Bürgerversammlung in Ammerthal
Aus Rat- wird Bürgerhaus

Der Architekt Uwe Reil versucht mit seinen Erläuterungen zu dem künftigen Raumkonzept des Rathauses, die Diskussion über einen beabsichtigten Umbau zu versachlichen. Bild: Hartl
Politik
Amberg in der Oberpfalz
23.02.2018
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Bürgermeisterin Alexandra Sitter und ihre Gemeinderats-Mehrheit wollen Lokalpolitik transparent gestalten. Das Gegenteil wirft ihnen hartnäckig die Opposition vor. So schaffen es interne Mail-Wechsel in die Bürgerversammlung.

Ammerthal. Zum Beispiel, so ein Antrag eines Ammerthalers, Schreiben, die zwischen dem Rathaus und dem Wasserwirtschaftsamt ausgetauscht wurden. Darin geht es um die Frage, ob die Gemeinde hinsichtlich der Finanzierung der Abwasserdruckleitung von Fichtenhof nach Ammerthal fördertechnisch als "Härtefall" einzustufen sei. Das Wasserwirtschaftsamt winkte ab. Das wollte der Bürger schwarz auf weiß sehen. Er glaubte offenbar dem Rathaus nicht.

Das Abwasser-Thema hatte wieder einmal für viel Ärger in der Gemeinde bis hin zu nach Sabotage aussehenden Aktionen gesorgt, wie aus dem Bericht der Bürgermeisterin am Donnerstagabend in der Bürgerversammlung hervorging. Eingeleitetete ölhaltige Farbe, unzulässige Entnahmen von Wasserproben, ein absehbar gescheitertes Bürgerbegehren, beschmiertes ("Bankrott droht in Ammerthal") Pumpenhäuschen, "Beschwerden von den immer gleichen Bürgern". Doch die Druckleitung ist in Betrieb und Sitter musste in der Versammlung einen Antrag aufgreifen, wonach sie vorrechnete, dass die neue Anlage nun monatlich 80 Euro mehr Stromkosten verursacht als das Vorgängermodell.

Struktur noch intakt

Wer dem Bericht der Bürgermeisterin folgen wollte, musste zu dem Schluss kommen, dass die Gemeinde eigentlich strukturell recht gut dasteht. Eine Grundschule mit 83 Kindern - knapp 50 davon in der Mittagsbetreuung - 81 Buben und Mädchen in der Kindertagesstätte St. Nikolaus, 14 Kleinkinder in der Krippe, ein funktionierendes Senioren-Netzwerk zusammen mit der Nachbargemeinde Ursensollen, eine gut anlaufende Nachbarschaftshilfe.

Das waren nur einige Punkte aus Sitters Darstellung. Zudem konnte sie auf knapp 170 im Ort gemeldete Betriebe und ein fast schon wieder ausgebuchtes neues Baugebiet verweisen. Das erfordert natürlich auch Investitionen, etwa in die Grundschule und die Kindertagesstätte, sowie die jüngsten Überlegungen im Gemeinderat: Rathaus-Umbau. "Gar Größenwahn wird mir vorgeworfen", kommentierte Sitter eine Facette der momentanen öffentlichen Diskussion. Die sollte an diesem Abend der Weidener Architekt Uwe Reil versuchen, etwas zu versachlichen. Demnach wird im Rathaus lediglich das Erdgeschoss genutzt. Das Obergeschoss dient als Lager- und Archivfläche. Diese Fläche soll nun einbezogen werden.

Hoher Nutzeffekt

"Mit minimalen baulichen Eingriffen kann sehr, sehr viel gewonnen werden", beschrieb Reil die Situation im Erdgeschoss. Im Stockwerk darüber möchte er einen multifunktional nutzbaren Sitzungssaal samt Foyer und Teeküche schaffen, um dort beispielsweise auch Vortragsveranstaltungen oder Empfänge ausrichten zu können. Das Hin- und Herpendeln der Verwaltung und des Gemeinderats zu Sitzungen in das Feuerwehrhaus gehöre dann der Vergangenheit an. Die größte bauliche Hürde dieses Konzepts stellt ein Aufzug dar, der nach den Maßgaben der Barrierefreiheit unverzichtbar ist, betonte der Architekt. Wenn den Ammerthalern das Projekt in einem Zug zu umfangreich erscheine, so ein planerisches Angebot, dann könne es auch Schritt für Schritt umgesetzt werden. Die beabsichtigte konzeptionelle Öffnung des Rathauses zu einem multifunktionalen Bürgerhaus, begründete Sitter mit dem Umstand, dass sich dann staatliche Fördermöglichkeiten abzeichnen würden, die es für einen reinen Verwaltungsbau nicht gebe. Seite 32

Gar Größenwahn wird mir vorgeworfen.Alexandra Sitter, Bürgermeisterin


Mit minimalen baulichen Eingriffen kann sehr, sehr viel gewonnen werden.Architekt Uwe Reil zum Umbau des Rathaus-Erdgeschosses
1 Kommentar
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Heinz Rahm aus Weigendorf | 24.02.2018 | 18:18  
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