25.08.2017 - 09:28 Uhr
Oberpfalz

AZ testet die zehn Bundestagsdirektkandidaten "Was ist Ihre Lösung?"

Wie reagieren die Kandidaten für die Bundestagswahl auf eine Frage, die ihnen ein wildfremder Mensch per E-Mail schickt? Wir haben den Test gemacht und ziemlich flott recht ausführliche Rückmeldungen erhalten. Die Schnellste kam von einem bislang völlig unbeschriebenen Blatt.

Die Parteien buhlen derzeit fast überall um die Gunst der Wähler. Von den Plakaten lächeln viele bekannte und weniger bekannte Gesichter. Wie gut sich allerdings die Direktkandidaten mit zwei Dauerbrenner-Themen in Amberg auskennen und wie schnell sie antworten, haben wir überprüft. Bild: Ferstl
von Redaktion OnetzProfil

Unsere Fragen an die Kandidaten

Die AZ-Redaktion hat per E-Mail allen Direktkandidaten des Wahlkreises Amberg zwei Fragen zu Amberger Dauerbrennern geschickt. Dabei wurden die Anschreiben absolut identisch formuliert und zum selben Zeitpunkt an die offiziell angegeben E-Mail-Adressen versendet. Die Fragen lauteten:

"Sie treten ja bei der Bundestagswahl im September als Direktkandidat im Wahlkreis Amberg an. Als wahlberechtigter Bürger möchte ich mir gerne ein Bild von allen Kandidaten machen, deshalb hätte ich konkrete Frage an Sie: Seit Jahren ist in Amberg der Ausbau der Schienenwege ein Thema. Obwohl viel diskutiert worden ist, verzögert sich die Aufweitung der Bahnunterführung in der Regensburger Straße anscheinend weiter. Was können Sie als Bundestagsabgeordneter zu einer Lösung des Problems beitragen? Welchen Weg halten Sie als den erfolgversprechendsten?

Meine zweite Frage beschäftigt sich mit der Leopoldkaserne. Die Bundeswehr verlässt mit Ende des Jahres 2018 die zum Teil denkmalgeschützten Gebäude. Wie könnte man Ihres Erachtens die Kaserne in Zukunft nutzen? Und was können Sie tun um das zu realisieren? Vielen Dank und viele Grüße!"

Elmar Widder (parteilos)

Elmar Widder, der unabhängige Kandidat, hat am zügigsten auf unsere zwei Fragen (siehe nebenstehender Artikel) geantwortet. Nicht einmal 24 Stunden nach dem Versenden unseres E-Mails ging die Antwort-Mail des 39-jährigen Ambergers ein. Widder gab sich durchaus informiert und zeigte eine klassische Möglichkeit auf, wie er als Bundestagsmitglied Schwung in die Angelegenheit bringen könnte: "Durch schriftliche Aufforderungen könne er ,Druck' auf die Beteiligten ausüben."

Mit Blick auf die Leopoldkaserne brachte er einen Umbau zu Wohngebäuden, Kindertagesstätten oder zu einer Seniorenunterkunft ins Spiel. Und dann schließt er mit einem Plädoyer für mehr soziales Miteinander in der Politik: "Ich setze auf aktive Bürgerbeteiligung - das heißt, ich bin froh, wenn die Menschen mit ihren Vorschlägen auf mich zukommen. Demokratie lebt vom Mitmachen, deshalb bedanke ich mich schon jetzt für Ihr Engagement!"

Norbert Peter (ÖDP)

Platz zwei in Sachen Schnelligkeit geht an Norbert Peter. Der ÖDP-Politiker schrieb zwei Tage nach dem Versenden der Fragen zurück und punktet mit Ehrlichkeit: "Mit der Thematik der Bahnunterführung in Amberg habe ich mich noch nicht im Detail beschäftigt und ich bin mir auch nicht sicher, inwieweit das ein bundespolitisches Thema ist", schrieb er. Der 52-Jährige aus Paulsdorf machte jedoch deutlich, von welchen Prinzipien er seine Entscheidungen leiten lässt: Der Mensch und die Umwelt müssten im Mittelpunkt stehen. In Sachen Leopoldkaserne plädierte er für einen Ideenwettbewerb unter dem Leitbild des Gemeinwohls. "Ich bin überzeugt, dass sich da überraschende, kreative neue Lösungen ergeben."

Dominic Lenz (Linke)

Und wieder einen Tag später (drei Tage nach der Anfrage) meldete sich der Kandidat der Linken, Dominic Lenz. Er entschuldigte sich gleich für seine "späte Antwort" und gab zu: "Ich bin leider nicht mit der ganzen Thematik um den Amberger Schienenverkehr vertraut und kann Ihnen deshalb keine Lösung des Problems aufzeigen." Außerdem wolle er keine Versprechen geben, die er anschließend nicht halten könne. In der Leopoldkaserne schwebt ihm sozialer Wohnraum vor und die Möglichkeit, die Gebäude "gemeinnützig zu nutzen". Er bot an, die Themen persönlich zu besprechen. Zum Beispiel am Info-Stand der Linken in der Fußgängerzone und nannte auch gleich einen Termin dazu.

Manuel Werthner (FW)

Fünf Tage nach der Anfrage antwortete Manuel Werthner (28), der für die Freien Wähler antritt. Er sieht in Sachen Bahnstrecke eher Handlungsbedarf bei der Elektrifizierung, "so dass wir in Amberg ähnlich wie in Neumarkt, einen S-Bahn Anschluss nach Nürnberg bewerkstelligen können." Generell sei es notwendig, die Kommunen finanziell besser auszustatten, damit Projekte wie eine Bahnunterführung in Eigenregie angepackt werden könnten. Beim Thema Leopoldkaserne schlug er einen Runden Tisch mit Vertretern von Bildung, Wirtschaft und Politik vor. Sollte dabei keine brauchbare Lösung zustande kommen, plädiert er dafür, sich über die Bedenken des Denkmalschutzes hinwegzusetzen und das Gelände "für eine vernünftige Nutzung" neu zu bebauen.

Michael Prensky (BP)

Fünf Tage und acht Stunden sind vergangen: Jetzt übermittelt der Kandidat der Bayernpartei, Michael Prensky (58) aus Schmidmühlen, seine Antwort. Offen räumt er ein, dass er die "Gegebenheiten und Thematik" der Bahnunterführung nicht kenne. Konkreter sind seine Ansichten zur frei werdenden Kaserne. Prensky hält nichts von dem Vorschlag, dort das Nürnberger Karriere-Center der Bundeswehr anzusiedeln. Einen Umbau zu einer Ausbildungseinrichtung der Polizei hält er eher für möglich. "Ich selber würde gerne eine Freizeiteinrichtung für Kinder und Jugendliche in einem Teil des Geländes sehen."

Johannes Foitzik (SPD)

Am selben Tag wie Werthner und Prensky antwortete der Sozialdemokrat Johannes Foitzik (56) aus Neumarkt. Es war der Tag, an dem sein Parteifreund, der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Martin Burkert, Amberg besuchte und just an der Bahnunterführung Stellung zu dem Vorhaben bezog. "Ich denke, nach dem Termin kann ich mich mit konkreteren Lösungsoptionen zurückmelden", teilte Foitzik mit. Und er hielt das Versprechen: Zwei Tage später meldete er sich erneut und berichtete über die Gespräche vor Ort. Den Stopp der Planfeststellung sieht er "als Chance, eine ganzheitliche Verkehrsplanung für diesen Bereich mit Ausbau der Straße und des Fußweges zu planen".

Fundiert äußerte sich der Neumarkter zur Leopoldkaserne. Bei einer Umwandlung in eine "Wohnraumerschließung sollte dem Charakter und der historischen Bedeutung des Areals Rechnung getragen werden". Da er noch nicht Mandatsträger sei, könne er nur zusagen, das Thema nicht aus den Augen zu verlieren. "Ich bin überzeugt, dass beide Anliegen wichtige Weichenstellungen für die Stadt Amberg darstellen."

Alois Karl (CSU)

Am sechsten Tag traf das E-Mail vom Wahlkreis-Abgeordneten Alois Karl (66), der die Region seit 2005 im Bundestag vertritt. Er verweist darauf, dass die Bahnlinie im Bundesverkehrswegeplan 2030 höhergestuft worden sei und deswegen Investitionen möglich seien. Zudem habe er mit Verkehrsstaatssekretär Andreas Scheuer von der CSU Amberg besucht, woraufhin ein Abkommen geschlossen worden sei, damit "Planungen seitens der Bahn vorangetrieben werden, um die völlig unzureichende Unterführung bei der Regensburger Straße zu verbessern." Im Bezug auf die Leopoldkaserne unterstreicht er die "sehr attraktive innerstädtische Lage für Bebauung". Karl machte Hoffnung: "Zum anderen habe ich Kontakt zu einem Großinvestor aufgenommen, der schon häufiger Flächen in dieser Größenordnung in deutschen Städten übernommen und entwickelt hat."

Yvonne Rösel (Grüne)

Eine Woche nach der Anfrage meldete sich die Grünen-Kandidatin Yvonne Rösel. Sie plädierte dafür, bei der Bahnunterführung erst einmal abzuwarten, ob Bund und Bahn mit der Elektrifizierung Ernst machen. Zudem betonte sie, dass die Stärkung des ländlichen Raums ihr Hauptthema sei. Auch beim zweiten Thema machte sie eine eher grundsätzliche Aussage: Bei einer Nachfolgenutzung für die Leopoldkaserne sollte der Aspekt der Nachhaltigkeit an oberster Stelle stehen. Eine Bundes- oder Landesbehörde in dem Komplex könne sich die Sulzbach-Rosenbergerin gut vorstellen, schrieb sie, ohne zu verhehlen, dass für so eine Marschrichtung umfangreiche Gespräche mit den entscheidenden Stellen geführt werden müssten. Rösel bot auch Termine für ein persönliches Gespräch an - an den Tagen, an denen sie den Infostand ihrer Partei besucht.

Moritz Pöllath (FDP)

Die Zukunft der Leopoldkaserne und der Ausbau der Bahnunterführung der Regensburger Straße - mit diesen Themen haben wir auch den FDP-Politiker Moritz Pöllath (35) per Mail konfrontiert. Ein Monat nachdem unsere Fragen schriftlich an den Liberalen rausgingen, kam noch immer keine Antwort.

Peter Boehringer (AfD)

Die AZ schickte zwei E-Mails mit den Fragen an die AfD raus: an Werner Meier, den stellvertretenden Landesvorsitzenden sowie direkt an den Kandidaten Peter Boehringer, einem 48-jährigen Vermögensberater aus München. Auch hier bekam die Redaktion keine Antwort.

Von Timo Ferstl

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