02.03.2018 - 20:26 Uhr

Bundeswehr verlässt Amberg Panzerbrigade 12 verabschiedet sich mit Großem Zapfenstreich

Generationen von Soldaten der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" sind auf dem Marktplatz in Amberg angetreten, um sich zu verabschieden - immer mit dem Wissen, sie können sich bald wieder zurückmelden. Nach 59 Jahren gehen sie für immer.

Am 14. März 2009 waren die Soldaten der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" auf dem Marktplatz der Stadt Amberg aufmarschiert. Mit einem Großen Zapfenstreich feierte der Verband sein 50-jähriges Bestehen. Am Dienstag verabschieden sich die "Zwölfer" nach Cham. Archivbild: Stephan Huber
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Amberg. In wenigen Wochen verlässt die Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" die Leopoldkaserne in Amberg. An diesem Dienstag verabschieden sich die Soldaten mit einem Großen Zapfenstreich auf dem Marktplatz von ihrer Garnisonsstadt, ihrem bisherigen Zuhause. Sie gehen nach Cham. Nach 59 Jahren endet in Amberg eine Ära, für die Brigade und für die jahrhundertealte Garnisonstadt.

Der Abzug der "Zwölfer" bedeutet für Amberg einen tiefen Einschnitt, sagt Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU). Mit der Brigade verlassen die letzten Soldaten den Standort, die 300 Jahre alte Tradition als Garnisonstadt endet. Zudem verliert Amberg Arbeitsplätze und einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Mit der Verlegung des Stabes sowie der Stabs- und Fernmeldekompanie der Panzerbrigade 12 wird die Heeresreform "Heer 2011" umgesetzt - eine Maßnahme, die auf viel Unverständnis stieß.

Bisher war die Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" in unmittelbarer Nachbarschaft zum 2. US-Kavallerieregiment in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzberg), mit der sie eine enge Partnerschaft pflegt. Ein wichtiges Bindeglied zwischen deutschen und amerikanischen Streitkräften. Von Cham aus wird es schwerer, die Partnerschaft zu pflegen, weil die Wege um ein Vielfaches weiter sind.

Cham statt Weiden

Am 26. Oktober 2011 hatte der damalige Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) die Standortentscheidung verkündet. Den betroffenen Soldaten wird der Tag in schlechter Erinnerung bleiben. Nicht, weil sie an einen neuen Standort umziehen sollen, sondern weil ihnen am Abend zuvor noch signalisiert worden war, sie müssten nach Weiden. Daraus wurde nichts. Viele Soldaten fühlten sich verladen.

Zu Beginn der Amtszeit von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) waren viele Stationierungsentscheidungen ihres Vorgängers noch einmal überprüft worden. Der Umzug der Brigade wurde nicht abgeblasen. Zu viel war bereits in der Nordgaukaserne in Cham investiert worden.

Aus Sicht der Brigade hat der neue Standort Cham aber auch Vorteile. Der Stab, die Führung, ist dort in der Mitte des Stationierungsraumes seiner sieben Bataillone untergebracht. So reduzieren sich die Fahrzeiten. Zu den "Zwölfern" gehören das Aufklärungsbataillon in Freyung, das Gebirgspanzerbataillon 8 und das Panzerbataillon 104 in Pfreimd, das Panzergrenadierbataillon 112 in Regen, das Panzergrenadierbataillon 122 in Oberviechtach, das Panzerpionierbataillon 4 in Bogen, das Versorgungsbataillon 4 in Roding und die zivilberufliche Aus- und Weiterbildung Betreuungsstelle Regensburg.

April rollen die ersten Umzugswagen an, ab Mitte April sollen die rund 350 Angehörigen des Brigadekommandos in Cham einsatzbereit sein. "Mir kommt es darauf an, dass wir durchgehend und bruchfrei alle Truppenteile führen können - Verantwortung kann man nicht für ein paar Tage oder gar Wochen aussetzen", sagt Brigadegeneral Jörg See. Bei allem Wehmut wegen des Abschieds von Amberg wirbt er dafür, nach vorne zu schauen. "Cham wird unsere neue militärische Heimat sein und wir werden dort mit großer Freude und sehr herzlich aufgenommen - das spürt man überall."

Herzlich aufgenommen waren die "Zwölfer" auch in Amberg, wo die Brigade im Jahr 1959 aufgestellt worden war. Von Amberg aus schrieb der Verband Bundeswehrgeschichte. Am 11. Juni 1999 waren es Panzer der "Zwölfer" die in die südserbische Krisenprovinz einrückten, vorneweg die Minenräumspezialisten der Panzerpionierkompanie 120. Der erste Kriegseinsatz des Heeres nach 1945.

Angemerkt von Autor Alexander Pausch zum Artikel.

Geschichte geschrieben

Im Oktober 2013 lösten Soldaten der Brigade das deutsche Feldlager in Kundus in Norden Afghanistans auf und im Januar 2017 stellten sie mit dem Panzergrenadierbataillon 122 den ersten Nato-Verband im Baltikum und den ersten deutschen bei diesem Einsatz. Damit kehrt die Panzerbrigade 12 zu ihren Ursprüngen zurück. Bis zum Ende des Kalten Krieges war die Vorneverteidigung am Eisernen Vorhang ihre Aufgabe.

Vor neun Jahren war die Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" schon einmal zu einem Großen Zapfenstreich auf dem Marktplatz in Amberg angetreten. Damals gab es etwas zu feiern, den 50. Geburtstag des Verbandes. Zum Feiern ist an diesem Dienstag in Amberg sicherlich niemandem zu mute. Denn ein Jahr vor ihrem 60. Bestehen verlässt der traditionsreiche Heeresverband die Stadt.

Großer Zapfenstreich

Für Bundeswehr und Bundesregierung ist der Große Zapfenstreich das bedeutendste militärische Zeremoniell neben dem feierlichen Gelöbnis. Damit werden etwa Bundespräsidenten verabschiedet. Die Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" verabschiedet sich mit diesem Zeremoniell am Dienstag um 18.30 Uhr auf dem Marktplatz in Amberg. (paa)

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