06.03.2018 - 16:56 Uhr

Bürgerspital-Areal erneut Thema im Amberger Stadtrat Mehrheit winkt Ausfahrt durch

Im Bauausschuss hat lediglich Grünen-Stadtrat Hans-Jürgen Bumes dagegen gestimmt, bei der Stadtratssitzung am Montag sind es schließlich zehn Stadträte. Es geht wieder einmal um das Bürgerspital-Areal - mit nur einer Neuerung, aber einer Vielzahl von Grundsatzreden.

"Es ist höchst fahrlässig, zum jetzigen Stand Namen von Firmen in die Welt hinaus zu posaunen." Zitat: Oberbürgermeister Michael Cerny
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Die ursprünglich mal als Tiefgaragen-Einfahrt geplante Stelle in der Ziegelgasse soll nun die Ausfahrt werden. Mit dieser Neuerung hatte sich bereits vor zwei Wochen der Bauausschuss befasst. Doch im Stadtrat kam erneut eine grundsätzliche Diskussion über das Für und Wider dieser Tiefgarage auf. Die Befürworter verteidigten die Pläne und führten ein ums andere Mal an, dass alles schon ausdiskutiert wurde und entsprechende Beschlüsse gefasst wurden.

Die Gegner äußerten erneut ihre Bedenken gegenüber dem Vorhaben. Zum Beispiel Eberhard Meier, der von einem Verwirrspiel sprach, das kein Bürger mehr nachvollziehen könne. Durch die Tiefgarage würden Lärm und Abgase steigen, was Wohn- und Aufenthaltsqualität in der Altstadt verschlechtere. Deshalb formulierte er eine "Ansage an die Amberger Groko": "Eine Politik zu Lasten der Gesundheit der Bevölkerung wird auf Dauer nicht funktionieren." Als er anfing, Wahlumfragen zu zitieren, ersuchte ihn der Oberbürgermeister, sich auf Wortmeldungen zum Thema zu beschränken. Immer wieder würden Fragen aufgeworfen, "wo es schon Beschlüsse gibt", kritisierte Michael Cerny.

Einen scharfen Rüffel handelte sich Grünen-Stadtrat Helmut Wilhelm ein. Er hatte Drogerie- und Lebensmittelmarkt benannt, die einziehen sollen: Müller und Netto. "Da reiben wir uns alle die Augen, wo wir sie jetzt haben: maximal 150 Meter entfernt." Für Wilhelm ist es offenkundig: "Wir machen zwei Löcher am bisherigen Standort auf." Für OB Michael Cerny war es höchst fahrlässig, zum jetzigen Stand "Namen von Firmen in die Welt hinauszuposaunen". Die Rechtsfolgen könne er nicht abschätzen, meinte er dazu. Die Namen seien ihm von zwei unterschiedlichen Quellen genannt worden, verteidigte sich Wilhelm. Stadtrats-Neuling Daniel Holzapfel (SPD) bombardierte Baureferent Markus Kühne mit einer Vielzahl von Fragen. Unter anderem wollte er wissen, ob der Ziegeltorplatz den durch die Tiefgarage erhöhten Verkehr aufnehmen könne. Kühne bejahte. Die Fahrzeuge würden nicht alle gleichzeitig in der Ziegelgasse ankommen. "Es ist nicht der Punkt, dass das Ziegeltor als Verkehrsknotenpunkt nicht mehr funktionieren sollte."

Sowohl Holzapfel als auch Wilhelm stuften die geplante Ausfahrt als eine "echte Gefährdungssituation ein". Befürchtungen wurden auch hinsichtlich des Lieferverkehrs geäußert. Kühne entgegnete, dass Lieferungen nicht mehr wie früher mit dem Karren erfolgten. "Das gilt aber für alle Geschäfte. Die Thematik Anlieferung werden wir immer haben, wenn wir Geschäfte in der Stadt haben wollen." Rudolf Maier (CSU) äußerte sich froh, "dass wir einen Investor haben". Es könne kein Nachteil sein, wenn in der Innenstadt ein Lebensmittelmarkt entstehe. "Auch das fördert das Wohnen, leerstehende Gebäude hatten wir lange genug." Ähnlich sah es seine Fraktionskollegin Michaela Frauendorfer. Ihrer Meinung nach entstehe dort ein neues Zentrum von Amberg, "mit Wohnen, Dienstleistung und Handel". Diskutiert wurde, ob die Tiefgarage nun eine Quartiersgarage oder eine öffentliche Garage sei. "Hier wird alles gehörig vermengt", bemängelte Wilhelm. Andere wiederum beharrten darauf, dass es "eine Quartiersgarage ist und bleibt" (Birgit Fruth). Auch Kühne stellte klar: "Es ist keine öffentliche Garage." Bei der Abstimmung waren zehn Stadträte am Montagabend gegen die vorgelegte Planung, die nun die ursprünglich mal geplante Einfahrt in der Ziegelgasse als Ausfahrt vorsieht.

Es ist höchst fahrlässig, zum jetzigen Stand Namen von Firmen in die Welt hinaus zu posaunen.Oberbürgermeister Michael Cerny
Nennen wir doch Ross und Reiter für den Drogeriemarkt und den Lebensmittelmarkt: Müller und Netto.Stadtrat Helmut Wilhelm (Die Grünen)

"Nicht 08/15"

Josef Lorenz von Amberger Bunt sah für das geplante drei-, teilweise viergeschossige n Geschäftshaus auf dem Bürgerspitalgelände noch Abstimmungsbedarf bei der Fassade und der geplanten Freifläche. "Wir brauchen eine Fassade, die in unser Stadtbild passt: modern, aber nicht 08/15", erklärte er im Stadtrat. Die im Sachstandsbericht aufgeführte "Außenflächengestaltung mit Luftkunst und Wasserspiel mit mindestens fünf Quadratmeter zur Belebung des Platzes an der Spitalkirche" empfand er als ein "bisserl wenig". Er schlug vor, den Pausenhof der Wirtschaftsschule einzubeziehen. (san)

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