01.08.2017 - 11:02 Uhr
Oberpfalz

Amberger ZOB soll mit taktilem Leitsystem nachgerüstet werden: Busbahnhof für Blinde barrierefrei

Barrierearm ist er schon. Bis spätestens 2022 muss der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) aber nach einer gesetzlichen Vorschrift komplett barrierfrei sein. Der Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach handelt schon vorher und will vor allem ein taktiles Leitsystem für sehbehinderte Menschen nachrüsten lassen.

Die Citybusse können zum Ein- und Aussteigen etliche Zentimeter abgesenkt werden, so dass sie am Busbahnhof nahezu höhengleich mit den Randsteinen und dem Gehweg abschließen. Das ist eines der Merkmale, die dem ZOB bisher schon die Bezeichnung barrierearm bescherten. Bild: Stephan Huber
von Thomas Amann Kontakt Profil

Das hat die Verbandsversammlung in ihrer jüngsten Sitzung im Landratsamt beschlossen. Sie hatte ein Gutachten vorliegen, das sich vor allem mit diesen Leitstrukturen beschäftigte und konkrete Vorschläge für die Umsetzung machte. Auf dieser Grundlage beschloss das Gremium, die Verlegung taktiler Streifen für 2018, spätestens 2019 in die Wege zu leiten. Zur Finanzierung der geschätzten Kosten von rund 100 000 Euro soll gegebenenfalls die Verbandsumlage angepasst werden.

Der amtierende Vorsitzende Landrat Richard Reisinger merkte angesichts dieser Ausgaben durchaus kritisch an, welche Summen durch die Änderung des Personenbeförderungsgesetzes zur vollständigen Barrierefreiheit im ÖPNV auf die Träger zukommen. Solche Maßnahmen "finden alle gut - wir auch", sie zeigten aber eben, "was das Ganze kosten wird". Nicht zuletzt auch "zur Freude der Gutachter", die derzeit aufgrund der Neuerung "flächendeckend" in Deutschland ihre ebenso kostenintensiven Expertisen erstellten. "Das ist eine Riesennummer", sagte der Landrat auch auf die Finanzen abhebend.

Hintergrund

Als Blindenleitstrukturen werden laut Internet-Lexikon Wikipedia Systeme bezeichnet, die es blinden und hochgradig sehbehinderten Menschen ermöglichen, sich mit Hilfe eines Pendel- bzw. Blindenstocks selbstständig im öffentlichen Raum, in Gebäuden und an Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel zu bewegen. In der Regel handele es sich um taktile Bodenleitlinien, wobei taktil ein anderer Ausdruck für tastbar ist und im Fachjargon zum Beispiel Bodenindikatoren meint. Letztere sind meist Rillen- und Noppenplatten beziehungsweise ganze Pflasterteile, die sich eben auf markanten Straßen, Plätzen, Bahnhöfen und an Bushaltestellen finden (sollten). In Amberg gibt es so etwas beispielsweise an der Kreuzung beim Wingershofer Tor auf dem Kaiser-Wilhelm-Ring. Neben den international und regional oft verschieden konzipierten taktilen Leitsystemen existieren auch optisch kontrastierende Bodenindikatoren. (ath)

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