04.09.2017 - 13:38 Uhr
Oberpfalz

Auf einem Empfang mit CSU-Bundestagsabgeordneten Alois Karl in Berlin Auf der Suche nach Herausforderungen

Wie erlebt der CSU-Direktkandidat des hiesigen Wahlkreises das politische Berlin? Die Amberger Zeitung durfte Alois Karl bei einem Empfang der Deutsch-Baltischen Parlamentariergruppe begleiten. Auf der Fahrt zum Veranstaltungsort plauderte Karl über seine Motive, in die Bundespolitik zu gehen.

Er fand die Geschichte des Baltikums schon immer spannend: Aus diesem Grund durfte die Amberger Zeitung den CSU-Bundestagsabgeordneten und Direktkandidaten für Amberg, Alois Karl, zu einem Empfang begleiten. Bilder: cim (2)
von Autor CIMProfil

"Da, das Borsig-Werk, Hildegard." Alois Karl aus Neumarkt schaut aus dem Fenster des Taxis und deutet auf einen großen roten Ziegelbau. Die Blicke seiner Frau folgen seinem Fingerzeig. "Borsig war Großindustrieller im 19. Jahrhundert. Sagen Sie mal, was hat der produziert?", fragt Karl den Fahrer. "Lokomotiven ham die jebaut", berlinert der und biegt in eine breite Allee ein, die links und rechts mit altehrwürdigen Bäumen gesäumt ist.

An diesem lauen Berliner Sommerabend steigen der Bundestagsabgeordnete Alois Karl (CSU) und seine Frau Hildegard vor dem Jakob-Kaiser-Haus in ein Taxi. Ein echter Berliner, von Statur und Dialekt, chauffiert das Ehepaar aus Bayern durch das geschäftige Berlin-Mitte. Wie jeden Abend zum Feierabend ist es laut in der Hauptstadt.

Ohne Einladung geht nichts

Ständiges Gehupe, monotones Gebrumme, schrille Martinshörner und laute Bässe, die trotz geschlossener Fenster ins Innere des Taxis vibrieren. Doch je weiter das Auto sich durch den städtischen Ameisenhaufen gen Norden manövriert, umso ruhiger wird es. Die vollgestopften Straßen auf dem Wedding werden langsam weiter und leerer, graue Platte wird zu grünen Baumwipfeln.

Das Abschlussessen der Deutsch-Baltischen Parlamentariergruppe dieser Wahlperiode soll weit draußen, an einem ganz besonderen Ort stattfinden: Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Maria Böhmer, und der Vorsitzende der Gruppe, Alois Karl, haben in die Villa Borsig am Tegeler See geladen. Und Zutritt zu dem prächtigen Landhaus, das als Gästehaus für etwa das Auswärtige Amt oder das Kanzleramt dient, haben nur die Wenigsten - eine Einladung ist Voraussetzung. Grund genug für die Amberger Zeitung, das Ehepaar Karl zu dem Anwesen zu begleiten. Auf der etwa 30-minütigen Fahrt von Mitte zur Halbinsel Reiherwerder hat die AZ die Chance genutzt und sich mit dem CSU-Direktkandidaten des Bundestagswahlkreises 232 Amberg/Neumarkt unterhalten. Dabei ging es nicht um seine politische Agenda oder Wahlkampfziele, die Ausschüsse und Gruppen, in denen Karl mitwirkt, oder seinen übervollen Terminkalender, sondern um den Menschen Alois Karl. Ihn wollen wir kennenlernen - und erfahren, wie der Oberpfälzer die Hauptstadt erlebt.

"Ich war schon vor meinem Einzug in den Bundestag politisch tätig. Ich war 15 Jahre Oberbürgermeister meiner Stadt Neumarkt, bevor ich 2005 nach Berlin durfte", erwidert Karl auf die Frage, warum er überhaupt in den Bundestag wollte.

Am Fenster des Taxis ziehen das Regierungsviertel und die Spree vorbei. "Und wenn man das 15 Jahre macht, dann kann man alles, dann weiß man alles. Dann ist das nicht mehr so die persönliche Spannung." Die einen würden sich damit zufrieden geben und sich wohlfühlen, wenn ihnen niemand mehr dreinreden könne, meint Karl. Und dann gebe es noch die anderen, die immer wieder eine neue persönlich Herausforderung suchten. "Ich gehöre zu Zweiteren und dachte mir damals: ,Schau' ma' mal, ob was geht'." Und es ging etwas: 2005 holte er erstmals das CSU-Direktmandat für den Wahlkreis.

Metropole und Kleinstadt

Während der Fahrt blickt Karl immer wieder in einen Ordner. Darin hat er sich einige Stichpunkte notiert für seine Rede vor der Parlamentariergruppe und zur Begrüßung des estnischen Außenministers Sven Mikser. Später dann, vor dem prächtigen Landhaus mit Blick auf den Tegeler See, wird Karl die Rede frei halten, die Aktivitäten der Parlamentariergruppe Revue passieren lassen und mit Mikser über die deutsch-estnischen Beziehungen sprechen.

Der Wagen passiert Mietskasernen, herrschaftliche Häuser und Plattenbauten. Noch gut erinnert sich Karl an die ersten Monate in der großen Stadt: "Berlin, diese riesige Metropole, und Neumarkt, eine kleine Stadt mit 40 000 Einwohnern: Das war schon etwas ganz anderes. Auch die Aufgaben als Oberbürgermeister waren ganz andere, als die im Bundestag." Daran habe er sich erst einmal gewöhnen müssen, sagt der 66-Jährige. "Als OB ordnet man an und das wird gemacht." Man verspüre relativ schnell Erfolgserlebnisse und müsse sich natürlich auch für Misserfolge verantworten. Im Bundestag sei das anders. Da man in Gruppen arbeite, seien die persönlichen Erfolge nicht mehr so klar definierbar. Heimweh habe er nie gehabt, dafür habe er gar keine Zeit mit all den Terminen, Sitzungen und Abendveranstaltungen. "Während Sitzungswochen ist unser Programm extrem kompakt", berichtet der studierte Jurist. Auf ein Bier zum Feierabend geht der zweifache Familienvater im eigenen Kiez, in Mitte: "Gleich gegenüber meiner Wohnung ist so eine typische Berliner Eckkneipe. Da geht man schnell mal auf ein Bier, auch mit Kollegen."

Später am Abend, im Borsig'schem Landhauses, zum Dreigängemenü in dem Speisesaal mit festlich gedeckten Tischen, stuckbesetzten Decken und Fenstern, die bis zum Fischgrätparkett reichen, wird Wein serviert. Perfekt geschultes Personal, fast wie stille Diener, wird dafür sorgen, dass das Glas nie leer wird.

Prächtiges Landhaus

Alois Karl blickt aus dem Autofenster und beobachtet die Menschen auf den Gehsteigen: "Wenn man Berlin erlebt und genau hinschaut, merkt man schnell, dass das Lebensgefühl anders ist als bei uns Zuhause - mehr Laissez faire. Es wird nicht alles so eng und streng gesehen." Ein typisches Beispiel für den Berliner Zeitgeist ist die Markthalle IX im Herzen Kreuzbergs. Das historische Gebäude eröffnete bereits 1891 und überstand den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet. Auf einer Fläche von knapp 3300 Quadratmetern gibt es etwa Biofleisch, Antipasti, Pulled Pork, Gemüse aus dem Umland, Käse und Austern aus Frankreich, Weine oder auch Tapas. Und dieses Urberliner Schmuckstück hat es auch Alois Karl angetan: "Das ist immer eine tolle Begegnung. Viele kaufen dort ein und die verschiedenen Gerüche, die einem aus den Küchen der Welt entgegenschlagen, einfach toll."

Architektonisch beeindruckend ist auch die Villa Borsig - innen wie außen. Das prächtige Landhaus auf der Halbinsel Reiherwerder erinnert mit seinen barocken Stilelementen und der gewölbten Dachkuppel an Schloss Sanssouci in Potsdam. Hier, unter den Arkaden, werden auch die Karls den Abend ausklingen lassen, mit Blick auf den See und Gesprächen über Berlin, die Familie und das Baltikum.

Wie kommt ein Neumarkter dazu, Vorsitzender der Deutsch-Baltischen Parlamentariergruppe zu werden? "Ich fand die Geschichte des Baltikums schon immer sehr spannend", sagt Karl und gestikuliert dem Fahrer, dass er bis zum streng bewachten Tor des Anwesens fahren soll. Nicht zuletzt habe die Lossagung der baltischen Länder von der Sowjetunion durch den sogenannten Baltischen Weg dazu beigetragen, dass die Berliner Mauer fiel, sagt Karl.

Als Baltischer Weg wird eine Menschenkette bezeichnet, zu der sich im Jahr 1989 über eine Million Esten, Letten und Litauer zusammengeschlossen hatten, um ihre Einigkeit in dem Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit von der Sowjetunion zu demonstrieren. Mittlerweile hat Karl alle Länder des Baltikums bereist und ist fasziniert von den Leuten und deren Einstellung: "Die Balten haben sich durchgebissen und erleben einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Das sind tüchtige Leute."

Mittlerweile hat der Wachmann an dem befestigten Stahltor die Personalien kontrolliert und das Taxi passieren lassen. Die untergehende Sonne am Himmel über Berlin taucht das Anwesen und den Park in ein wunderbar warmes Licht. Am Ende der Chaussee steht das prächtige Landhaus. Ein perfektes Setting für einen internationalen Abend im politischen Berlin.

Das Interview zum Nachhören finden Sie hier.

Alois Karl

Der 66-jährige Alois Karl ist seit 2005 für die CSU im deutschen Bundestag. Von 1990 bis 2005 war er Oberbürgermeister seiner Geburtsstadt Neumarkt. Der Jurist ist verheiratet und zweifacher Familienvater. Seit 2015 ist Karl außerdem Vorsitzender des CSU-Kreisverbands Neumarkt. Im selben Jahr wurde dem Oberpfälzer die Ehrenbürgerschaft der Stadt Neumarkt verliehen. Karls politischer Fokus liegt laut eigener Aussage unter anderem im Ausbau der Infrastruktur. Er möchte weiter in den Straßenbau sowie das Eisenbahnnetz investieren.

Auch das Thema innere Sicherheit möchte der Oberpfälzer intensivieren, indem er für strengere Gesetze sowie die Aufstockung der Polizeibeamten plädiert.

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