29.05.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Zettel mit verfänglicher Aufschrift in seiner Wohnung macht 44-jährigen Hirschauer nicht nervös ... "Überfall - alles Geld geben und Ruhe bewahren!"

von Autor HWOProfil

Der Mann, den sie mit Fußfesseln in den Gerichtssaal brachten, gibt nur zu, was man ihm ohnedies hätte nachweisen können. Das ist ein Tankstellenbetrug in Wernberg-Köblitz. Dass er außerdem zwei bewaffnete Raubüberfälle in Sorghof und in Sulzbach-Rosenberg begangen haben soll, bestreitet der 44-Jährige aus Hirschau energisch.

Ein schweres Stück Arbeit für die Erste Strafkammer beim Landgericht Amberg. Sie muss viele einzelne Teile wie zu einem Puzzle aneinanderfügen und tut sich momentan erkennbar schwer. Manches passt zusammen, dann aber klaffen auch eklatante Lücken in der Beweiskette, die den als "gefährlich" eingestuften Angeklagten überführen soll.

Die Staatsanwaltschaft hält dem zuletzt arbeitslosen und offenbar drogensüchtigen Mann mehrere Tankbetrügereien vor, sie meint darüber hinaus, dass der 44-Jährige am 16. Juli 2011 eine Bäckereifiliale in Sorghof und am 24. Juli 2011 eine Tankstelle in Sulzbach-Rosenberg überfiel. Unter Vorhalt einer Pistole wurden dabei in Sorghof von einer bis heute psychisch schwer angeschlagenen Verkäuferin rund 120 Euro herausgegeben. In Sulzbach-Rosenberg erbeutete der Täter 520 Euro. "Ich war in beiden Fällen nicht beteiligt", sagt der Beschuldigte.

Schreckschüsse auf Polizei

Tankstellenbetrügereien in Schwandorf und im fränkischen Ort Plech will er auch nicht begangen haben. Nur einen Fall gibt er zu. Und der gilt wegen seines Verlaufs als ohnehin geklärt. Am 26. Juli vergangenen Jahres ließ sich der 44-Jährige von seiner Frau nach Wernberg-Köblitz fahren, schraubte an einem Pendlerparkplatz das Kennzeichen eines Autos ab und brachte es an seinem Wagen an. Was folgte, war spektakulär.

Der 44-Jährige füllte an einer Zapfsäule den Tank seines Wagens, danach ergriffen er und seine am Steuer sitzende Frau die Flucht. In diesen Augenblicken waren Zivilfahnder der Polizei auf den Pkw aufmerksam geworden. Sie wendeten und folgten ihm in ein Waldstück nahe der Autobahn. Dort schoss der Tankbetrüger plötzlich mehrfach vom Beifahrersitz mit einer Schreckschusswaffe aus dem Wagenfenster und wollte die Verfolger damit abschütteln. Das aber misslang. Der Fluchtwagen blieb im Morast eines Forstweges stecken, die Polizisten griffen zu.
Bei einer Hausdurchsuchung in der Hirschauer Wohnung und in dem Pkw fanden Ermittler verdächtige Gegenstände. Die Schreckschusspistole und einen Schlagstock, einen offenbar im Eigenbau hergestellten Schussapparat, Vorrichtungen zur Herstellung von Kfz-Kennzeichen und einen Zettel mit der Aufschrift "Überfall - alles Geld geben und Ruhe bewahren!".

"Schreibe ein Buch"

Da hakte die Kammervorsitzende Roswitha Stöber sofort nach. Wozu der Schussapparat? "Gehört einem Freund, der Fischfutter damit verschießt", erfuhr sie sinngemäß. Und der Zettel? Was kam, war eigentlich fast schon atemberaubend. Den, so ließ der 44-Jährige wissen, habe er gewissermaßen als "Recherche-Material" für ein Buch benötigt, das er zu schreiben beabsichtige. Die Reaktion des Gerichts darauf war ein ungläubiges "Aha!?". Worauf der 44-Jährige versicherte: "Ich habe nie einen Raubüberfall geplant."

Es passt vieles irgendwie zusammen. Dass der Täter fast immer ein schwarzes sogenanntes Bandana-Kopftuch trug, wie man es bei dem 44-Jährigen fand. Ferner auch, dass mehrfach der gleiche Fahrzeugtyp zu den Straftaten benutzt wurde. Doch als dann die in Sorghof überfallene Bäckereiverkäuferin aussagte, war rasch klar: Die Frau konnte nichts zur Identifizierung beitragen.

Bilder nicht scharf

Der Prozess bleibt spannend. Heute wird er fortgesetzt. Insgesamt vier Tage soll das Verfahren dauern. Nicht zum ersten Mal drängt sich dabei die Frage auf: Wann sind die Hersteller von Überwachungskameras endlich in der Lage, einwandfreie und gestochen scharfe Bilder zu liefern?

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