09.02.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Amberg: Vermeintliche Rassekatze via Internet verkauft - Angeklagte muss ins Gefängnis Al Perfecto nicht ganz perfekt

von Klaus HöglProfil

Schon der Name versprach absolute Perfektion und reine Gene: Al Perfecto hieß der Kater, den eine Frau aus Röttenbach von einer damals im Landkreis lebenden Katzenzüchterin gekauft hat. Doch Al Perfecto war eher "Il Malato", der Kranke. Mit weitreichenden Folgen für die Züchterin: Amtsrichter Dr. Stephan Täschner verurteilte sie jetzt wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten, die wegen der umfangreichen Vorstrafen der Dame nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden konnte.

Der Termin beim Amtsgericht dauerte gerade mal drei Stunden, dann konnte die 36-jährige Angeklagte wieder nach Nordrhein-Westfalen zurückfahren, wo sie jetzt wohnt. Ihr Anwalt hatte Dr. Stephan Täschner noch "um Milde" gebeten, also um eine Freiheitsstrafe mit Bewährung, die Staatsanwältin acht Monate "ohne" gefordert, immerhin hatte die Angeklagte eine Latte von 15 Vorahndungen im Gepäck - darunter einschlägige.

Wichtigste Figur in der Hauptverhandlung war Al Perfecto, ein reinrassiger Kater. Besser: angeblich reinrassig. Denn ob er es denn wirklich ist, das steht bis heute nicht fest. Denn es fehlt der Stammbaum, der dies beweisen könnte. Eine Rasse-Katze mit Stammbaum aber wollte die Röttenbacherin haben, die über das Internet auf die Katzenzüchterin aufmerksam wurde, die reinrassige Tiere offerierte. 270 Euro zahlte die Frau für Al Perfecto - der Impfpass eines Amberger Tierarztes war dabei, der Stammbaum sollte binnen zwei Wochen folgen.
Unmittelbar nach dem Kauf wurde Al Perfecto erheblich krank. Die neue Besitzerin suchte mit ihm einen Tierarzt auf, dabei stellte sich heraus, dass der gelbe Impfpass verändert worden sein musste. Sogleich setzte sie sich mit dem Amberger Tierarzt in Verbindung und war perplex: Al Perfecto, so erhielt sie mitgeteilt, hatte der niemals geimpft, für ihn wurde daher auch kein Impfpass ausgestellt. Vier andere Katzen der Besitzerin zwar, aber Al Perfecto - nein, der war unbekannt.

Wie sich herausstellte, hatte die Angeklagte offenbar einen Impfpass der vier geimpften Katzen gefälscht und der Geschädigten angedreht als den von Al Perfecto. Einen Stammbaum für den Kater hat die Frau übrigens bis heute nicht bekommen. Zumindest hat die Angeklagte die Tierarztkosten in Höhe von 250 Euro für den Kater bezahlt. Dafür sind beim Amberger Veterinär immer noch 450 Euro offen.

Offen bleibt auch die Frage, ob Al Perfecto nun reinrassig ist oder nicht, das ist nicht ganz unbedeutend, wenn es um den Wert oder Züchtung geht. Und die Angeklagte? Die legte ein Geständnis ab, das mag sie erleichtert haben. Aber die vier Monate ohne Bewährung lagen ihr dann doch schwer im Magen.

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