Zwei Männer wollen Milde vom Landgericht - Erpressungsversuch und Meineid in der Debatte
Kleine Dellen, größerer Kriminalfall

Es ging um vergleichsweise lächerliche 340 Euro. Was sich daraus entwickelte, war ein Verfahren mit Vergehens- und Verbrechenstatbeständen. Vor einer Strafkammer des Landgerichts wollen die mutmaßlichen Täter jetzt milde davonkommen. Doch das, so scheint es, wird wohl kaum der Fall sein.

Der Vorgang, begonnen an einem Herbstsamstag des Jahres 2010 im Amberger D-Programm, hatte schon einmal für Schlagzeilen gesorgt. Er tut es jetzt erneut, weil zwei im Mai vergangenen Jahres vom Amtsgericht verurteilte Männer in die Berufung gegangen sind. Ob sich das für sie lohnt, ist fraglich.

Denn bereits am ersten Prozesstag vor der unter Vorsitz von Landgerichts-Präsident Dr. Wolfgang Schmalzbauer tagenden 2. Strafkammer zeigte sich, dass der Sachverhalt weitgehend als geklärt gelten kann. Und zwar im Sinn der Anklage.

Ein 52-Jähriger wollte am 25. September 2010 eine Bekannte seiner Ehefrau vom D-Programm aus herein in die Stadt fahren. Es regnete (wie stark, soll jetzt per Beweisantrag der Verteidigung ein Bericht von Meteorologen zeigen), als beide ein geparktes Auto bestiegen.
Dabei soll die 43-Jährige eine Tür des Wagens drei Mal gegen einen gleich daneben stehenden Pkw geschlagen haben. Die Betonung liegt auf "soll." Denn in der zweiten Instanz unterstrich die Frau erneut: "Auf keinen Fall." Am Fahrzeug zeigten sich später drei kleine Dellen. Sie konnten, weil weit auseinander liegend, wohl eher nicht von einem Türschlag stammen.

Der seinerzeit geschädigte Pkw-Eigentümer gab zu Protokoll, er habe in seinem Wagen gesessen und Beobachtungen gemacht. Merkwürdig. Noch seltsamer aber: Er, 38 Jahre alt, begab sich plötzlich in eine Art Schulterschluss mit seinem 52-jährigen Nachbarn. Gemeinsam suchten sie in der Folgezeit die angebliche Schadensverursacherin in deren Laden in der Amberger Innenstadt auf. Dabei wurde der Frau eine Reparaturrechnung über 340 Euro präsentiert und von dem 38-Jährigen gedroht, er werde bei Nichtzahlung das Geschäft auseinandernehmen. Geld bekam er nicht.

Zielstrebig setzte sich der Kriminalfall fort. Der 52-Jährige schaltete seine Versicherung ein. Sie zahlte an den angeblich Geschädigten. Um nicht höhergestuft zu werden, erstattete der Versicherungsnehmer später zwar den Betrag an seine Assekuranz zurück, begann aber mit einer Schadenersatzklage gegen die "zahlungsunwillige" Frau, einst eine gute Freundin der Familie. Im Prozess schwor sein Nachbar, er habe beobachtet, wie seine Autotür lädiert wurde. Das wird als Meineid gewertet.
Wegen Betrugs hatte der 52-Jährige vom Amtsgericht sieben Monate mit Bewährung erhalten. Jetzt will er vom Landgericht freigesprochen werden. Für seinen Nachbarn geht es um 21 Monate ohne Bewährung wegen versuchter Erpressung und Meineid. Er hat seinen Einspruch unterdessen beschränkt, akzeptiert die Strafhöhe, möchte aber nicht hinter Gitter.

Penibel hatte sich LG-Präsident Schmalzbauer auf das Verfahren vorbereitet und deckte Widersprüche schonungslos auf. Dabei sagte der Richter: "Wir stellen fest, was bisher gesagt wurde. Wir stellen auch fest, was heute hier gesagt wird. Und dann stellen wir fest, was die Wahrheit ist." An einem weiteren Prozesstag soll nun noch ein Polizeibeamter vernommen werden. Dann gibt es die Urteile.
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