20.03.2018 - 20:00 Uhr

Anwohner protestieren gegen eingeschränkte Aussicht vom Mariahilfberg Was das "W" am Berg bedeutet

Wenn es um den Mariahilfberg geht, wird der Amberger schnell emotional. Da quillt leicht das Herz über. Dann wird es auch für einen erfahrenen Kommunalpolitiker wie Helmut Wilhelm schwer, die in langen Jahren im Richterberuf erworbene Ruhe zu bewahren.

Da steht's: Die Anwohner zeigen Helmut Wilhelm das "W" für Walmdach auf dem Bebauungsplan für den Mariahilfberg. Bild: Hartl
von Markus Müller Kontakt Profil

Um die 30 Leute sind dorthin gekommen, wo die Bergauffahrt und der Antoniweg zusammenstoßen. Von hier aus hat man einen schönen Blick über die Stadt, und den sehen die Versammelten gefährdet. Weil nach ihren Informationen für das Haus direkt unterhalb des Aussichtspunktes vom Bauamt die Genehmigung erteilt werden soll, das Walmdach durch ein Satteldach zu ersetzen. Die Höhe wäre dann nicht mehr zwei Meter, sondern 3,67 Meter. "Und dann ist den normalen Bürgern oder auch Touristen dieser Blick über Amberg verwehrt."

Die 30 Leute, die hier diskutieren, sind nicht nur Anlieger, sondern auch andere Amberger, sogar Kümmersbrucker sind gekommen. Was sie eint: der Protest gegen die befürchtete Blickbeschränkung. Franz Salzl wird spontan zum Sprecher der Gruppe gekürt. Ihr Argument: Die Wiese neben der Auffahrt sei in den 80er Jahren ausdrücklich als Aussichtspunkt angelegt worden. Ein (Bebauungs-)Plan kursiert, auf dem an ebendieser Stelle zwei Pfeile eingetragen sind. Die Legende dazu: "Aussichtspunkt mit freizuhaltender Sichtbeziehung zur Amberger Altstadt". Für die oberste Reihe der Häuser in der Straße "Am Südhang" direkt unter der Wiese ist im Plan jeweils ein "W" eingetragen. Für Walmdach. Wenn das hier festgeschrieben ist, warum könne dann die Stadt überhaupt in Erwägung ziehen, hier ein viel höheres Satteldach zu genehmigen? Wo doch dieser Blick quasi zum Amberger Kulturerbe gehöre, "weil es nirgendwo sonst Städte mit einer so gigantischen Aussicht gibt", die am Wochenende regelmäßig die Leute an diese Stelle ziehe - "die Amerikaner machen sogar Picknick".

Abweichung möglich

Helmut Wilhelm, der als Grünen-Stadtrat eingeladen wurde, ebenso wie Elke Winkel, dringt im Stimmengewirr gerade noch durch, als er auf die rechtlichen Grundlagen verweist: Bei einem Bebauungsplan seien Abweichungen durchaus möglich, sie müssten aber begründet werden. Wobei er für seine Fraktion sagen könne, dass sie diese Abweichung "nicht für genehmigungsfähig hält, weil dann der Überblick über die Altstadt massiv behindert wird".

Könnte aber sein, dass Wilhelm darüber gar nicht befinden muss, weil - der Jurist erläutert das ganz sachlich - kleinere Vorhaben nicht zwingend im Bauausschuss landen, sondern quasi auf dem Amtsweg, also von der Verwaltung, genehmigt werden können. Die Grünen, so sagt Wilhelm, werden jedoch einen Antrag stellen, dass dieser Spezialfall dem Bauausschuss vorgelegt wird. Dort könnte auch der Aspekt der Schaffung von Wohnraum mit in die Entscheidung einfließen, aber Wilhelm meint, "dass der hier zurücktreten muss hinter dem Blick auf die Stadt". Und wenn das Satteldach doch genehmigt wird? "Dann müssten die Nachbarn klagen, aber ich bin mir relativ sicher, dass sie Erfolg hätten."

Was man vonseiten der Stadt zu der Angelegenheit erfährt, kann Wilhelms Zuversicht nicht stützen. Zum Thema Walmdach sagt Pressesprecherin Susanne Schwab, das "W" stehe zwar im Bebauungsplan, es sei aber dort nicht eigens begründet, weshalb die Dachform nicht festgelegt sei, sehr wohl aber die Dachneigung - zwischen 26 und 32 Grad -, und die 32 Grad schöpfe der Antragsteller jetzt aus. "Das hätte er aber auch mit einem Walmdach machen dürfen." Ähnlich beim Aussichtspunkt; der stehe als Hinweis im Bebauungsplan (und im Grünordnungsplan). "Aber Hinweise sind keine Festsetzungen." Fazit: Selbst wenn noch nichts genehmigt ist, tut sich die Stadt aus juristischer Sicht schwer, den Antrag abzulehnen.

OB Cerny greift ein

Doch an dieser Stelle kommt die Politik ins Spiel, erst einmal in Gestalt von Oberbürgermeister Michael Cerny. Laut Schwab teilt er die Bedenken der Anlieger wegen der Höhenentwicklung des Gebäudes "und möchte auch den unverbauten Blick über die Stadt möglichst sichern". Allerdings muss sich das Baureferat, so Cerny, "in seiner Prüfung auf die Vorgaben des vom Stadtrat 1980 beschlossenen Bebauungsplans stützen". Diese Prüfung dauere noch an. Die abschließende Bewertung solle dann "zur Sicherstellung der Transparenz" auch im Bauausschuss erfolgen.

Hier darf man allerdings davon ausgehen, dass dies zunächst einmal im nichtöffentlichen Teil sein wird, wie bei Bauanträgen üblich.

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