19.09.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Zeugen aus dem familiären Umfeld kommen im Mord-Prozess zu Wort - Warum wurde der Leichnam ... Dem Schwurgericht tun sich menschliche Abgründe auf

von Autor HWOProfil

Wie kann es sein, dass Eltern nicht zur Trauung des Sohnes geladen sind? Ist es nicht irgendwo unglaublich, wenn die Freundin des Sohnes bei der ersten Begegnung mit ihrem zukünftigen Schwiegervater sagt: "Der schaut gut aus mit seinen 64 Jahren. Er kann nicht viel gearbeitet haben im Leben." Fragen und mitunter auch Abgründe sind es, die sich dem im Pfreimder Mordfall zur umfassenden Meinungsbildung verpflichteten Amberger Schwurgericht auftun.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Riedl, Chef der Amberger Staatsanwaltschaft und am Mittwoch als Zuhörer im Sitzungssaal anwesend, mochte am Rande der Verhandlung keine Auskünfte darüber geben, warum seine Behörde nach Monaten den Leichnam des durch einen Kopfschuss getöteten Pfreimder Speditionsunternehmens exhumieren und untersuchen ließ. Als danach weitere Zeugen aus dem unmittelbaren familiären Umfeld des Mannes aussagten, drängte sich zumindest ein Verdacht auf. Denn irgendwann soll der damals 39-Jährige geäußert haben: "Ich kann überall essen. Nur daheim nicht. Dann habe ich immer so einen komischen Geschmack im Mund. Wie Metall." Mitunter lag er auf dem Sofa, fühlte sich krank und matt.
Neun Familienangehörige der Angeklagten und ihres in der Nacht zum 17. April letzten Jahres durch Schrotkugeln ums Leben gekommenen Gatten waren am Mittwoch vor das Schwurgericht geladen. Bei fünf davon handelte es sich um die Eltern, Brüder und eine Schwägerin der Beschuldigten. Sie verweigerten die Aussagen, gingen hinaus und würdigten die 35-Jährige keines Blickes.

Völlig verändertes Wesen

Dann kamen Mutter, Vater und Brüder des, wie er von den Richtern bezeichnet wird, "Verstorbenen". Es folgten großteils erschütternde Stunden der Vernehmung. Denn es offenbarte sich, was auch schon Freunde des 39-Jährigen ins Feld geführt hatten: Da war einer, der sich nach der Bekanntschaft und im April 2011 geschlossener Ehe mit der damaligen Studienrätin schlagartig im Wesen veränderte. Keine Fröhlichkeit mehr, stattdessen eine fast schon hündisch ergebene Unterordnung. Bemerkenswerter Satz dabei von der 59-jährigen Mutter: "Wenn man hingeht und merkt, dass man nicht gern gesehen ist, wird ferngeblieben." Im Jahr 2012 soll dann der Spediteur geäußert haben: "Mama, die hab' ich rausgeschmissen. Ich hab' mich lange genug zum Affen machen lassen." Manchmal brachte die Mutter noch frische Eier für ihren Sohn. "Bis sie angerufen und gesagt hat, sie braucht diese Eier nicht."
Dann kam der Vater des Spediteurs und mit ihm einer, der spürbar jeden Satz sorgfältig abwog. Als Zeuge erinnerte er sich: "Mein Sohn hat gesagt, dass er sie davonhaut und dann wieder der Alte ist." Die Sympathie des damals künftigen Schwiegervaters hielt sich von Beginn an in Grenzen. Denn als der Sohn mit seiner Freundin kam und sie vorstellte, führte die sich mit einer nicht sehr freundlichen Bemerkung ein. Sie fragte: "Wie alt ist der Papa?" und erfuhr: "64 Jahre". Reaktion von ihr: "Der schaut gut aus. Er kann nicht viel in seinem Leben gearbeitet haben." Das kränkte den Senior zutiefst. Er hatte über Jahrzehnte hinweg gerackert.

Zu Wort kam auch die ehemalige Lebensgefährtin des Spediteurs. Um viele Jahre älter zwar als ihr Freund. Doch immer um ihn besorgt, selbst als er sich von abwandte. Befragt von der Vorsitzenden Richterin Roswitha Stöber, äußerte die Frau: "Er hatte sich völlig verändert." (Hintergrund)

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