23.01.2018 - 17:28 Uhr
Oberpfalz

Amberger CSU schreibt Fusion mit Landkreis-Krankenhäusern ab: Müssen nun alle bluten?

Eigentlich war das Thema erst für den nichtöffentlichen Teil vorgesehen. Doch die angestrebte, vom Landkreis aber abgelehnte Fusion der Krankenhäuser brannte den Mitgliedern der CSU-Stadtratsfraktion derart auf den Nägeln, dass sie auch öffentlich klare Worte fanden.

Die Behandlungsräume in der neu entstehenden Zentralen Notaufnahme sind noch nicht fertig, mit ihren hochwertigen medizinischen Geräten vermitteln sie aber bereits einen guten Eindruck, welche Investitionen hier nötig waren. Dr. Marc Bigalke (Zweiter von links), der Leiter der Notaufnahme, und Klinikumsvorstand Manfred Wendl (rechts) erläuterten der CSU-Stadtratsfraktion die im Klinikum St. Marien laufenden Baumaßnahmen. Bild: Steinbacher
von Markus Müller Kontakt Profil

Die Christsozialen reagierten damit bei ihrem Besichtigungstermin im Klinikum St. Marien am Montagabend auch auf Aussagen von Landrat Richard Reisinger, der beim Neujahrsempfang am Freitag in Sachen Krankenhäuser allen "Begehrlichkeiten" eine Absage erteilt hatte, "die eine Schwächung unserer beiden Standorte bedeuten würden".

Das habe was Endgültiges, befand der Fraktionsvorsitzende Dieter Mußemann. Man habe die Zusammenarbeit mit dem Landkreis - "absolut auf Augenhöhe" - angestrebt, um die beste medizinische Versorgung für die Bürger in Stadt und Land zu sichern. Das könne aber nicht durch eine lose Kooperation geschehen, sondern nur durch eine Lösung in der Art einer Fusion. Die hätte laut Mußemann Einschnitte für beide Seiten zur Folge, "da man auf 14 Kilometer Entfernung nicht alles doppelt vorhalten kann".

Das Klinikum St. Marien sei wirtschaftlich gesund und in seiner Existenz sicher nicht gefährdet, baute Mußemann eventuellen Ängsten vor. Doch müsse man angesichts der Entwicklungen im Gesundheitswesen, die Druck auf die kleineren Häuser ausübten - beispielsweise über die Vorgabe höherer Fallzahlen für zu erhaltende Abteilungen -, jetzt eine tragfähige Zukunftslösung entwickeln. Nach Lage der Dinge sei das nun ein noch engeres Zusammengehen mit den Kliniken Nordoberpfalz in Weiden. Konrad Wilfurth machte deutlich, warum man dafür das St.-Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg favorisiert hätte: Weil es ein Unterschied sei, ob man nach der Aufteilung der Abteilungen zwischen den Standorten für die in Amberg nicht mehr vorhandenen Angebote nach Weiden oder lediglich in die Nachbarstadt müsse.

Da der Freistaat die Investitionen in Krankenhäuser mit Zuschüssen unterstützt, hatte man von Amberger Seite aus schon überlegt, die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml als Vermittlerin gegenüber dem Landkreis einzuschalten, da dieser sicher auch daran gelegen sei, Steuergelder nur in zukunftssichere Klinik-Projekte zu stecken, erklärte Mußemann. Doch nach den Signalen des Landrats habe das wohl keinen Sinn mehr. Der CSU-Fraktionschef stellte abschließend eine Berechnung an: In den 28 Jahren, in denen er das Klinikum von politischer Seite begleite, seien dort an die 300 Millionen Euro investiert worden.

Zitate

"Uns geht es nicht um eine Fehde mit dem Landkreis, sondern um das Gemeinsame."

"Wir bedauern, dass dieses harte Nein im Raum steht."

"Unser Klinikum ist wirtschaftlich gesund, weil wir es attraktiv und attraktiver gemacht haben."

Dieter Mußemann

"Schade, dass wir binnen 15 Kilometer unser Leistungsspektrum nicht miteinander abstimmen können."

"Die ersten Elemente der Zusammenarbeit mit den Kliniken Nordoberpfalz in Weiden sind mehr als positiv."

OB Michael Cerny

"Es ist traurig, dass der Landrat solche Aussagen trifft."

"Wir brauchen auch gute Pflegekräfte, die Ärzte alleine reißen gar nichts."

Barbara Lanzinger

 

 

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