19.09.2017 - 15:48 Uhr
Oberpfalz

Baubeginn für neues Parkhaus an der Marienstraße im kommenden Jahr Fast schon ein Parkwunder

Über das Thema Parken wird in Amberg ja von jeher gerne diskutiert und gestritten. Sind es nun zu viele oder doch viel zu wenige Parkflächen in der Stadt? An einer Stelle aber sind sich alle einig: An der Marienstraße fehlen sie. Nur gut, dass dort im kommenden Jahr die Bauarbeiten für das neue und größere Parkdeck beginnen.

Strahlende Gesichter vor einem bisher nur virtuell existierenden Parkhaus (von links): Projektmanager Tim Schmidt und Geschäftsführer Stephan Pieper (Goldbeck Parking Services), Manfred Wendl (Verwaltungsleiter Klinikum), Rechtsreferent Bernhard Mitko und OB Michael Cerny. Bild: Steinbacher
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Jeder kann selbst Geschichten davon erzählen oder kennt zumindest zahllose, wie die Suche nach einem Parkplatz an der Marienstraße der Suche nach nach der berühmten Nadel im Heuhaufen glich. Bewerber auf Stellen im Klinikum kommen regelmäßig zu spät und völlig verschwitzt zum Vorstellungsgespräch, Patienten könne ihre ambulanten Termine nicht halten und Beschäftigte des Krankenhauses oder der Arztpraxen an der Marienstraße verzweifeln schier, wenn sie ihr Auto abstellen wollen.

Kreatives Parken angesagt

Kein Wunder, dass es immer wieder und vermehrt zu Anfällen "kreativen Parkens" kommt, wie Rechtsreferent Bernhard Mitko am Dienstag das fast tägliche Kuddelmuddel auf Straßen und Parkflächen nannte. Eine Situation, die so nicht viel länger hinnehmbar ist. Darin sind sich Bürger und Stadtverwaltung einig. Allerdings nahm die Suche nach der optimalen Lösung einige Zeit in Anspruch, bis am Dienstag das Ergebnis verkündet werden konnte.

Ausschlaggebend für die Stadt war es, so sagt es OB Michael Cerny, dass die Fördergelder für die Sanierung der jetzigen Parkfläche neben dem Mariendeck nicht zurückbezahlt werden mussten. "Da hat einfach die Erkenntnis mitgespielt, dass es besser ist, eine sanierte Fläche zu überbauen, als irgendwo eine grüne Wiese zu versiegeln." Damit war der Weg frei für eine europaweite Ausschreibung der Maßnahme, bei der nach einem kombinierten Erbauer und Betreiber für das neue Parkdeck gesucht wurde.

Der wurde schließlich im Bauunternehmen Goldbeck mit Sitz in Bielefeld gefunden, das vor einigen Jahren dazu übergegangen ist, die von ihm gebauten Parkflächen auch gleich zu bewirtschaften. Goldbeck schafft nun in einem ersten Bauabschnitt ein Parkhaus mit rund 776 Stellplätzen, dazu kommen noch einmal 84 auf der Freifläche.

Stellt sich nun heraus, dass diese Kapazität, die zum jetzigen Zustand ein Plus von rund 230 bedeutet, nicht ausreicht, kann auf 1200 Stellflächen erweitert werden. Theoretisch ist sogar ein dritter Bauabschnitt möglich, wenn das alte Mariendeck abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird. Apropos Mariendeck. Das wird im Frühjahr 2019, wenn nebenan das neue Deck eröffnet wird, geschlossen. "Das müsste ohnehin saniert werden", sagt Rechtsreferent Bernhard Mitko, der in diesem Fall als Projektleiter firmiert. "Das würde ungefähr soviel kosten wie ein Neubau."

Interessant an dem nunmehr zwischen der Stadt und dem Unternehmen Goldbeck geschlossenen Vertrag ist nicht nur, dass künftig ein Tochterunternehmen der Baufirma als Betreiber auftritt. Das Grundstück, auf dem das Parkhaus entsteht, bleibt zudem im Eigentum der Stadt Amberg, wird aber für 50 Jahre an Goldbeck verpachtet. So lange läuft auch der Betreibervertrag. Angefahren wird das Parkdeck sowohl über die Regensburger, als auch über die Emailfabrikstraße.

Parkdeck schluckt Verkehr

Das war OB Michael Cerny wichtig, weil dadurch ein großer Teil des Verkehrs, der heute die Marienstraße verstopft, bereits im Vorfeld ins neue Parkdeck geführt und dort verteilt wird. "Das schluckt einfach schon viel von diesem Verkehr."

Rund sechs Millionen Euro investiert Goldbeck laut Geschäftsführer Stephan Pieper und Projektmanager Tim Schmidt in den ersten Bauabschnitt, die Stadt Amberg übernimmt die Kosten für die Freimachung des Baufelds und die Verkehrsanbindung. "Das wird sich im sechsstelligen Bereich bewegen", nennt Bernhard Mitko eine Hausnummer. Einen ganz besonderen Gag haben die Goldbeck-Leute übrigens auch noch eingebracht: Die Fassade des Parkdecks hin zur Regensburger Straße wird mit bedruckten Folien zum Werbeträger für die Schönheit der Stadt.

Fakten und Preise

Die 1969 in Bielefeld gegründete Goldbeck GmbH konzipiert, baut und betreut unter anderem Gewerbeobjekte mit dem Schwerpunkt Industrie- und Logistikhallen, Bürogebäude und Parkhäuser sowie Schulen, Sporthallen, Seniorenimmobilien, Kindertagesstätten und Solaranlagen. An 40 Standorten in Deutschland und dem europäischen Ausland arbeiten rund 5100 Menschen bei Goldbeck.

Im Geschäftsjahr 2017/2017, das im März zu Ende ging, realisierte das Unternehmen mehr als 430 Projekte mit einer Gesamtleistung von 2,45 Milliarden Euro. Unter anderem baut Goldbeck derzeit das neue Parkhaus an der Universität in Regensburg. Das Unternehmen greift bei seinen Parkanlagen immer auf das gleich Modulsystem zurück und passt es den jeweiligen Gegebenheiten an.

Teil des Vertrags, den die Stadt Amberg mit dem Bielefelder Unternehmen abgeschlossen hat, ist die Gestaltung der Parktarife. Hier wurde ein bestimmter Rahmen angelegt, der für die gesamte Laufzeit von 50 Jahren einen Korridor vorgibt. Für eine Stunde muss der Nutzer künftig einen Euro bezahlen, jede weitere Stunde kostet 60 Cent - höchstens aber fallen fünf Euro an.

Für Dauerparker gelten folgende Tarife: Mitarbeiter des Klinikums zahlen 20 Euro pro Monat. Beschäftigte im Dienstleistungszentrum 30 Euro und sonstige Parker sind mit 50 Euro dabei. (ass)

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