25.08.2017 - 17:00 Uhr
Oberpfalz

Bodo Ramelow in Amberg Stimmen liegen auf der Straße

Wahlkampf. Welcher Wahlkampf? Vier Wochen vor dem Urnengang wagt eine Partei einen Klassiker. Sie geht in die Fußgängerzone und bietet ihren höchsten Mandatsträger - immerhin ein Ministerpräsident - auf. Dann der Affront.

Keine Berührungsängste mit dem Wähler: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Zweiter von links) unterstützte den Direktkandidaten der Linken, Dominic Lenz (Vierter von links), am Freitag bei einem Bürgergespräch in der Fußgängerzone. Foto: Wolfgang Steinbacher
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Trotz eines der Erfurter Staatskanzlei zugesagten Termins, lässt sich kein Bürgermeister blicken, um Bodo Ramelow (Die Linke) Grüß Gott zu sagen. Vereinbart war 13.45 Uhr, Martin Preuß (CSU) hätte die Anstandsgeste entbieten sollen. Ein Anruf im Vorzimmer des OB sollte die peinliche Situation noch retten. Doch da hob niemand mehr ab, eine kurzfristige Entschuldigung hatte es nicht gegeben.

Ramelow reagierte souverän. Er wisse um die Terminnöte in der Politik und fühle sich "weder ausgeladen, noch schlecht behandelt". Denn das Bürgergespräch, das er als Wahlkämpfer für Die Linke suche, sei bereits im Café in Gang gekommen. "Also scheine ich hier doch nicht ganz so unbekannt zu sein." Der thüringische Ministerpräsident stand in der Rathausstraße, um den Direktkandidaten seiner Partei, Dominik Lenz (19), zu unterstützen.

Der junge Berufsoberschüler, ein gelernter Fachverkäufer, macht sich keine Illusionen. Bayernweit sollte Die Linke die Fünf-Prozent-Hürde überspringen, um bei den nächsten Wahlen auf kommunaler Ebene keine umständlichen Zulassungsprozeduren absolvieren zu müssen. "Ich glaube, das Potenzial ist da", sagt Lenz und zeigt sich zuversichtlich. Während von den anderen Parteien bisher fast ausschließlich Wahlplakate zu sehen sind, betont der Direktkandidat, "dass es für uns schon essenziell ist, auf die Straße zu gehen".

Ramelow sagt es etwas anders. "Die Partei der Linken ist schon eine Partei der Bürgernähe", richtete er sich an die Passanten und musste nicht lange warten, bis sich eine junge Frau an ihn wandte. Noa wollte wissen, wie es Die Linke mit der momentanen Abschiebepraxis halte. Besonders auch, wenn sich junge Flüchtlinge gerade in Bildungsmaßnahmen oder einer Ausbildung befänden. Der thüringische Ministerpräsident gab als Maxime aus, dass "Deutschland endlich lernen muss, Zuwanderungsland werden zu wollen". Daraus resultiere als logische Konsequenz, dass sich eine Abschiebung aus einer Berufsschule heraus verbiete. Thüringen habe in den zurückliegenden Jahren 450 000 Einwohner verloren und derzeit 5800 offene Leerstellen. Diese Zahlen würden für sich sprechen. Ramelow zog aber auch eine klare und strikte Linie. "Wer behauptet, hier Schutz zu suchen, in seiner Heimat aber beispielsweise als IS-Kämpfer Schutz zerstört hat", dem könne kein Bleiberecht eingeräumt werden. Daneben schnitt Ramelow nach Fragen von Passanten eine Reihe weiterer Themen an. So setzt er sich für eine in ganz Europa einheitliche Mautregelung im Straßenverkehr ein, verwies auf Thüringens höchste Kindergartenplatz-Dichte unter allen Bundesländern oder sein Gerechtigkeitsempfinden, das einen verminderten Mehrwertsteuersatz auf Tiernahrung ablehne, während Babynahrung mit den 19 Prozent belegt sei.Der kleine Unterschied

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp