24.08.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Autoverkäufer prellt Arbeitgeber um viel Geld - Trotz Rückfalls muss er nicht ins Gefängnis - ... Bewährungsstrafe für einen Wiederholungstäter

von Autor HWOProfil

Er stand mit einem Bein im Gefängnis. Dass der 44-Jährige als Bewährungsversager trotzdem noch eine Chance erhielt, schien ihm zum Schluss selber unfassbar. Als Autoverkäufer hatte der Mann wiederholt seine Arbeitgeber im Raum Schwandorf und im südlichen Landkreis Amberg-Sulzbach um hohe Summen betrogen.

Der ungewöhnliche Satz fiel mehrfach, als die 2. Strafkammer des Amberger Landgerichts über das Schicksal des ehedem in Schwandorf wohnenden und heute im Bundesland Brandenburg lebenden Mannes zu entscheiden hatte. Er stammte von Zeugen und lautete: "Er war ein guter Autoverkäufer und hatte alles, was zu einem solchen Job gehört." Doch dann beging er plötzlich Straftaten in einem Unternehmen bei Schwandorf. Dort kam Geld weg. Die Firma identifizierte ihren Bediensteten als Täter und holte die Polizei. Später bekam er vom Schwandorfer Amtsgericht eine Bewährungsstrafe.

Das Geld einbehalten

Der Karriere tat dies nur kurzzeitig Abbruch. Im südlichen Kreis Amberg-Sulzbach gab es einen Fahrzeughändler, der ein fast schon freundschaftliches Verhältnis zu dem 44-Jährigen unterhielt und ihn einstellte. Doch dieses Vertrauen wurde missbraucht. Plötzlich fehlte auch dort Geld, es kam zu einem Gespräch zwischen Chef und Autoverkäufer. Dass er Bares aus einem Gebrauchtwagenverkauf einbehalten hatte, gestand der Mann und durfte dennoch bleiben. Doch er wirtschaftete weiter in die eigene Tasche, finanzierte nach seinen Angaben "einen Lebensstandard, den ich mir sonst nicht hätte leisten können". Diesmal reichte es dem Arbeitgeber. Er feuerte seinen Angestellten, rief nach der Polizei. Unter dem Strich waren bei ihm 30 000 Euro weggekommen.
Diesmal reagierte die Justiz knallhart: Eineinhalb Jahre ohne Bewährung. Zu einer Berufungsverhandlung vor dem Amberger Landgericht kam es nicht, weil der Angeklagte fern blieb. Daraufhin wurde sein Einspruch verworfen. Trotzdem gab es jetzt eine Neuauflage. Denn das Oberlandesgericht Nürnberg, beauftragt von der Verteidigung mit einem Wiedereinsetzungsverfahren, stellte sich auf den Standpunkt, man hätte die seinerzeit abgegebene Entschuldigung genauer prüfen müssen. Als nun erneut beim Landgericht Amberg verhandelt werden musste, erfuhren die Richter Erstaunliches. Unterdessen, so wurde vom Angeklagten argumentiert, habe man bei ihm eine manisch-depressive Erkrankung festgestellt, die aus einem vor vielen Jahren absolvierten Bundeswehreinsatz in Bosnien resultiere.

Dieses Leiden, "bipolare Störung" genannt, intensiv behandelt und bestätigt von Brandenburger Ärzten, sei während der seinerzeit begangenen Geldveruntreuungen bereits vorhanden gewesen. Das Gegenteil ließ sich nicht beweisen.
Für die 2. Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichts-Vizepräsidentin Roswitha Stöber, spielte ein anderer Umstand mit, der zur Milde (sprich: Bewährung für einen Bewährungsversager) Anlass gab. "Er hat seit drei Jahren keine Straftaten mehr begangen", sagte die Vorsitzende, als sie dem Mann eine weitere Chance einräumte. Währenddessen schloss der 44-Jährige die Augen und schickte ein Dankgebet zum Himmel. Wäre es nach der Staatsanwältin gegangen, hätte es keine Gnade gegeben.

"Leben neu gestaltet"

Inzwischen ist der Oberpfälzer in seiner neuen Heimat erneut als Autoverkäufer tätig. An Bargeld kommt er dort nicht heran, für solche womöglichen Absichten sind technische Schranken eingebaut. Nach Schwandorf will er nie mehr zurück: "Ich habe mein Leben neu gestaltet und bleibe, wo ich jetzt bin." Gleichwohl wird der 44-Jährige bis an sein Lebensende die ihn drückenden Schulden abstottern müssen. Auch die 1000 Euro Bewährungsauflage.

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