21.12.2016 - 18:06 Uhr
Oberpfalz

Amberger Stadtrat macht Flächenverbrauch zum großen Thema Fläche endlich schonen

Der Bauausschuss hatte die Beschlüsse, die den Umzug des Obi-Marktes von der Barbarastraße an die Kreuzung von B 85 und AM 30 ermöglichen, einstimmig angenommen. Doch im Stadtrat gab es jetzt acht Gegenstimmen. Was hatte sich geändert?

Das neue Autohaus Fischer an der Speckmannshofer Kreuzung noch während der Bauphase. Im Stadtrat, der der Planung zugestimmt hatte, wurde es jetzt etwas überraschend zum Negativbeispiel für unnötigen Flächenverbrauch. Bild: Georgi
von Markus Müller Kontakt Profil

Vor allem hatte Volker Binner (SPD) die Information, dass am neuen Standort - ein 5,3-Hektar-Grundstück - ein größerer Obi-Markt entstehen soll, zum Anlass genommen, grundsätzliche Berechnungen zum Flächenverbrauch anzustellen. Ergebnis: "30 Hektar werden allein durch unsere Beschlüsse in dieser Periode zugebaut." Folge: keine landwirtschaftliche Produktion, kein Lebensraum., kein Tropfen Regenwasser kann versickern. Amberg brauche ein Konzept, wann man weiter Fläche verbrauchen wolle, forderte Binner. "Das sollte nur so effizient wie möglich geschehen." Zweigeschossige Gewerbebauten oder eine Hochgarage statt eines ebenerdigen Parkplatzes schwebten ihm als flächensparende Möglichkeiten vor.

Lieber zweistöckig

Baureferent Markus Kühne fand ein solches Vorgehen bei Baumärkten problematisch ("wegen der hohen Gewichte"). Doch Hans-Jürgen Bumes (Grüne) sprang Binner zur Seite: "Wir wollen ein eindeutig nachhaltiges Signal sehen auf dieser Fläche." Der Real-Markt sei doch auch zweistöckig. Warum das hier nicht gehe? "Langsam wird es ärgerlich", schlug Dr. Eberhard Meier in dieselbe Kerbe. Ein ebenerdiger Baumarkt sei unnötig. Beim Blick über den Tellerrand stelle man fest: "München kann sich diesen Wahnsinn oder Schwachsinn gar nicht leisten."

Martin Seibert (SPD) ergänzte, heute sei er auch unglücklich über eine "Entscheidung im Westen von Amberg", wo man "für Hunderte herumstehende Autos einen Haufen Fläche verbaut habe". Im aktuellen Fall werde er deshalb dem Bebauungsplan und der Änderung des Flächennutzungs- und Landschaftsplans nicht zustimmen. Markus Kühne erläuterte zu dem von Seibert angesprochenen Autohaus Fischer, die Gebäude dort hätten nicht höher gebaut werden dürfen, da die Stadt wegen der Frischluftzufuhr eine Höhenbegrenzung vorgegeben habe.

An dieser Stelle griff OB Michael Cerny ein: Als zentraler Ort sollte Amberg solche Firmen ansiedeln. "Wenn wir das nicht tun, gehen sie zu den Nachbarn." Was wollten die Kritiker des Flächenverbrauchs denn machen, wenn ein Betrieb eine Halle bauen wolle, um 50 neue Arbeitsplätze zu schaffen? Ablehnen? Dann dürfe man sich aber nicht mehr über weniger Gewerbesteuereinnahmen oder einen geringeren wirtschaftlichen Erfolg der Region beschweren. Bürgermeister Martin Preuß sah es genauso: Für ein Oberzentrum wie Amberg gehöre es dazu, "solche Projekte im Stadtgebiet abzubilden".

Raus aus Wohngebiet

Volker Binner beharrte dennoch darauf: Die Verwaltung solle ein "intelligentes Konzept" entwickeln, das solche Vorhaben nach bestimmten Kriterien abklopfe, zu denen Arbeitsplätze, aber auch die Nachhaltigkeit gehörten. Zum speziellen Fall bemerkte Dieter Amann (SPD), da der alte Obi-Markt mitten in einem Wohngebiet liege, sei er froh, wenn der da rauskomme. "Wir sollten darauf achten, dass sich dort nicht wieder ein Großmarkt ansiedelt." Einen Indoor-Spielplatz könne er sich hier dagegen gut vorstellen.

Die Beschlüsse, die auch eine Anbindung des Gebiets an die B 85 über einen Kreisverkehr möglich machen, fanden schließlich in ihrer aktuellen Form eine Mehrheit.Der Name der Nachbarstadt fiel kein einziges Mal, aber es war deutlich, dass es um Sulzbach-Rosenberg ging, als im Zuge der Diskussion über die Aufgaben eines Oberzentrums die Gedanken ins Grundsätzliche abschweiften. So meinte Dieter Amann (SPD) mit deutlicher Verwunderung, man höre ja jetzt von Städten, die Oberzentrum werden wollten, ohne die Voraussetzungen zu haben. Diese Bemerkung fiel bei OB Cerny auf fruchtbaren Boden. Es könne nicht sein, "dass jemand Oberzentrum werden will, um dann Zuschüsse und Einrichtungen zu bekommen. Der Weg muss schon umgekehrt sein." Ob die Sulzbach-Rosenberger für diesen Tipp dankbar sein werden?

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