03.09.2017 - 10:08 Uhr
Oberpfalz

Aus dem Vollen schöpfen ist nicht Grund und Boden sind rar

In Bayern gibt es 25 kreisfreie Städte. Von der Fläche her gesehen gehört Amberg zu den kleinen. Das schafft Platzprobleme. Bierdeckel-Denken hilft da nicht weiter. Der Oberbürgermeister wirbt für neue Horizonte.

Bis Juni vergangenen Jahres stand an dieser Stelle der Rosenthalstraße der für den Bergsteig so typische Rundbau. Nun soll hier neuer Wohnraum geschaffen werden - mit staatlichen Zuschüssen. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Amberg. (zm) Die gehen bei dringend benötigten Gewerbe- und Industrieflächen deutlich über die Stadtgrenzen hinaus. Das ist wahrlich nicht neu. Seit vielen Jahren ziehen sich Gespräche über ein interkommunales Gewerbegebiet mit der Nachbargemeinde Ursensollen ohne greifbares Ergebnis hin.

"Da muss im Herbst eine Entscheidung fallen", drängt jetzt Oberbürgermeister Michael Cerny im Sommergespräch mit der AZ und sieht die beiden Verhandlungspartner "eigentlich auf einem guten Weg". Parallel bekomme ein bisher noch eher loser Arbeitskreis mit allen anderen umliegenden Kommunen immer konkretere Strukturen. "Recht positiv" liefen auch diese Gespräche. Demnach sei eine grundsätzliche Übereinkunft getroffen worden, die in Richtung einer Zweckvereinbarung gehen soll. Die Wunschprojektion sei ein "Konstrukt Gewerbebau für den Wirtschaftsraum Amberg".

Hier denkt der Oberbürgermeister in Dimensionen bis zu deutlich zweistelligen Hektarzahlen. Denn mit einem "richtig großen Gewerbegebiet" könne weit und breit niemand aufwarten. Auf eine Art Nachverdichtung im Stadtgebiet setzt Cerny außerdem im Industriegebiet-Nord und hinsichtlich Büroflächen auch im Stadtgebiet. Die Ankündigung von Grammer, möglichst zügig seine hiesige Verwaltung von Kaiser-Wilhelm-Ring nach Ursensollen zu verlegen, sieht der OB fast schon als glückliche Fügung. Der von der OTH anvisierte Digitale Campus ziehe viele hochschulnahe Dienstleister an. Die könnten nach dem Auszug von Grammer sehr gut bedient werden.

Knapper Grund macht in Amberg aber nicht nur Gewerbeflächen, sondern auch Wohnraum rar. Besonders was den Einfamilienhausbau betrifft. Die Nachfrage ist anhaltend hoch. Etwas Druck aus dem Kessel habe jüngst die Erweiterung des Baugebiets Drillingsfeld genommen, ist sich Cerny sicher. Ein Patentrezept hat der OB aber nicht parat. Er möchte allerdings verhindern "dass nur noch Bestverdiener sich in der Stadt ein eigenes Haus leisten können". Auch angestammte Amberger - besonders aus oder in den eher dörflichen Stadtteilen - sollten mit Baugrund bedient werden können, um sie an die Stadt zu binden.

Mehrgeschossiger Mietwohnungsbau ist in nennenswerten Größenordnungen seit Jahren nicht mehr entstanden. Öffentlich geförderte Sozialwohnungen schon gar nicht. Die Notwendigkeit steht außer Frage. Auch für Michael Cerny. Er ist deshalb bereit, etwas auszuprobieren, das in Nürnberg angeblich hervorragend klappt. "Ich habe mit meinem Amtskollegen Ulrich Maly darüber geredet, das funktioniert ausgezeichnet", erzählt der OB.

Die Zauberformel heißt "indirekte Belegung" und funktioniert so: Für ein neues Mietwohnungsprojekt werden Fördermittel aus dem Fonds für sozialen Wohnungsbau beantragt. Sie fließen jedoch nicht in diesen entstehenden Wohnraum, sondern in zu sanierenden vorhandenen Bestand, der dann mit der entsprechenden Sozialbindung belegt wird. In dem neuen Baugebiet am Bergsteig im Umfeld des abgerissenen Rundbaus möchte Cerny das erstmals ausprobieren. (Angemerkt)

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