Anmeldezahlen an Gymnasien stagnieren
G 9 doch noch kein Zugpferd

(Foto: dpa)
Politik
Amberg in der Oberpfalz
17.05.2017
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"Da ging das mit der Rückkehr zum G 9 vermutlich zu schnell, um noch Einfluss auf die Entscheidung zu haben." Zitat: Peter Welnhofer

Stell dir vor, das G 9 kehrt zurück, und keiner geht hin. Diese Zuspitzung wäre etwas übertrieben, aber einen sofortigen starken Zustrom zu den Gymnasien in der Region ergab die Anmeldung vergangene Woche zumindest nicht. Eher stagnierende Zahlen.

Eine Erklärung, die mehrere der befragten Direktoren der Gymnasien in Amberg und Sulzbach-Rosenberg äußerten, lautete: Der Beschluss für die Wiedereinführung des G 9 auf den letzten Metern der Entscheidungsfindung von Kindern und Eltern hatte keine großen Auswirkungen mehr, wurde gar nicht mehr richtig berücksichtigt, die grobe Richtung für die Schullaufbahn stand schon vorher fest. Zumal die Regelung für die Fünftklässler von 2017/18 etwas kompliziert ist: Sie starten in ein G 8 mit einmal wöchentlich Nachmittagsunterricht und gehen mit der 6. Klasse in ein G 9 über, das in den unteren Klassen nur Vormittagsunterricht kennt.

Die Hälfte kommt durch


"Die Eltern machen sich ja schon ab der 3. Klasse Gedanken zum Übertritt. Da ging das mit der Rückkehr zum G 9 vermutlich zu schnell, um noch Einfluss auf die Entscheidung zu haben", deutet etwa Peter Welnhofer, der Direktor des Gregor-Mendel-Gymnasiums, die Zahlen. Am GMG starteten im vergangenen Jahr 95 Neulinge, heuer haben sich 87 fest angemeldet, 11 versuchen es über den Probeunterricht. Etwa die Hälfte davon besteht erfahrungsgemäß im langjährigen Durchschnitt.

Englisch und Latein pari


"Das G 9 hat hier seinen Schatten noch nicht vorausgeworfen", findet auch Karl Bösl, der Leiter des Erasmus-Gymnasiums. "Das wird sich wohl erst nächstes Jahr auswirken." Das EG hat nach 60 Fünftklässlern im Jahr 2016 heuer 59 Anmeldungen, wovon aber 6 erst noch den Probeunterricht überstehen müssen. Wie im Vorjahr wählte wieder fast die Hälfte der Kinder Englisch als erste Fremdsprache. Das ist in dem Humanistischen Gymnasium erst seit 2016 möglich. Vorher war der Start mit Latein verpflichtend.

"Es ist ein kleiner Rückgang, aber er beschäftigt mich doch", kommentiert HCA-Direktor Dieter Meyer die Zahlen des Sulzbach-Rosenberger Gymnasiums: 67 Festanmeldungen und 4 Probeunterrichtler gegenüber 75 Kindern aus dem vergangenen Jahr. Meyer bedauert, dass im ländlichen Bereich immer noch viele Eltern und Kinder trotz eines guten Notenschnitts vor dem Gymnasium zurückscheuten. Das belege in der Region eine Übertrittsquote in der Nähe von 30 Prozent, während sie bayernweit an die 40 Prozent heranreiche. Dahinter könnte unter anderem die Überlegung stecken, auf anderen Wegen bequemer zum Abitur zu kommen - "aber das ist sicher ein schwerer Irrtum".

"Bei uns ist wieder alles im Lot, wir sind hochzufrieden", freut sich Wolfgang Wolters über ein Max-Reger-Gymnasium im Aufwind. Die Schule mit dem musischen Schwerpunkt hatte im vorigen Jahr einen unerwarteten Einbruch auf 52 Fünftklässler zu verkraften und verzeichnet jetzt wieder 61 Festanmeldungen sowie 6 im Probeunterricht. Wolters hat die Rückmeldung erhalten, dass zumindest in einigen Fällen der Infoabend den Ausschlag für das MRG gab.

Bei den Dr.-Johanna-Decker-Schulen rätselt Direktor Günter Jehl dagegen über den unterschiedlichen Erfolg seiner beiden Abteilungen: Das Gymnasium erreichte exakt dieselben Zahlen wie im Vorjahr (25 fest, 5 Probe), während die Realschule von 42 auf 48 (fest) plus 13 (Probe) kletterte. "Wir haben aber keine gesonderte Außendarstellung gemacht", sagt Jehl. Die beiden Teile der Mädchenschule in kirchlicher Trägerschaft hätten sich in einem gemeinsamen Infonachmittag präsentiert.

Realschule legt zu


Auch an der Schönwerth-Realschule gelang eine Steigerung um rund 20 Anmeldungen (110 fest, 42 Probe), hier hat Direktor Matthias Schall aber eine ziemlich einleuchtende Erklärung dafür: Das sind die Kinder aus den Gemeinden im Landkreis, die in den vergangenen beiden Jahren wegen der Raumnot in der Amberger Realschule der Sulzbach-Rosenberger Walter-Höllerer-Realschule zugeordnet waren. Heuer wurde dieser faktische Sprengel aufgehoben, was sich in der Nachbarstadt tatsächlich in einem Rückgang von 126 Neuanmeldungen auf 108 (85 fest, 23 Probe) niederschlug. "Das lief wie erwartet", sagt Konrektor Markus Hochholzer dazu. "Wir sind damit wieder auf dem Stand wie vor dieser Sondersituation." Da waren es 101 (im Jahr 2014) und 110 (2013).

Da ging das mit der Rückkehr zum G 9 vermutlich zu schnell, um noch Einfluss auf die Entscheidung zu haben.Peter Welnhofer
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