. Umso mehr ist es sinnvoll, sich auch dieser möglichen Gefährdung bewusst zu werden. Darin stimmten die von Wasserwirtschaftsamt-Projektleiter Peter Fröhlich zusammengeführten Experten von Feuerwehr, THW, Bundeswehr (Stefan Koller) und den städtischen Ämtern für Bauen sowie Sicherheit, Ordnung und Umwelt überein.

Im Netz Gefahr verfolgen

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt ist die Information der Öffentlichkeit, hob Peter Fröhlich hervor: Die Karten können - flurstücksscharf - im Internet von jedermann heruntergeladen werden. Gleiches gelte schon länger für die Hochwasserpegel. Hier könne man den Verlauf "just in time" nachverfolgen und sich entsprechend darauf einstellen. Das Fachgespräch wie in Amberg soll nun auch mit den betroffenen Landkreiskommunen geführt werden.
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