13.08.2017 - 16:04 Uhr
Oberpfalz

Bürgerspital und Neue Münze in Amberg Endspurt für Projekt-Gegner

Alle wollen das Gleiche: eine lebens- und liebenswerte Amberger Altstadt. Doch der Streit um die Pläne für das Bürgerspital-Areal und das ehemalige Kaufhaus Forum geht weiter. Am Samstag bekamen die Gegner des Vorhabens in der Fußgängerzone neuen Zulauf.

So sieht der Entwurf für den Gebäudekomplex auf dem Bürgerspitalgelände aus. Im Erdgeschoss sollen Läden einziehen, darüber Büros und Wohnungen entstehen. Grafik: Büro Wittfoht
von Uli Piehler Kontakt Profil

18 Tage noch liegen die Pläne zur künftigen Bebauung des Bürgerspitalgeländes für jedermann einsehbar im Baureferat in der Steinhofgasse aus. Bis Donnerstag, 31. August, können alle Amberger Bürger ihre Bedenken und Einwendungen schriftlich vorbringen. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Menschengerechte Stadt, Achim Hüttner, will die Leute in den verbleibenden Tagen noch einmal mobilisieren. Und der Protest artikuliert sich zunehmend - nicht nur im Tiefgaragenjodler von Hans Märten. (www.onetz.de/1704410) Der Musiker trat am Samstag mit dem Lied auch wieder am Info-Stand der Projektgegner in der Bahnhofstraße auf.

Juristisch sauber

Nach der Auslegungsfrist wird die Stadtverwaltung das Für und Wider abwägen und dabei darauf achten, dass berechtigte Gegeninteressen nicht einfach vom Tisch gewischt werden. "Wir versuchen, das juristisch so sauber wie möglich durchzuziehen", erklärt der Oberbürgermeister Michael Cerny die Marschrichtung der Stadtverwaltung. Denn die Drohung der Interessengemeinschaft, eine Normenkontrollklage einzureichen, sorgt für gewisses Unbehagen in den Amtsstuben. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Parkhaus in der Altstadt auf diese Weise verhindert worden wäre. Hüttner verweist auf das Ende der 80er Jahre, als die IG den Plänen der Stadt für eine öffentliche Hochgarage im Maltesergarten ein Ende bereitete. Bei der Normenkontrollklage bekam die Interessengemeinschaft in zweiter Instanz vor dem Oberverwaltungsgericht Recht.

An eine solche Entwicklung mag Oberbürgermeister Cerny gar nicht denken. Jetzt, wo nach jahrelanger öffentlicher Diskussion der Immobilien-Investor Ten Brinke ein bindendes Kaufangebot für das Areal abgegeben hat und die Pläne mehr als konkret sind. Cerny stellt klar, dass es beim laufenden Beteiligungsverfahren nur noch um Feinheiten gehen kann, "aber nicht um neue Bedingungen". Wohin die Reise geht, habe der Stadtrat längst ausdiskutiert und festgelegt. Die Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße stehe nicht mehr zur Diskussion. "Im Sinne der Stadt wäre es, wenn im nächsten Jahr gebaut wird", sagt er und hält diesen Zeitplan - wenn nichts dazwischenkommt - auch für realistisch.

Abbruch im Winter

Nichts geändert hat sich auch an den Plänen für das Projekt Neue Münze auf der gegenüberliegenden Seite der Bahnhofstraße. Mittlerweile ist die Baugenehmigung erteilt. Das heißt: Die städtische Tochter Gewerbebau GmbH könnte ab sofort mit dem Abbruch des nicht-denkmalgeschützten Teils des ehemaligen Kaufhauses Forum beginnen. "Wenn es mit dem Abriss im Winter losgeht, wäre das ideal", macht der Oberbürgermeister seine Position dazu klar. Dann könnte der Hochbau der Neuen Münze gleichzeitig mit dem Tiefgaragenbau auf dem Bürgerspitalgelände über die Bühne gehen.

Mittlerweile sieht der Rathauschef die Mietersuche für die Neue Münze etwas optimistischer. "Wir haben Leute mit hohem Interesse. Aber die schauen halt auch darauf, was auf der anderen Seite passiert." Insofern seien die beiden Großprojekte eng miteinander verknüpft. Vielleicht bald so eng, dass Errichtung und Vermietung aus einem Guss erfolgt. Sowohl für den Entwurf des Bürgerspitalgeländes als auch für die Neue Münze haben die Stuttgarter Architekten Wittfoht die Planungen erstellt. Cerny macht keinen Hehl daraus, dass die Gewerbebau das Projekt an einen Investor abgegeben würde, "wenn ein ordentlicher Preis dafür gezahlt wird". Bereits im Frühjahr war über einen Verkauf an Ten Brinke spekuliert worden.

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Dossier zum Thema im Internet:

www.onetz.de/bürgerspital

Im Sinne der Stadt wäre es, wenn im nächsten Jahr gebaut wird.Oberbürgermeister Michael Cerny

Zwei Großprojekte

Projekt Bürgerspital

Der Immobilieninvestor Ten Brinke will zwischen Spitalkirche, Wirtschaftsschule und ehemaligem Ring-Kino einen viergeschoss igen Komplex für Läden, Büros und Wohnungen errichten. Dazu gehört eine Tiefgarage mit 172 Parkplätzen. Kostenpunkt: rund 25 Millionen Euro.

Projekt Neue Münze

Noch plant die städtische Gewerbebau GmbH den Nachfolge-Bau für das ehemalige Kaufhaus Forum. Auch hier ist an einen Mix aus Geschäften, Büros und Wohnungen gedacht. Der historische Innenhof soll überdacht, das Untergeschoss als Tiefgarage genutzt werden. Kosten hier: etwa 20 Millionen Euro.

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