06.03.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

"Amberg hilft Menschen" warnt:: "Gefahr einer Ghettobildung"

Pünktlich zum zweijährigen Bestehen präsentiert die gemeinnützige Bürgerinitiative "Amberg hilft Menschen" ihren zweiten Flyer. Es handelt sich laut einer Presse-Info um einen vierseitigen Wegweiser für Flüchtlinge, die eine Wohnung suchen.

"Es ist Gefahr in Verzug. Geeignete Maßnahmen müssen jetzt ergriffen werden." Zitat: Werner Konheiser, Sprecher von "Amberg hilft Menschen"
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Auf Deutsch und Arabisch verfasst, enthalte das Geheft wichtige Hinweise. So würden zum Beispiel alle notwendigen Behördengänge erläutert. Zudem heißt es: "Man erfährt, wie es sich mit den Mietverträgen sowie den Miet- und Kautionszahlungen verhält. Es wird erklärt, welchen Umfang die Erstausstattung hat, und es gibt gute Tipps zum Verhalten in Mietwohnungen."

"Der Flyer wird unsere Arbeit in der Beratungsstelle in der Herrnstraße 7 erleichtern", wird Sprecher Werner Konheiser zitiert. Nach wie vor besuchten 20 bis 30 Ratsuchende die wöchentliche Sprechstunde am Mittwoch, darunter mittlerweile auch Deutsche mit geringem Familieneinkommen. Die anerkannten Flüchtlinge müssen laut dem Schreiben ihre Gemeinschaftsunterkünfte verlassen und drängen auf den Mietwohnungsmarkt. Die Initiative "Amberg hilft Menschen" konnte laut Konheiser in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 27 Wohnungen vermitteln, darin untergebracht sind 113 Personen, darunter 74 Kinder.

Familien ziehen aus

Probleme bei der Wohnungsbeschaffung gebe es dagegen bei alleinstehenden jungen Männern. Konheiser: "Bei uns sind 40 als wohnungssuchend registriert. In Amberg gibt es aber kaum bezahlbare und im Jobcenter-Budget liegende Einzimmerapartments." So verblieben die jungen Flüchtlinge über Jahre in der Gemeinschaftsunterkunft. Das Problem: "Die Familien werden alle im Laufe der Zeit ausziehen, zurück verbleiben nur noch diese jungen Männer. Die Gefahr einer Ghettobildung mit all ihren Facetten droht schon jetzt, Konflikte sind unausweichlich."

Appell an Kommunen

Sprecher Werner Konheiser wird in dem Schreiben deutlich: "Wir appellieren an die Kommunen, sich dieser Problematik bewusst zu werden. Es ist Gefahr in Verzug. Geeignete Maßnahmen müssen jetzt ergriffen werden." Als Übergangslösung sieht Konheiser aktuell nur eine Möglichkeit: "Dass wir versuchen, die jungen Flüchtlinge zur Untermiete an deutsche Familien zu vermitteln. Einen ersten Erfolg konnten wir jetzt verbuchen." Ein junger Afghane sei bei einer einheimischen Familie untergekommen. Sechs Jahre verbrachte er in Heimen. "Jetzt hat er Familienanschluss und ist überglücklich."

Es ist Gefahr in Verzug. Geeignete Maßnahmen müssen jetzt ergriffen werden.Werner Konheiser, Sprecher von "Amberg hilft Menschen"
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