11.07.2017 - 12:36 Uhr
Oberpfalz

Aus Kultkneipe wird Wohnhaus Das Vis-à-vis hat ausgedient

Viele Amberger verbrachten hier schöne Stunden ihrer Jugend. Die Amberger Stubn und später das Vis-à-vis waren über Jahrzehnte Treffpunkt in der Altstadt. Jetzt ist es vorbei mit der Gastwirtschaft in der Lederergasse. Künftig heißt es hier: Wohnen statt feiern.

Das ehemalige Vis-à-vis in der Lederergasse wird von der Firma Bauart zu einem Wohnhaus umgebaut. Dort, wo heute noch die Autos parken, entsteht zusätzlich ein weiteres Wohnhaus sowie ein gemeinsamer Treppenturm für die Erschließung des Areals. Bild: Huber
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Eine Gaststätte war in dem Gebäude Lederergasse 8 wohl schon immer. Erbaut wurde es im 17. Jahrhundert und ist in der städtischen Denkmalliste als Wirtschaft und Weißbäckerei eingetragen. Irgendwann verewigte sich der Gastwirt Johann Beck auf der Fassade, die inzwischen schmutzig und heruntergekommen wirkt, wie das ganze Haus. Doch nun hat sich ein Interessent gefunden, der das ganze Ensemble renovieren und erweitern will.

Der Umbau stand schon im letzten Bauausschuss auf der Tagesordnung, wurde von den Mitgliedern aber wegen der fortgeschrittenen Zeit in den Stadtrat überwiesen, wo es am Montag dann auch als Tagesordnungspunkt 19 behandelt wurde. Allerdings erst, nachdem das Gremium darüber abgestimmt hatte. Denn an sich wollten Teile der SPD-Fraktion erreichen, dass zunächst ein Vorberatung im nächsten Bauausschuss im September stattfindet.

Die große Mehrheit allerdings war der Meinung, dass dem Bauherrn, dem Büro Bauart, eine weitere Verzögerung nicht zugemutet werden könne - und stimmte für die sofortige Behandlung. Baureferent Markus Kühne stellte das Projekt vor, das insgesamt zwölf neue Wohnungen in der Altstadt schaffen wird. Neun passen in den bestehenden Altbau, der in seiner Substanz kaum verändert wird, drei weitere in einen Neubau, der auf dem dahinterliegenden Areal in der Schreinergasse samt einem Treppenturm inklusive Aufzug errichtet werden soll.

"Das Denkmal ist optimal geschützt", beruhigte Markus Kühne diejenigen, die sich an der ablehnenden Haltung des Landesamts für Denkmalpflege störten. In ausgiebigen Verhandlungen mit dem Bauherrn sei beispielsweise großer Wert darauf gelegt werden, den breiten Eingangsbereich zu erhalten, von dem es früher nach links in die Gaststube ging. "Und auch sämtliche noch bestehenden Holzkreuze im Dachstuhl bleiben."

Neun Wohnungen können laut Kühne in den alten Baukörper eingefügt werden, drei werden in dem modernen Neubau dahinter Platz finden, der sich samt Treppenhaus deutlich zurücknehme und das Erscheinungsbild der Gasse nicht erheblich störe. "Mit der Situation in der Schreinergasse habe ich aber ein Problem", machte SPD-Fraktionsvorsitzende Birgit Fruth deutlich, die am Ende als einzige Stadträtin den Antrag ablehnte.

Alle anderen waren mehr oder weniger intensiv begeistert von der Aussicht auf die Wiederbelebung einer etwas heruntergekommenen Zone der Altstadt. CSU-Fraktionsvorsitzender Dieter Mußemann sprach gar von einer Schmuddelecke, die eine absolute Aufwertung bekomme. Und auch Hannelore Zapf (SPD), die stets sehr kritisch mit Eingriffen in den historischen Bestand der Altstadt umgeht, zeigte sich hoch erfreut. "Ich weiß, dass das viel Abstimmung, Mühe und Zeit kostet."

Nachfragen gab es einzig von Dieter Amann (SPD) zum Stellplatznachweis. Nur vier Autos finden nämlich künftig auf dem Gelände selbst Platz. "Der Rest wird abgelöst", informierte der Baureferent mit dem Hinweis darauf, dass ganz in der Nähe auf dem Bürgerspitalgelände ja eine Quartiersgarage gebaut wird.

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