14.07.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Zwischen Mutter und Tochter eben ein Unterschied Von Anklage nicht viel übrig

Wenn jemand im Rahmen des Gewaltschutzgesetzes gegen Anordnungen verstößt, gibt es bei Gericht in aller Regel keine Nachsicht. Doch diesmal war vieles anders. Ein auf der Anklagebank sitzender 26-jähriger Amberger muss lediglich 400 Euro zahlen und wurde ansonsten freigesprochen.

von Autor HWOProfil

Erst war von Heirat die Rede, dann gab es Reibereien. Der heute 26-Jährige zog aus der gemeinsam mit seiner Freundin bewohnten Unterkunft aus und bekam nicht lange darauf die richterliche Weisung, keinerlei Kontakt mehr mit seiner Lebensgefährtin aufzunehmen. Doch danach gab es etliche Anrufe, die nun Staatsanwalt Dr. Johannes Weber dem jungen Mann ankreidete und ihm ferner vorhielt, im Hinblick auf die Telefonate später eine falsche eidesstattliche Versicherung gegenüber einem Familienrichter abgegeben zu haben.

Richterin Jacqueline Sachse setzte zu einer umfangreichen Befragung an und erfuhr: "Ich habe nicht bei meiner Ex-Freundin angerufen, sondern bei deren Mutter." Weshalb? "Ich wollte mich nach unserem Kind erkundigen." Sehr einleuchtend, wie Verteidiger Dr. Günther Schatz befand. Zumal die Mutter eine solche Kontaktaufnahme gestattet habe. Die Frau, mit ihrer Tochter im Kreis Neustadt/WN lebend, wurde als Zeugin gehört und bestätigte das.

Also keine Verstöße gegen amtliche Weisungen? Im Hinblick auf die Telefonate, die auf das Handy der Mutter gingen, lösten sich die Verdachtsmomente in Schall und Rauch auf. Denn von solchen Anrufen war in der Anordnung des Familiengerichts keine Rede gewesen. Von daher fiel auch der Vorwurf einer falsch abgebenen eidesstattlichen Versicherung weg.
Was von der umfangreichen Anklage blieb, war letztlich - wenn man so will - ein "Krümel". Der 26-Jährige hatte seiner sechs Jahre jüngeren Ex-Freundin eine Mail per Computer geschrieben, sie im direkten Dialog um Kontakt gebeten. Das war laut richterlicher Weisung nicht erlaubt, sollte nach Ansicht des Staatsanwalts mit 400 Euro Geldstrafe geahndet werden. Richterin Sachse schloss sich diesem Antrag an. Verteidiger Schatz hätte sich eine andere Lösung vorstellen können: "Es wäre auch daran zu denken, das Verfahren einzustellen." Doch diesem Wunsch entsprach die Vorsitzende nicht.

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