Amberg wartet auf die Behördenverlagerung
Schwere Geburt

Das könnte der Standort der neuen Behörde sein: Der Sitz der Grammer Hauptverwaltung.
Politik
Amberg in der Oberpfalz
20.02.2018
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Amberg und die versprochenen Behördenverlagerungen aus München - zweieinhalb Jahre nach dem Kabinettsbeschluss stellt sich die Lage nicht mehr ganz so dar, wie von der Staatsregierung einst verkündet.

Zwei Behörden mit insgesamt 98 Beschäftigten sollten von München nach Amberg ziehen, als Teil einer umfangreichen Initiative, um den ländlichen Raum zu stärken. Das war das große Credo Ende Juli 2015. Die IT-Stelle der bayerischen Justiz sollte mit 64 Mitarbeitern in Amberg Quartier beziehen und das Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) mit 34 Beschäftigten.

Zweieinhalb Jahre später ist klar, dass die Rechnung so einfach nicht aufgeht. Während der Umzug der IT-Stelle der Justiz relativ flott über die Bühne ging - nach etwa einem halben Jahr zogen die ersten Beamten in das Bürogebäude in der Faberstraße -, ist mittlerweile nicht mehr von einer kompletten Verlagerung des IFP die Rede. Vielmehr soll in Amberg etwas Neues entstehen, das den Namen Zentrum für Medienkompetenz in der Frühpädagogik (ZMF) trägt. Im Falle ihrer Behörde dürfe man sich die Verlagerung nach Amberg eben nicht so vorstellen, dass der Standort in München zugesperrt wird, unterstrich IFP-Direktorin Fabienne Becker-Stoll: "Wir brauchen das Basislager München."

"Große Offenheit"

Becker-Stoll war jetzt mit dem Leitungsgremium des Instituts in Amberg, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Ihre Gesprächspartner waren Oberbürgermeister Michael Cerny, die Präsidentin der Hochschule Amberg-Weiden (OTH), Professor Andrea Klug, sowie Bürgermeisterin und Kita-Leiterin Brigitte Netta. "Wir haben hier große Offenheit erlebt", berichtete die Institutsleiterin. Als besonders wichtig erachtet sie die Zusammenarbeit mit der OTH. Denn dort ist Präsidentin Klug gerade dabei, ein "Kompetenzzentrum Digitaler Campus" aufzubauen mit den Schwerpunkten Digitale Medien, Medien-Pädagogik und Weiterbildungsangebote. Wie gehen Kinder mit Smartphones und Tablets um? Ist es sinnvoll, solche Geräte bereits im Kindergarten einzusetzen? Wo liegen dabei die Chancen? Wie können Vorschulkinder über die Gefahren digitaler Mediennutzung aufgeklärt werden?

Alles Fragen, um die sich die geplante Einrichtung in Amberg, quasi als Außenstelle des IFP München, kümmern könnte. "Der Austausch war gerade mit Blick auf die Expertise der Vertreter des IFP sehr gewinnbringend", bilanzierte Klug. Das IFP habe angeboten, sein Know-how in Form von ausgewählten Lehrinhalten oder auch bei der Konzeption fachlich relevanter Studienangebote an der OTH einzubringen. Genau diese Verknüpfung mit der Hochschule erachtet Oberbürgermeister Cerny als essenziell und zukunftsweisend. "Für uns als Stadt wäre eine Entwicklung, die aus einer Verlagerung des Instituts möglichst zusätzliche Chancen für die OTH und den Standort bietet, wesentlich wichtiger als ein möglichst schneller Umzug des Staatsinstituts", erklärt der Rathauschef.

Nähe zur OTH

Wer nach der künftigen Adresse des ZMF fragt, landet immer wieder im Umfeld der OTH, möglicherweise in der bald frei werdenden Grammer-Hauptverwaltung. Das Gebäude am Kaiser-Wilhelm-Ring gehört der Gewerbebau, die für die Zeit nach dem Grammer-Umzug nach Ursensollen neue Mieter braucht. "Natürlich würde sich ein Standort an der OTH anbieten und mit dem Bürogebäude der Gewerbebau und der Freifläche dahinter bestünden dafür auch Umsetzungsmöglichkeiten", sagt Cerny. 

Die neue Behörde„Zentrum für Medienkompetenz in der Frühpädagogik“ (ZMF) heißt der Ableger des Münchner Staatsinstituts für Frühpädagogik, der in Amberg seine Arbeit aufnehmen soll. Genauer umrissen wurden die Aufgaben des ZMF bereits bei der Sitzung des bayerischen Kabinetts im Frühjahr 2017 in Amberg. „Das ZMF in Amberg soll ein Dienstleistungsangebot für alle Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe in Bayern darstellen und für die unterschiedlichen Zielgruppen Angebote etablieren, die derzeit noch nicht angeboten werden“, hieß es damals. Als Zielgruppen der Arbeit des ZMF wurden die Fachkräfte (Qualifizierung), die Multiplikatoren (Professionalisierung), die Eltern (Stärkung der Erziehungskompetenz) sowie die Kinder und Jugendlichen genannt. Drei zentrale Aufgaben hat das Kabinett definiert: die Qualifizierung und Professionalisierung von pädagogischem Personal durch E- und Blended-Learning-Angebote sowie die Schaffung zweier Onlineplattformen mit allen relevanten Informationen – eine für Fachkräfte und eine für Eltern. Mit wie vielen Stellen das ZMF einmal ausgestattet sein wird, ist noch völlig unklar.

Angemerkt: "Besser als nix"

Der Oberpfälzer an sich ist ja für seine Bescheidenheit bekannt. Die Pläne, die die Leitung des Staatsinstituts für Frühpädagogik präsentiert, sind freilich besser als nix. Aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Stadt Amberg vor zweieinhalb Jahren etwas völlig anderes versprochen worden war: Nämlich die Komplettverlagerung der Behörde von der Isar an die Vils.

Nun mag es ja sein, dass bei der Umsetzung des Kabinettsbeschlusses Schwierigkeiten aufgetaucht sind. Zum Beispiel die, dass das Staatsinstitut mit seinem Umzug in die Oberpfalz seine substanzielle Kooperation mit den großen Münchner Hochschulen verlieren würde. Diese und andere hinderliche Umstände waren bekannt, wurden von der Staatsregierung aber schlichtweg ignoriert. Feiern lassen haben sich Seehofer, seine Minister und Staatssekretäre für ihre „Heimatstrategie 2015“ aber dennoch. Bis jetzt. Albert Füracker kann sich in Amberg jedenfalls nicht mehr mit zwei Behördenverlagerungen brüsten.

Mit der OTH hat das künftige Zentrum für Medienkompetenz in der Frühpädagogik einen zuverlässigen Partner und bewährten Innovationsmotor an der Seite. „Passt scho!“, sagen die Amberger da und krempeln ihre Ärmel hoch. So geht das in der Oberpfalz. In aller Bescheidenheit.
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