13.03.2018 - 12:54 Uhr

Amberg und seine niedrige Verschuldung Statistischer Musterknabe

Amberg macht Schlagzeilen: Als eine der bundesweit fünf kreisfreien Städte mit der niedrigsten Pro-Kopf-Verschuldung. Das Ranking stammt vom Statistischen Bundesamt und weist eine Besonderheit auf.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Die Bundesbehörde vergleicht nicht die Pro-Kopf-Verschuldung, die üblicherweise aus den Zahlen der Kernhaushalte resultiert, sondern die sogenannte "integrierte Verschuldung" pro Einwohner. Sie fällt in der Regel höher aus, weil sie "alle öffentlich bestimmten unmittelbaren und mittelbaren Beteiligungen der Kommunen" mit einbezieht. Heißt im Klartext: auch die Bilanzen von kommunalen Tochterunternehmen - wie Krankenhäuser, Ver- und Entsorgungsunternehmen oder Wohnungsbaugesellschaften - sowie weiterer Beteiligungen werden dabei berücksichtigt.
Für Amberg ergibt sich so im bundesweiten Vergleich ein Spitzenwert. Zum Stichtag 31. Dezember 2016 berechnet das Statistische Bundesamt die Pro-Kopf-Verschuldung auf 1609 Euro - das bedeutet Platz vier unter allen 107 kreisfreien Städten in Deutschland. Nur Kempten im Allgäu (375 Euro) und die nicht weit davon entfernt liegenden Städte Memmingen (1416 Euro) und Kaufbeuren (1474 Euro) schneiden besser ab. Hinter Amberg platziert sich noch das niedersächsische Braunschweig (1559 Euro) unter den Top-Fünf.

Oberbürgermeister Michael Cerny wertet die Statistik als Bestätigung und Ansporn zugleich. "Es ist das Selbstverständnis der Stadt Amberg, vorausschauend und nachhaltig zu agieren und ihre Finanzmittel verantwortungsbewusst und mit Weitblick zu verwalten", erklärt er zum Zahlenwerk. Die Kommune habe sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. "Es haben mehr Menschen einen Arbeitsplatz, wodurch wir mehr Einkommensteuer erhalten, unsere Betriebe sind erfolgreich und attraktiv, was zur Mehrbeschäftigung und zu größeren Gewerbesteuereinnahmen geführt hat, und dadurch sind natürlich auch immer weniger Menschen auf Unterstützung angewiesen."

Andererseits spiegle sich in der Statistik auch die solide Finanzpolitik der Stadt wider. So habe sich der Stadtrat parteiübergreifend dafür ausgesprochen, die gute Finanzlage zu nutzen und neben den notwendigen Investitionen auch die Schuldentilgung verstärkt anzupacken. Cerny: "Dabei achten wir in besonderem Maße darauf, alte Darlehen mit hohen Zinssätzen abzulösen."

Der Landkreis Amberg-Sulzbach steht in der Auflistung des Statistischen Bundesamtes nicht so gut da. Der Nachbar-Kreis Neumarkt führt das bundesweite Ranking der "integrierten Schulden" mit einem Pro-Kopf-Wert von 509 Euro an, gefolgt von Eichstätt (539), Landshut (661), Roth (744) und Dingolfing-Landau (759). Amberg-Sulzbach landet im Vergleich der 294 Landkreise der Bundesrepublik mit 1768 Euro immerhin im vorderen Drittel.

Kreis-Kämmerer Anton Weber ist skeptisch, was die Aussagekraft dieser Zahlen anbelangt. Hier sei "etwas hochaggregiert worden, das schwer zu durchschauen" sei, gab er seine Einschätzung ab. "Es ist besser, sich an den Werten aus den Kernhaushalten zu orientieren", sagt Weber. "Denn hier zeigt sich konkret, welche haushaltspolitischen Entscheidungen in den Kommunen getroffen werden." Beim Kernhaushalt steht der Landkreis hervorragend da: Hier beläuft sich die Pro-Kopf-Verschuldung auf nur etwa 41 Euro. Die Stadt Amberg ist da mit rund 800 Euro deutlich schlechter gestellt.

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Tabelle sowie Erklärungen zur Methodik:

www.destatis.de/presseaktuell

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