11.09.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Zweiter Tag im Amberger Mordprozess - Was zwei Sanitäter und der Notarzt alles wissen sollten Eine Strategie des offenen Angriffs

von Autor HWOProfil

Es gibt nur zwei Möglichkeiten - entweder Freispruch oder lebenslange Haft. Von daher müssen die Verteidiger einer 35-jährigen Ex-Lehrerin aus Pfreimd vor dem Amberger Schwurgericht eine Strategie des offensiven Angriffs fahren. Ob das allerdings an Leuten ausgehen muss, die am Tatort nichts anderes als ihre berufliche Pflicht taten, ist äußerst fraglich.

Zweiter Tag im Mordprozess. Er unterstrich die bereits gewonnene Erkenntnis: Es wird lange dauern, bis die Richter Roswitha Stöber, Jacqueline Sachse, Christian Frey mit den beiden Schöffinnen zu einer Entscheidung gelangen können. 17 Beweisanträge der Verteidigung am ersten Tag, gestern zwei neue. Sie wurden postwendend abgelehnt.

Als am frühen Morgen des 17. April des Vorjahres zwei Sanitäter, ein Notarzt und uniformierte Polizisten aus Nabburg in Pfreimd eintrafen und hinab in einen Kellerraum liefen, wo die Leiche eines Mannes lag, taten sie ihre Pflicht und versuchten, Hilfe zu leisten. Sie war zur Erfolglosigkeit verurteilt. Dem Inhaber einer Speditionsfirma hatte ein Gewehrschuss den Schädel zertrümmert.

Verdacht auf Verbrechen

Als sich nach anfänglicher Vermutung, es liege Selbsttötung vor, der Verdacht auf ein Verbrechen ergab, wurden die Rettungskräfte samt Polizisten von der Kripo vernommen. Jetzt mussten die Helfer vor dem Schwurgericht erneut ihre Beobachtungen schildern. Das ging zunächst reibungslos vonstatten. Bis der Verteidiger Robert Hankowetz das Fragerecht erhielt und man den Eindruck bekam, dass sich die Männer Dinge hätten merken müssen, die bei naturgemäßer Hektik eines solchen Einsatzes niemals im Gedächtnis haften bleiben können.

Es ging um eine geöffnete Tür zu dem Kellerraum, um die Lage der Leiche und um Fragen, wo und wie sich jemand abgestützt habe. Als dann Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber einem jungen Sanitäter mit gebotener Umsicht mitteilte, er habe seine schrecklichen Eindrücke erneut zu schildern und dies in einem im Landgericht entstandenen Nachbau des Kellerraumes zu tun, entfuhr es Hankowetz: "Der Mann ist Rettungsassistent, verdammt noch mal!" Ins Visier genommen sah sich auch ein Notarzt aus Nabburg. Er wurde vor die Frage gestellt: "Wie gehen Sie an eine Leiche heran?"
Bisher zeigt das Schwurgericht Langmut, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Gleiches gilt auch für den Leitenden Oberstaatsanwalt Joachim Diesch. Ihm genügten am Dienstag die Aussagen, er machte nur wenig von seinem Fragerecht Gebrauch. Auch nicht, als sich alle Prozessbeteiligten zur Mittagszeit erstmals in den von Schreinern und Technikern nachgebauten Kellerraum im Landgerichtsgebäude begaben.

Dieses relativ kleine Zimmer, möbliert mit einem Munitionschrank und zwei Waffenschränken, wird in den kommenden Prozesstagen im Mittelpunkt stehen, wenn Sachverständige zu Wort kommen. Am Dienstag wurde es vom Gericht nur informatorisch besichtigt, wobei eine Kriminalbeamtin erläuternde Erklärungen abgab. Auch sie sah sich unverzüglich ins Visier des Verteidigers Hankowetz genommen. Der Regensburger Anwalt bemängelte eine zur Lage der Leiche eingezeichnete Spur und forderte, sie müsse verschwinden, da die Tatsächlichkeit nicht gegeben sei. Die Vorsitzende des Schwurgerichts ordnete die Entfernung an.

Kellerzimmer nachgebaut

Die Angeklagte musste ins nachgebaute Kellerzimmer. Dort stellte sie sich in einen Winkel, wollte nicht auf den im Maßstab 1:1 rekonstruierten Nachbau blicken. Sanitäter und Notarzt, die am Tatort waren, attestierten der Frau während ihrer Aussagen: "Sie hat geweint und stand sichtlich unter Schock." (Hintergrund)

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